Schwarz-gelbes Leuchten

Champions League, Borussia Dortmund – Arsenal London 1:1

Mmmmmh. Champions League. Wie das klingt. (Jetzt hätte ich beinahe geschrieben, das schmeckt nach Schampus, aber es schmeckt vor Ort ja nach alkoholfreiem Bier. Blärg ) Zwei kleine Wörter, die so viel bedeuten und ein Fußballspiel in ein ganz anderes Licht tauchen. Ein helleres, strahlenderes Licht.

Heidenei.

Ich muss den geneigten Leser vor dem Weiterlesen wohl noch mal explizit vor dem warnen, was er sich nach den ersten Zeilen vermutlich schon gedacht hat: Mädchen-Post coming, sentimentales Geschwurbel galore.

Das dieses Spiel etwas Besonderes werden würde – und sei es nur wegen der acht Jahre dauernden Abwesenheit des BVB in der Königsklasse – kündigte sich schon im Vorfeld an. Wann gibt es schon mal ein Video, das die gegnerische Mannschaft willkommen heißt?

http://www.youtube.com/watch?v=FuimbkioYt0

Das allererste Spiel, das ich im Westfalenstadion sehen durfte, war ein 0:0 gegen Liverpool  in der Champions-League-Qualifikation im September 2001 – zu einer Zeit also, als die meisten Protagonisten der heutigen Mannschaft noch in kurzen Hosen hinter der Blasmusik herliefen. Und dennoch wusste von den Jungs da unten auf dem Rasen wohl jeder, um was es ging und wie groß die Bedeutung des Abends war.

Ich gehe ja nun schon seit fast acht Jahren mehr oder weniger regelmäßig ins Stadion – aber dieses Spiel gegen Arsenal am Dienstag stellte vieles in den Schatten, was ich bis dahin hatte erleben dürfen. Das fing schon mit dem Magengrummeln vor dem Spiel an. „ICH BIN HEISS WIE FRITTENFETT!“ simste ich dem besten Freund zur Terminabsprache. Und das sagt ja eigentlich schon alles.

Im Stadion selbst flirrte die Luft – anders kann ich es nicht ausdrücken – und machte alles ein bisschen bunter und intensiver. Stadion 2.0 sozusagen, Champions League-Upgrade erfolgreich installiert. Das Wurstbrötchen knackiger, Block 13 statt 15, Arsenal statt Aufsteiger. Nobby Dickel im Pullover eines distinguierten älteren Herrn, Übungsleiter Klopp im Anzug – beides ungewohnt, aber doch schön fürs Auge. Die Stimmung angespannter, aber auch erwartungsvoller. Die Gesänge lauter, das Beben auf der Südtribüne bis in die Schultern statt nur bis in die Knie.  Das Flutlicht heller, das Gelb gelber und das Schwarz noch tiefer.

Foto: Herr t

Vor allem aber war die Süd um einiges lauter als sonst – sonst stehe ich eher am Rand, diesmal in Reihe 9 ziemlich in der Mitte – also quasi mit der ganzen Tribüne im Rücken. Ich bin ja nicht gerade zumUmpusten, aber wenn einem so um die 15.000 Stimmen ein „Auf geht’s, Dortmund“ in den Nacken brüllen, weht es einen schon ein bisschen nach vorne. Und das war alles noch vor dem Spiel. Und, liebe Arsenal-Fans, die in der U-Bahn sangen „Where’s your famous atmosphere?“ – das war sie.

Und das:

http://www.youtube.com/watch?v=JkC3C2ImR8o

Das Spiel selbst dauerte nur so etwa 15 Minuten – zumindest kam es mir so vor. Die Jungs verkauften sich meiner Meinung nach gut und spielten wieder den Fußball, für den der BVB in der vergangenen Saison berühmt, berüchtigt und gefürchtet war. Beim Spiel gegen Hertha lag ich nach einer legendären Nacht auf dem Kiez noch schwerst verkatert auf dem Sofa und war nicht fähig, bewegten Bildern zu folgen, ohne das eine oder andere Astra wieder auf eigentlich nicht dafür vorgesehenem Wege in die Freiheit zu entlassen – aber Augenzeugen zufolge war das Spiel gegen Arsenal ein völlig anderes. Druck nach vorne, nie zurück, nicht immer filigran, aber mit Herzblut.

Arsenal schaffte es dann aber, einen blöden Fehler von Kehl zu nutzen. Und schon machte van Persie (ausgerechnet!) das 0:1. Ärgerte mich zwar, fand ich aber nicht so schlimm. Irgendwie wusste ich die ganze Zeit, dass da noch was geht. Nach den Berichten über das Spiel gegen die Hertha hatte ich vorher nur die Befürchtung gehabt, dass die Jungs sich blamieren, aber die Sorge war mir ja schon genommen. Darauf einen Schluck kühles Blond- ach nee, gab ja nix.

Als Ivan Perisic eingewechselt wurde, lag mir auf der Zunge zu sagen: „Der macht gleich das Ding“, aber irgendwie kam ich da drüber weg und hielt den Mund. Wieder eine Chance verpasst, meinen Ruf als allwissende Müllhalde zu festigen. Vier Minuten vor Schluss schaute ich auf die Uhr und dachte: „Ach, ist doch noch super viel Zeit“. Ich Fußballgöttin, ich.

Am anderen Tag wusste ich dann auch, was diese ganzen Miesmacher immer mit „besonderer Belastung“ im internationalen Wettbewerb meinen. Ich war selten so kaputt nach einem Spiel – Stimme im Bereich Tenor, Beine bleischwer und im Kopf immer noch leicht benebelt. Ich gebe zu, die internationale Belastung ist eine andere.

Ich freu mich jetzt schon auf Marseille und Piräus.


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