Bloß nicht Letzte werden

Mit zunehmendem Alter und immer länger werdender Krankengeschichte werden auch die sportlichen Ziele immer bescheidener. Für die diesjährigen Senioren-Westfalenmeisterschaften hatte ich nur zwei klitzekleine Ziele. Zum einen wollte ich nach Möglichkeit nicht Letzte werden, zum anderen wollte ich bei meiner Weite auf der Urkunde unbedingt eine 9 vorn stehen haben. Natürlich hätte ich da noch lieber eine 10 gehabt, aber von meiner bisherigen Bestweite von 10,05 m bin ich zurzeit weit entfernt. Zu verdanken habe ich das einer Wadenzerrung (obwohl die eigentlich nicht zählt, denn immerhin hab ich damit und mit einem scharfen pinkfarbenen Medi-Tape die besagten 10,05 m gestoßen), einem Bänderriss vor knapp einem Jahr und der Tatsache, dass die Stadt Hamburg meiner sportlichen Karriere mit viel Leidenschaft entgegenwirkt.

Die Wadenzerrung ist lange überstanden, der Fuß mit dem Bänderriss ist immer noch nicht wieder so beweglich wie der andere, behindert mich aber beim Kugelstoßen nicht weiter. (Denn die Beine braucht man ja eh nicht beim Kugelstoßen, wie der Laie weiß.) Was mich in meiner Saisonplanung wirklich weit zurückgeworfen hat, ist die Mitteilung an der Pforte der Jahnkampfbahn, dass ebendiese „seit 4. März geschlossen“ sei. Leider ist sie das noch immer, und noch nicht einmal der Platzwart weiß, für wie lange noch. Ich dachte früher immer, auf hessischen Baustellen ginge es nicht voran, aber wie lange es hier in Hamburg braucht, um eine Tartanbahn zu legen, erstaunt mich über die Maßen. Das zuständige Bezirksamt ist bei der Suche nach Alternativen auch keine Hilfe. Anfragen von Bürgern zu beantworten, wo kämen wir denn dahin?

Ich kann also seit mehr als drei Monaten kein ausreichendes Techniktraining mehr machen, sondern nur Kraft- und Ausdauertraining. Was mir weder Spaß macht noch meine sportliche Entwicklung voranbringt. Zum Glück sind die Westdeutschen Senioren-Hallenmeisterschaften in diesem Jahr erst im November, sodass ich noch ein bisschen Zeit habe, zumindest halbwegs an meine alte Form anzuknüpfen.

Diese winzige Vorbemerkung ist nötig, weil es über die Westfalenmeisterschaften und ihren Ausgang an sich nichts zu erzählen gibt. Der Zeitplan, den der Verband den Gladbeckern Veranstaltern aufgedrückt hatte, verschob sich um fast zwei Stunden und als ich das erste Mal aufgewärmt und heiß wie Frittenfett auf den Wettkampf war, beschlossen die Veranstalter, unsere Gruppe doch erst zum Diskuswerfen zu schicken. Was okay gewesen wäre, wenn ich auch für Diskuswerfen gemeldet hätte. Hatte ich aber nicht. Und so durften zwei meiner drei Konkurrentinnen und ich noch mal eine Dreiviertelstunde warten, bis es endlich los ging.

Da ich aus den oben genannten Gründen gerade so richtig schlecht bin, konnte ich diesen Verzögerungen körperlich außer einer vor Wut geballten Faust nichts entgegensetzen. Zum Glück ging das allen so, sodass ich das eine Ziel – nicht Letzte werden – wenigstens erfüllt hab. Und die Weite – na ja. Lassen wir das, täuschen einen Hustenanfall vor und gehen unauffällig zur Tagesordnung über.


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