Weiter geht’s im Westen

Vancouver – Okanagan Valley – Revelstoke

Heute früh um 2 habe den ich ultimativen Beweis erbracht, dass ich in Kanada angekommen bin. Als das zweite Mal das Telefon ging und mir irgendwer was auf Chinesisch in mein schlaftrunkenes Ohr fragte, war ich trotz der unchristlichen Uhrzeit ad hoc in der Lage, unchristliche Beschimpfungen auf Englisch abzusondern. A fucking awesome Kaltstart sozusagen.

Auch total voll awesome ist John, der neue Busfahrer. Heute früh standen wir vor dem Hotel im Nieselregen, es dämmerte gerade erst, ich war wie erwähnt zweimal von Chinesen aufgeweckt worden, und ein schöner Start in den Tag ist was anderes, da parkte in etwa 30 Meter Entfernung ein Reisebus. Wir rätselten eine Weile herum, ob das wohl unserer sei, und ich verlieh meiner Hoffnung Ausdruck, dass der Fahrer dann aber hoffentlich ein bisschen besser drauf sei als Carlo.

Um es vorweg zu nehmen: John ist ein Goldstück. Mit Cowboyhut auf dem Kopf stieg er aus dem Bus, bahnte sich den Weg durch uns Wartende, trompetete ein ebenso lautes wie fröhliches „Good morning! How are you today, folks?!“, nannte den Regen „liquid sunshine“ und fuhr uns durch sämtliche Schleichwege der Westküste. Jackpot.

Vor uns lag heute Morgen die längste Tagesetappe der ganzen Reise, alles, was jetzt noch kommt, sitzen wir locker auf einer Arschbacke ab. Zumal wir heute auch längere Erklärungen zu den einheimischen Bären über uns ergehen lassen durften. Was nicht uninteressant und vor allem hilfreich war, aber ob ich im Ernstfall noch weiß, welcher Bär welchen Haufen scheißt, damit ich weiß, ob ich wegrennen muss oder nicht, scheint mir zweifelhaft.

Die Landschaft hier sieht anders aus als an der Ostküste – auch und vor allem, weil es hier keine Red Maples gibt. Die Bäume leuchten hier eher gelb durch den Regen, was aber auch hübsch aussieht. Ach, was sage ich, „hübsch“. Ich sitze mit offenem Mund im Bus und kann nur staunen.

Den ersten Stopp der heutigen Tour machten wir in dem kleinen Städtchen Hope, eingebettet in eine atemberaubende Landschaft – Berge mit Wasserfällen.

Hope2

Hope1

Als kleines Mitbringsel von der Berliner Herrenreisegruppe gab es diesmal eine Blue Moose Kaffeekarte aus einem örtlichen Café. Für die ich mich natürlich „gern“ für ein spaßiges Touri-Foto zur Verfügung stellte.

Hope Blue Moose

Des Weiteren ist Hope bekannt für seine Holzkunst. Ich stelle mir da ja gern so knackige Lumberjacks vor, die mit nackten Oberkörper und der Kettensäge … mmmmh. Und auch wenn die Kunst, die dabei rauskommt, eher nebensächlich ist, hier ein paar Eindrücke:

Hope Carving Bear

Hope Carving Harry

Hope_Carving

Hope_Chip

Einen weiteren Stopp machten wir nach einer kleinen Tour durch ein Weinanbaugebiet bei Obstbauer Gatzke [sic] am Highway 97, der neben Weintrauben, Melonen und Äpfeln auch die Möglichkeit bot, sich trauen zu lassen. Was die Herrenreisegruppe zu der Ankündigung verleitete: „Erst mal suchen wir also für Kirsten einen Mann, dann kaufen wir Obst.“ Aber sicher doch.

Meine Kamera nervte den Tag über, sodass ich ein paar Bilder mit dem Handy aufnehmen musste, aber was soll’s.

Driving of the last spike

Abends stand ein großes Barbecue auf dem Programm, nachdem wir einen kleinen Spaziergang durch die Geisterstadt  am Hotel, dem Lake Gap Valley Chateau, unternommen hatten. Wo es eine großartige Ausstellung von Oltimern, Eisenbahnwaggons, Geistern und allerlei Gedöns gibt. Und wir lernten, dass mit  Pierre Trudeau ausgerechnet einer dieser immer so zauberhaft höflichen Kanadier den Stinkefinger-Gruß erfunden hat. Oder so ähnlich.

Revelstoke8

Revelstoke5

Revelstoke7

Revelstoke1  Revelstoke3

Revelstoke2

Revelstoke6

Aber wir waren alle so platt, dass keiner lange sitzen blieb. Zumal das Bier zwar trinkbar, aber doch eher teuer war. Empfohlen übrigens von Busfahrer John. („It’s good, trust me. I wouldn’t steer you wrong. At least not at the beginning of the trip.“ Ich sag ja: Goldstück.)

Wir waren aber nicht zu müde, um noch ein bisschen Klassenfahrt zu spielen. Sprich: Die Berliner Herrenreisegruppe und ich tranken das heimlich eingeschmuggelte Bier auf dem Zimmer. Bzw. im Wintergarten. Mit Feenüberwachung. Prost und gute Nacht.

Revelstoke9

Revelstoke4

Song of the day:


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: