Ordentliches Ottawa

Heute war so eine Art Ruhetag. Von Quebec ging es nach Ottawa, also nur schlappe 432 Kilometer. Die allerdings ein bisschen lang wurden, weil unsere Reiseleiterin gern erbauliche Geschichten vorträgt. Während ich lieber Musik hören würde. Da heute aber nach der Hälfte der Fahrt die Batterien in meinem MP3-Player aufgaben, gab es kein Entrinnen.

Bevor es aber losgehen konnte, gab es heute früh erst mal große Verwirrung. Aufgrund des am ersten Tag im Bus eingeführten Rotationssystems sitzt jeder jeden Tag woanders – das ist natürlich nichts für den deutschen Touristen, de die DInge nicht nur gern hat wie zu Hause, sondern auch jeden Tag wissen will, was ihn erwartet. Das fängt mit dem Sitzplaz an. Ich bin inzwischen dazu übergegangen, mein aufblasbares Kopfkissen schon beim Aussteigen am Abend vorher auf den Platz zu legen, den ich am anderen Tag laut Rotation habe. (Etwaige Ähnlichkeiten mit dem Ritual des Handtücher-auf-Liegen-werfens ist rein zufällig.) Heute früh aber saß ich nicht auf dem Platz, der mir zugestanden hätte, nämlich ganz hinten rechts, sondern ganz vorne links. Der eine Teil der entspannten Berliner Herrenreisegruppe hatte nicht ganz vorn sitzen wollen und den Platz an mich abgetreten. Ich wurde am Morgen fünf (Cinq! Five! 5!) mal gefragt, ob ich nicht den falschen Platz hätte. Na ja, wer die Reise akribisch mit dem Finger auf der Karte nachverfolgt, hat vermutlich auch blockwartmäßig irgendwo notiert, dass der seltsamen jungen Frau, die alleine reist, heute NICHT der Platz ganz vorne links zugestanden hätte.

Nun aber endlich zu Ottawa. Langweilig sollte sie sein, die Stadt. Nur das Parlament und das Canadian Museum Of Civilization und damit auch nur einen halben Tag Besuch wert. DAS kann ich jetzt nicht unterschreiben. Zum einen, weil man allein für das Museum schon zwei Tage einplanen sollte und zweitens, weil die Stadt überhaupt nicht langweilig ist. Okay, es rumort darin nicht so wie in Toronto; es wird auch nicht so viel gebaut. Aber mir gefällt Ottawa – vielleicht auch, weil es ziemlich britisch anmutet, Big Bens Glockenschlag am Parlament inklusive. Alles ein bisschen zurückhaltender, ein bisschen vornehmer. Ottawa kracht einem nicht mit Volldampf ins Herz, sondern schleicht sich mehr so hintenrum rein.

Das Hotel lag gegenüber einer Mall, die aber laut irgendwem, der keine Ahnung hatte, um 18 Uhr dicht machte. Klar. Eine Mall in Nordamerika, die um 18 Uhr schließt. Sicher doch.

Zum Glück glaubte ich das nicht und konnte für die Herren auf meinem Bett noch Betthupferl kaufen. Und Batterien für den MP3-Player, damit ich morgen die Reise wieder mit meinem eigenen Soundtrack unterlegen kann.

Gruselig ist übrigens, dass ich Sir Diefenbaker im Bus immer in eine Tüte setze, er aber immer, wenn ich nach einem Stopp wieder reinsteige, neben der Tüte sitzt.

Song of the day:


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