Don’t try this at home

Achtung: Dies ist eine Warnung. Nicht zu Hause nachmachen, es sei denn, Ihr habt zu viel Zeit und keine Freunde.

Es begann mit einem Besuch in einem entzückenden kleinen Gedönsladen in der Schanze, der den harmlosen Gedanken „Eigentlich könnte ich in meinem umgeräumten Wohn-/Arbeitszimmer mal diesen hässlichen alten Rollcontainer aufmöbeln“ nach sich zog, und endete mit drei Wochen Chaos im Wohnzimmer. Der Gedönsladen hatte nämlich diese bezaubernden, auf alt gemachten Kommodenknöpfe. Ich dachte: Cool, Stoffe hab ich noch zuhauf, ich bräuchte also nur Lack und irgendeinen Kleber, das müsste doch an einem Wochenende zu schaffen sein. (Das ist diese bisweilen bezaubernde Naivität, von der ich hier gelegentlich schreiben.)

In dieser Rechnung hatte ich aber diverse Arbeitsschritte vergessen:

  • in den Baumarkt fahren, Buntlack in dunkelblau kaufen, seltsame Beobachtungen machen
  • die Auswahl der Stoffe aus meiner Stoffkiste, zuschneiden, Reihenfolge auf den Schubladen festlegen (3 Stunden, 2 Bier)
  • das Einkaufen der Knäufe inklusive Besuch eines anderen Ladens zwecks Angebotsabgleich (2 Stunden)
  • das Trocknenlassen der Farbe auf dem Rollcontainer (2 Stunden pro Seite, um ganz sicher zu gehen)
  • das erneute Überstreichen und Trocknenlassen, weil der Anstrich beim ersten Mal nicht deckend war (4 Bier, 8 Stunden)
  • im Internet recherchieren, mit welchem Kleber man am besten Stoff auf Holz klebt, dabei bei Facebook und im Netz abschweifen und sinnlos Zeit verplempern (1 Bier, 3 Stunden)
  • in den Baumarkt fahren, den empfohlenen Holzleim kaufen, erneut seltsame Beobachtungen machen und aufschreiben (3 Stunden)
  • feststellen, dass man die Stoffe für die Schubladen eigentlich vorher waschen müsste, weil sie doch schon länger in der Stoffkiste gelegen haben (4 Stunden)
  • nach dem Waschen feststellen, dass man die Stoffstreifen auch noch bügeln müsste, weil sie aussehen, als habe man sie einer Kuh aus dem Maul gezogen (1 Stunde – wenn man schon mal dabei ist, kann man die restliche Bügelwäsche ja auch gleich noch machen, die schon so lange im Schlafzimmer liegt, dass sie eigentlich schon wieder gewaschen werden … wo war ich?)
  • den Stoff bei einer Schublade schief aufkleben und zu allem Übel noch Lack draufklecksen, abziehen und neu kleben (1 Stunde, 5 gottlose Flüche, 2 Frustbiere)
  • Ränder nachstreichen, weil sie in Buche dann doch nicht mehr gut aussehen, wenn der Stoff auf den Schubladen klebt (10 Stunden, 2 Whiskey)
  • feststellen, dass die Schrauben der neuen Knäufe zu lang sind, man aber keine Metallsäge hat (2 Flüche)
  • merken, dass die ursprünglichen Griffe zwei Löcher, die neuen Knäufe aber nur ein Loch brauchen, kurz den Kauf einer Bohrmaschine erwägen, verwerfen, warten, bis man ein Wochenende bei den Eltern verbringt, sich die Knaufschrauben vom Vater absägen und die Bohrmaschine erklären lassen („Das ist der Stecker, der gehört in die Steckdose“), wieder nach Hamburg fahren, die Löcher bohren (600 km, eine Woche Verzögerung)
  • den Container endlich, endlich, endlich wieder einräumen, aber vorher die Inhalte der einzelnen Schubladen ausmisten (2 Stunden)
  • alles fotografieren, Bilder bearbeiten, bloggen (1 Stunde)

Falls noch Freunde da draußen sind – ich hätte dann jetzt wieder Zeit.

Hallo?!

Irgendwer?

Egal. Bleib ich halt zu Hause, ist ja jetzt auch wieder hübsch hier.


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