Wie Sie Ihre Mitreisenden zur Verzweiflung bringen

Bei einer Busreise ist man seinen Mitreisenden tage-, manchmal wochenlang ausgeliefert. Wenn Sie wollen, dass sich die anderen Businsassen auch noch Wochen nach ihrem Urlaub an die gemeinsame Zeit erinnern, befolgen Sie die hier aufgeführten zwölf einfachen Schritte:

  1. Ignorieren Sie sowohl die Landessprache an sich als auch die Tatsache, dass andere Menschen überhaupt andere Sprachen sprechen. Bestellen Sie einfach „Zwei Hotdogs, bitte“ mitten in Montreal. Irgendwer wird schon in der Nähe sein, um zu übersetzen, was der Hotdog-Verkäufer sagt. Dafür reist man schließlich in einer Gruppe. Wenn wider Erwarten keiner da ist, rufen Sie ebenso laut wie unhöflich: „Wat hatta gesacht?!“, um auf Ihr Problem aufmerksam zu machen.
  2. Sobald der Bus zu einem Foto-Stopp hält, springen Sie in den Gang und suchen erst einmal gemütlich Ihre Siebensachen zusammen. Öffnen Sie die Gepäckklappe, suchen Sie Ihre Jacke. Ignorieren Sie, dass im Gang bereits Leute stehen, die fertig angezogen und mit der Kamera bewaffnet sind. Unsere Welt ist sowieso zu hektisch, diese Leute gehören ausgebremst. Wiederholen Sie das Manöver beim Wiedereinsteigen in den Bus (vor allem, wenn es regnet und Ihre Mitreisenden darauf warten, wieder ins Trockene gelangen zu können) und auch beim nächsten Aussteigen, selbst wenn dieses nur fünf Minuten später ist.
  3. Wenn Sie noch etwas im Bus vergessen haben, drängen Sie auf jeden Fall schnellstens zurück hinein, warten Sie auf keinen Fall, bis die zwei Leute, die schon einen Fuß auf der Treppe hatten, ausgestiegen sind.
  4. Hören Sie nicht zu, wenn der Reiseleiter etwas sagt und lesen Sie auf keinen Fall irgendwelche Informationsbroschüren. Fragen Sie lieber dreimal nach.
  5. Wenn in der Hotellobby die Schlüssel ausgegeben werden, bleiben Sie unbedingt in der ersten Reihe stehen, nachdem Sie Ihren erhalten haben. Sie erschweren es damit den hinter Ihnen stehenden Mitreisenden erheblich, ebenfalls einen Schlüssel zu erhalten.
  6. Stellen Sie sich am Aufzug möglichst direkt vor die Tür, damit Sie als Erster reinkommen. Bereits vor dem Aufzug Wartende können Sie ignorieren, vor allem wenn es sich um ein junges Mädchen mit Krücken handelt.
  7. Wenn unter Ihren Mitreisenden eine jüngere Frau mit einer digitalen Spiegelreflex-Kamera ist, nehmen Sie sich die Zeit, der Dame diese Kamera zu erklären. Ignorieren Sie die Tatsache, dass die Dame die Kamera schon seit mehreren Jahren besitzt und sie auch ohne fremde Hilfe bedienen kann.
  8. Ignorieren Sie fremde Währungen, das ist alles nur Teufelszeug. Sprechen Sie auch in Kanada keinesfalls vom Dollar, sondern hartnäckig vom Euro.
  9. Seien Sie gewiss, dass Sie alles besser wissen als andere (und vor allem als der Reiseleiter, der eventuell schon seit Jahren in diesem Land lebt) und tun Sie das kund. Immer und überall. Vergleichen Sie alles, was Sie im fremden Land vorfinden, mit zu Hause und finden Sie es nicht „anders“, sondern „schlechter“.
  10. Beschweren Sie sich über alles. Zum Beispiel darüber, dass die Niagara-Fälle zu klein sind.
  11. Lachen Sie über Einheimische, die sich bemühen, Ihnen in Ihrer Sprache Auskunft zu geben und dabei vielleicht das eine oder andere Wort charmant-falsch aussprechen. Je stärker Ihr eigener Dialekt ist, desto lauter dürfen Sie lachen.
  12. Versuchen Sie, andere Menschen zu verwirren. Verbreiten Sie das Gerücht, es gebe am folgenden Morgen kein Frühstück, weil der Flug zu früh gehe, auch, wenn das nur Sie selbst betrifft, der Flug der anderen Reisenden aber erst vier Stunden später geht. Seien Sie sauer, wenn die angesprochene jüngere Frau nur mit einem knappen „Tja. Dann ist das eben so“ reagiert und sich nicht so aufregt wie Sie.

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