To speak or not to speak

Seit ich hier bin, frage ich mich die ganze Zeit bei manchen meiner Mitreisenden, wie man angeblich so weitgereist sein und sich zum Beispiel der englischen Sprache komplett verweigern kann. Oder überhaupt der Tatsache, dass andere Länder andere Sprache sprechen. Wie man „Zwei Hotdogs, bitte“ bestellen und sich wundern kann, dass der Kanadier an sich einen nicht versteht.

Und dann frage ich mich wieder, ob ich nicht vieles auf dieser Welt nie sehen werde, weil ich äußerst ungern in Länder fahre, deren Sprache ich nicht zumindest in Grundzügen beherrsche. Ich bin einfach nicht so der Typ, der sich mit Händen und Füßen verständigen mag, ich hasse es, wenn ich wie der Ochs vorm Berge stehe und ich einfach nicht kapiere, was der andere von mir will. Solche Situationen haben schon zu Kinderzeiten Fluchtreflexe bei mir ausgelöst. Ich wäre gestern schon fast daran gescheitert,  mir so ein verdammtes Brioche zu kaufen, und das nervt mich extrem. Die Lösung wäre natürlich, statt dauernd Englisch zu sprechen, auch mal mein Fanzösisch oder mein Italienisch aufzupolieren, aber mit diesen beiden Sprachen bin ich nie so richtig warm geworden.

Dabei ist es im Grunde ja die größere Leistung, in einem Land klarzukommen, wenn man die Sprache nicht kann. Sich irgendwie durchzuwursteln und am Ende doch zu bekommen, was man will. Zumal die Kanadier neben den Schotten das freundlichste Volk sind, dass mir bislang begegnet ist. Sehen wir mal von unserem Busfahrer ab. Das ist ein solcher Muffkopp, dass ich mich frage, ob der nicht westfälische Vorfahren hat.

Aber ich genieße es total, mich (wenn wir nicht gerade im französischsprachigen Teil sind), mich unterhalten , ein Pläuschen mit der Dame an der Kasse halten und einen augenzwinkernden Scherz mit dem Museumsführer machen zu können. Ich freue mich, dass ich hier mehr als nur „klar komme“ und dass ich den Leuten meine Wertschätzung entgegenbringen kann, indem ich ihre Sprache spreche. Und die Leute wiederum erzählen mir viel mehr als den Mitreisenden, die nicht mal „Guten Tag“ auf Englisch sagen können. Oder wollen. Ich stehe peinlich berührt daneben, wenn mal wieder einer „Wat hatse jesaacht?!“ quer durch den Raum brüllt, nur weil die Kassiererin „How are you today?“ gefragt hat. In solchen Fällen packe ich meinen schönsten amerikanischen Akzent aus, damit die Einheimischen nicht etwa denken, ich kenne diese Menschen.

Schön auch, wenn jemand sagt, er komme ja überall durch – auch ohne Sprache. Um dann mich zu fragen, ob ich nicht mal eben was übersetzen könnte.

Ich glaube, ich werde einerseits weiterhin bewundern, dass manche sich trauen, in ein Land zu fahren, dessen Sprache sie nicht sprechen. Aber für mich selber fehlt mir was, wenn ich die Sprache nicht kann. Ich lese gern Plakate, Infotafeln, meinetwegen auch Graffiti, weil ich so das Gefühl habe, einem Land näherkommen zu können und es besser zu verstehen. Und ich spreche wahnsinnig gern mit den Leuten in ihrer eigenen Sprache.


5 responses to “To speak or not to speak

  • Blinkfeuer

    Ich kann ja z.B. kein Russisch (und sonst auch nicht viel), aber als sich in den frühen 80ern die Gelegenheit ergab, seeeehrrr günstig mal nach Leningrad, mal nach Moskau zu düsen, klar, da ist man dabei. Buchstaben lernen, Plakate und Speisen lesen können, mehr ging terminlich auch kaum. Und wenn man dann so da auf einem Platz stand und blöd, unwissend guckte, kamen immer schon welche, die einem erklärten, wo man hinwollte. SUPPA!
    Gut, damals rannten da auch noch keine Amis rum, wie in Paris, die fragen nichts, die fordern gleich. Krakeelerpack. Und diese Italiener, die kurz rüber zur Billigadria nach Jugoslawien fuhren: auch schlimm. Bei denen zahlt man, wenn man nur mit dem Kellner spricht, das Brot nur anguckt. Da haben die in YUG dann immer den dicken Max gemacht. Und die deutschen „die machen dir da sooooo ein Schnitzel“- Touris…..Schnitzelfresser!

    • Kirsten

      Und genau die Reise hätte ich wegen mangelnder Sprachkenntnis und Schiss, deswegen unter die Räder zu kommen, nicht gemacht. Und wer weiß, was ich deswegen verpasst hätte. ;-)

  • kieliscalling (@kieliscalling)

    Ich kann dir nur zustimmen. Für mich war es ein totales AHA-Erlebnis, als ich in Frankreich selbst meine Baguettes kaufen konnte, die Preise verstand und auch passendes Geld geben konnte. Oder in Norwegen, obwohl ich nur ein wenig Dänisch kann, prima alle Plakate, Speisekarten und Zahlen verstand.

    Allerdings glaube ich, dass man nicht viel braucht. Grundvokabeln, finde ich, sollte man können und auch ein gewisses Verständnis der Grammatik. Dann noch ein gutes Wörterbuch und die Reise wird bestimmt ein Erfolg.

    • Kirsten

      Ja, das fand ich zum ersten Mal in England auch super, als es endlich Klick! gemacht hatte und ich diesen furchtbaren Sheffield-Akzent verstanden hab. ;-)

      Das Blöde ist, dass ich da immer so perfektionistisch bin. Ich will das dann immer ganz toll können und nicht nur in Grundzügen – damit bremse ich mich dann aber immer selber aus. Liegt vielleicht auch daran, dass ich früher ne „Freundin“ hatte, die in der Schule immer besser war als ich (außer in Englisch) und die ganze Zeit gelacht hat, wenn ich einen Fehler gemacht hab. Ich müsste das mal tiefenpsychologisch aufarbeiten. ;-)

  • Über Stock und Stein – ein Reisestöckchen | Kirstens Weblog

    […] mit der Sprache hatte ich hier schon mal genauer erläutert, das muss ich ja nicht noch mal erklären, […]

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