Freundlichkeit ist eine Zier

Ausgehend von einer Diskussion, die ich kürzlich auf Facebook verfolgt habe, stelle ich mir gerade eine Frage: Darf man von Frauen in Führungspositionen verlangen, dass sie  neben der Tatsache, dass sie es beruflich „geschafft“ haben, „auch noch nett“ sind? Oder muss man hinnehmen, dass sie am Ende eines langen und steinigen Weges an die Spitze einer Abteilung oder gar eines ganzen Unternehmens verbittert und stutenbissig sind und es nicht schaffen, anderen Frauen ebenfalls ein bisschen Erfolg zu gönnen? Wenn also Männer sich mithilfe der Ellbogen und ausgiebigem Nach-unten-treten hochboxen können, warum sollen Frauen bei ihrem Aufstieg oder am Ende ihres Aufstiegs dazu „auch noch“ freundlich sein?

Die Frage ist meines Erachtens völlig falsch gestellt. Denn natürlich darf man nicht von Frauen in Führungspositionen verlangen, dass sie nett sind. Zumindest nicht, weil sie Frauen sind. Das ist dieses „nun sei doch mal lieb, du bist doch schließlich ein Mädchen“, was bei mir schon genau das Gegenteil bewirkt hat, als ich drei war.

Nicht Frauen in Führungspositionen sollten kein Arschloch sein, sondern jeder und jede in Führungspositionen. Denn jeder arbeitet doch wohl lieber unter netten Menschen als unter Idioten. Eine Abteilung oder ein Unternehmen funktioniert nun einmal besser, wenn an der Spitze kein inkompetenter Sozialkrüppel sitzt, dem es Freude bereitet, seine Untergebenen in schönster Sonnenkönig-Manier nach allen Regeln der Kunst zu schikanieren.

Ich hatte an der Uni den weltbesten Chef von allen und habe zurzeit eine ziemlich klasse Chefin. Genauso habe ich aber auch im menschlichen Umgang sehr unangenehme Abteilungsleiterinnen erlebt und männliche Chefs, die fachlich und führungstechnisch eher mäßig begabt waren.

Ich selbst war mal für eine Weile „Chefin“ einer Jugendseite und habe in dieser Zeit Wert darauf gelegt, dass sich meine 15- bis 18 Jahre alten Mitarbeiter bei der Arbeit wohlfühlten und keine Angst davor hatten, auch mal ungewöhnliche Themenvorschläge zu machen. In unseren Themensitzungen wurde keiner niedergebügelt oder ausgelacht, wenn ich Artikel umschreiben musste, hab ich das immer in Absprache mit den Autoren gemacht und erklärt, warum ich was hatte ändern müssen. Als die Seite eingestellt wurde (aus mir bis heute offiziell unbekannten Gründen, denn mein damaliger Chef hatte mir seine Entscheidung nicht persönlich, sondern über die Volontäre als Boten mitteilen lassen – ein Dankeschön gab es bis heute nicht, aber das sei nur am Rande erwähnt), bedankten sich meine freien Mitarbeiter bei mir und bescheinigten mir gute Arbeit als Boss. Abgesehen davon, dass mich das sehr gefreut hat, habe ich diese Jugendseite sicher nicht deswegen gut geführt, weil ich eine Frau bin. Sondern weil meine Eltern mich so erzogen haben, dass es mir erstrebenswert erscheint, 95 Prozent meiner kostbaren Lebenszeit kein Arschloch zu sein. (Die restlichen fünf Prozent fahre ich Auto und beschimpfe andere Verkehrsteilnehmer als primäre Geschlechtsorgane. Hey – ich bin auch keine Heilige.)

Womit wir bei meiner Auffassung von Gleichberechtigung wären: Feministinnen mögen mich dafür hassen, aber vielleicht sollten wir alle uns mal an den Gedanken gewöhnen, dass Frauen genauso blöd sind wie Männer. Oder anders formuliert: Menschen sind blöd. Immer. Alle.

Ich erwarte nicht aufgrund seines Geschlechts von jemandem, freundlich zu sein, ich erwarte das von jedem Menschen. Und von jedem Menschen werde ich hin und wieder in dieser Hinsicht enttäuscht, denn – Menschen sind blöd. S.o.

Bei der eingangs erwähnten Facebook-Diskussion wunderte mich allerdings, dass jemand behauptete, Frauen in Führungspositionen hätten ja wohl das gleiche Recht, ein Arschloch zu sein, wie Männer es haben. Klar haben sie das, aber wer so argumentiert, torpediert doch seinen eigenen Feminismus. Denn viele Frauen, die ich kenne und die sich selbst als Feministin bezeichnen, sind der Meinung, dass Frauen die besseren Menschen seien. Dann müsste man doch von diesem Standpunkt aus gesehen von einer Frau in einer Führungsposition lockern fordern können, „auch noch nett“ zu sein, oder? Als sei es etwas Schlechtes, ein Unternehmen mit Menschlichkeit zu führen und anderen auch was zu gönnen.

Ehrlich gesagt ist mir das alles zu kompliziert. Können wir nicht mal mit diesem Mädchen spielen mit Puppen, Jungs mit Autos, Frauen sind so und Männer sind so aufhören?

Ich habe da ein sorgfältig durchdachtes Konzept von der Welt, das sich in zwei Thesen zusammenfassen lässt. Das Zusammenleben wäre so viel einfacher, wenn sich alle an den folgenden zwei Punkten orientieren würden:
1. Das Arschloch-Sein ist nicht auf Geschlecht festgelegt.
2. Menschen sind Idioten.
Wenn man mit diesem Wissen durch die Welt geht, wird man nur selten enttäuscht.


3 responses to “Freundlichkeit ist eine Zier

  • Der Borusse

    Diesen Artikel unterschreibe ich sofort. Ich bin auch der Meinung, dass jeder Mensch – egal, welchen Geschlechts, welcher Hautfarbe, Herkunft oder religiöser bzw. politischer Gesinnung – seinen Mitmenschen zumindest halbwegs menschlich und zivilisiert entgegentreten sollte.

    Aber, wie du schreibst, leider gibt es zuviele Idioten, die außer ihrer Weltanschauung keine andere gelten lassen und diese auch vehement nach außen vertreten. Dieses gilt sowohl für den beruflichen als auch den zwischenmenschlichen Bereich, und solche Personen habe ich zur Genüge kennengelernt.

    Allerdings ist es für Führungspersonen auch nicht immer einfach, seinem Gegenüber eine unpopuläre Entscheidung zu überbringen – selbst, wenn sie sachlich und inhaltlich fundiert erläutert wird. Der Empfänger der Botschaft wird diese in der Regel als unbegründet aufnehmen.

    Gleiches gilt z.B. auch für uns arme Systemadministratoren… Als Frontleute müssen wir dem Benutzer erklären, dass die Seiten von Youtube, eBay und Co. dienstlich nicht erforderlich und daher gesperrt sind. Bei aller Freundlichkeit, die wir dabei an den Tag legen, bleiben wir dennoch die Arschlöcher im Haus, die dem Benutzer die Arbeit „erschweren“. Was ich damit sagen will, ist: In manchen Jobs oder als Führungsperson hat man nicht immer eine Chance, auch als menschlich erkannt zu werden. Dabei spielt es keine Rolle, ob Weiblein oder Männlein.

    Letztendlich sind und bleiben wir alle Individuen, die ihre eigenen Ansichten und Standpunkte haben. Es soll ja sogar Menschen geben, die Fan der falschen Borussia sind… ;-) Aber das ist gut so und muss auch so bleiben. Dabei sollte man jedoch vernünftig miteinander umgehen.

    In diesem Sinne (wenn auch etwas verspätet) – meinen herzlichen Glückwunsch zur völlig verdienten und begeisternden Meisterschaft. Die Leistung der Truppe war über die gesamte Saison aller Ehren wert. Ich freue mich auf die Spiele in der Champions League, bei denen ich euch natürlich die Daumen drücke. Und das nicht nur, weil ihr die Punkte in Gladbach gelassen habt! Hach, war dat schön….

    • derborusse

      Hhmm, ich sehe gerade, dass der Post bereits vom 22. Mai ist. Die Benachrichtigungsmail von WordPress kam allerdings erst heute an.
      Aber egal, das ändert nichts an der Aussage.

    • Kirsten

      Das stimmt auf jeden Fall, dass man es als Chef auch nicht leicht hat, manchmal unpopuläre Entscheidungen zu überbringen. Aber ich finde immer noch, dass man als Chef zum Beispiel den Arsch in der Hose haben sollte, einer Mitarbeiterin, die man auch geholt hatte, damit sie die Jugendseite aufpoliert, zu sagen, wenn genau diese Seite eingestellt wird. Sowas lässt man nicht über die Volontäre ausrichten. Und ein Dankeschön für gute Arbeit hätte auch keinem wehgetan.

      Das mit den Systemadmins kenn ich ja auch so ähnlich, wenn man Leser/Zuschauer am Telefon hat und die sich wegen etwas beschweren, für das man gar nichts kann. Da ist man eben der Depp, der grad am Telefon ist und der Schuld an allem hat. Auch an der globalen Erwärmung und dem Abstieg von Arminia Bielefeld. ;-)

      Danke für die Glückwünsche! Ich hab in der Relegation auch Euch die Daumen gedrückt und mich echt gefreut, dass Ihr es geschafft habt. (Das zeichnet halt einen wahren und großherzigen Meister aus, dass er nicht nur nimmt, sondern am Ende der Saison auch den Bedürftigen noch Punkte gibt. *hust*) Und Dante sieht mit den appen Haaren auch nicht schlecht aus. ;-)

      (Der Post erschient mit altem Datum, weil der (wie noch viele andere) in der urlaubsbedingten Warteschleife hing und ich das jetzt alles nach und nach abarbeite. So um Weihnachten herum bin ich dann vermutlich wieder auf Stand.)

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