Der feine Unterschied zwischen „allein“ und „einsam“

Und weil ja meine komplette Umwelt in der jüngsten Zeit so ein Riesenfass zu diesem Thema aufmachen musste, hier noch mal für alle zum Mitschreiben: Es geht mir gut, ich sehne mich noch immer nicht nach einem Mann an meiner Seite, ich genieße diese Reise nicht obwohl, sondern weil ich alleine bin. Was ist daran eigentlich so schwer zu begreifen? Ich kann aufstehen, wann ich will, frühstücken, was ich will, wenn ich mir in Quebec einen Garten ansehen möchte, kann ich das tun, obwohl die Zitadelle vielleicht interessanter wäre, ich kann an einem Wasserfall stehen und stundenlang gucken, wenn ich das möchte, ohne dass ständig jemand an mir rumzerrt und von mir hören will, wie toll das ist. Ich habe nicht das Bedürfnis, ständig meine Eindrücke mit jemandem zu teilen, im Gegenteil. Ich bin hier auf einer Reise, von der ich zehn Jahre geträumt habe. Ich habe mir diesen Traum ganz allein erfüllt und kann ihn deswegen auch gut alleine genießen. Und auch, wenn das nicht jeder verstehen kann, könnte das vielleicht doch jeder akzeptieren? Ich maule ja auch nicht die ganze Zeit die anderen Leute auf der Reise an, sie sollten Dinge alleine unternehmen und sich von ihrem Partner trennen, nur weil ich auch alleine bin.

Ich ticke einfach nicht so, dass ich ständig jemand um mich herum haben muss, es macht mir nichts aus, alleine in ein Restaurant zu gehen oder ins Kino oder sonstwo hin. Das Schlimmste an den Urlauben, die ich zusammen mit Partner gemacht habe, war, dass die nie was alleine machen konnten. Ich liege gern mal einen Tag lang faul am Strand – das war aber nie möglich, weil die Herren ja immer was unternehmen wollten – aber bitte nicht alleine, „wofür sind wir denn zusammen hier“?

Was mich vor allem so nervt, ist, dass ich mir mit solchen Diskussionen ein Thema aufstülpen lassen muss, das für mich gar kein Thema ist. Plötzlich muss mich aber dafür rechtfertigen, dass ich allein bin – ein Umstand, über den ich mir nach der bislang letzten Beziehungskrise meistens weniger als einmal am Tag Gedanken mache. Ich kann guten Gewissens sagen, dass ich im vergangenen Jahr nicht ein einziges Mal abends nach Hause gekommen bin und mir gewünscht habe, es solle noch jemand da sein. (Außer einer Haushaltshilfe vielleicht.)

Danke für die Aufmerksamkeit.


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