Bambule, Randale, Dortmund hat die Schale!

Ich weiß, es ist spät, aber von dieser Meisterfeier musste ich mich erst mal eine Weile erholen. Der BVB feiert, wie er Fußball spielt – schnell, schön und ohne Gefangene zu machen. Und ich bin auch keine 20 mehr.

Und was war das denn bitte für ein letzter Spieltag?! Der Deutsche Meister schießt die Eintracht in den Abstieg, Gladbach rettet sich in die Relegation, Wolfsburg rettet sich leider ganz, und eigentlich war mir das alles viel zu viel Aufregung. Ich mag mir gar nicht ausmalen, was es mich an Nerven  gekostet hätte, wenn es an diesem Spieltag für uns noch um was gegangen wäre. Aber von vorn.

Zur Stärkung begann der 34. Spieltag für meine Mutter, mich und eine entspannte Herrenreisegruppe aus Lippstadt, Gütersloh und Düsseldorf mit einem ausgiebigen Essen beim Argentinier, für das ich dank zuvor gestrickter BVB-Socken für zwei der anwesenden Herren noch nicht mal was bezahlen musste. Da sage noch einer, mit Handarbeiten können man heute nichts mehr verdienen. Bei diesem Essen konnte ich mit dem Tipp für das anschließende Spiel („3:1!“) auch gleich wieder meine Orakelqualitäten beweisen. Was die Herren bis nach dem Spiel aber auch schon wieder vergessen hatten und steif und fest behaupteten, niemand von uns hätte das Ergebnis getippt. Pah.

Auf der Tribüne gab es dann aber erst mal eine traurige Nachricht. Doris und Udo hören auf:

Vielleicht aufgrund des aus dieser Nachricht resultierenden Schocks kippte der beste Freund mir und meiner Mutter zur Begrüßung erst mal sein Bier in die Hacken. Er entschuldigte sich aber glaubhaft mit „Sorry, das tut mir mehr weh als euch“. War ja auch egal, es sollten schließlich noch drei Tore und damit drei Bierduschen folgen. Übrigens ist der beste Freund im Gegensatz zu vielen seiner Geschlechtsgenossen multitasking-fähig – er kann gleichzeitig Bier holen, das Spiel auf dem Bildschirm im Foyer verfolgen und Fehlentscheidungen erkennen:

An dieses Abseits kann ich mich allerdings nicht mehr erinnnern – so wenig wie an das ganze Spiel. Ich bin wie gesagt keine 20 mehr. Aber es war auf jeden Fall so ziemlich alles drin. Tränen (Dede! Nuri!), ein doofes Gegentor wie von mir getippt,  dreimal Torjubel und drei Umarmungen des mir bis dahin unbekannten jungen Mannes neben mir, Freude über den dann doch wieder ziemlich geilen Fußball (bis auf die zwei verschossenen Elfmeter *hust*) und schließlich Wehmut darüber, dass die Saison schon wieder vorbei ist.

Vermutlich kann ich mich auch deswegen so schlecht an Einzelheiten des Spiels erinnern, weil ich 90 Minuten damit beschäftigt war, die ganze Saison „Paroli laufen“ zu lassen. Denn was ich vor allem mit dieser Meisterschaft verbinde, sind diese vielen schönen Geschichten um Mannschaft und Spieler, die man wohl als geballten Schmuh antäte, läse man sie in einem Roman. Da gibt es einen Typen namens Großkreutz, der früher Woche für Woche auf der Südtribüne stand, seine Jungs anfeuerte und heute selber auf dem Rasen steht. Neven Subotic entert nach dem Spiel gegen Nürnberg einen Fanbus und feiert mit den Insassen – kann man sich das Szenario zum Beispiel mit Arjen Robben als Hauptperson vorstellen? Wohl kaum. Ein kleiner Fußballspieler aus Magdeburg wählt sich Dede als Vorbild und spielt später nicht nur in derselben Mannschaft wie sein Idol, sondern nimmt sogar dessen Platz ein. Und auch wenn man dafür die Nase ziemlich hoch tragen könnte, schielt Marcel Schmelzer bei Interviews immer noch so schüchtern unterm Pony vor, dass man meint, er spiele in der Kreisliga und könne diese ganze Aufregung nicht fassen. Und wann hätte man schon mal gehört, dass ein Spieler seinem Berater verbietet, ihm Angebote anderer Clubs auch nur mitzuteilen, weil er auf jeden Fall sowieso in Dortmund bleiben will? Toni da Silva will sich beim BVB eigentlich nur während der Arbeitslosigkeit fit halten, ergattert aber nicht nur einen Vertrag und macht gegen Hoffenheim eines der schönsten Freitoßtore, bei denen ich zuschauen durfte, sondern wird auch noch Deutscher Meister. Für den Schnäppchenpreis von 350.000 Euro kommt ein kleiner Japaner in die Mannschaft und schießt gleich zwei Tore im Derby. Was in Dortmund bedeutet, dass man sich eigentlich zur Ruhe setzen kann, weil es besser wohl kaum noch wird. Der australische Sonnyboy Mitch Langerak, den zumindest ich vorher nicht kannte, muss gegen die Bayern ins Tor und hält mal eben ganz locker den 3:1-Sieg für die schwarz-gelben Jungs fest, sodass man sich zumindest um das Tor der Borussia keine Gedanken hätte machen müssen, wenn Roman Weidenfeller bei der Meisterfeier bierselig vom Bus gefallen wäre (wovor ich kurzzeitig wirklich Angst hatte). Und dann Dede. Ach, Dede. Der Außenminister, der schon fast so lange für die Borussia spielt(e), wie ich Fan des Vereins bin. Ein Brasilianer, der 13 Jahre lang das Gesicht der Schwarz-Gelben prägte und auch in schlechten Zeiten dablieb. Wenn er gegen Frankfurt auch noch den Elfmeter reingemacht hätte, hätte sich wahrscheinlich spontan ein Heiligenschein über ihm gebildet. (Übrigens: Ein Dede-Schal ist ein prima Muttertagsgeschenk. Rührung garantiert. Nur so als Tipp.) Und dem sogenannten Experten, der vor ein paar Jahren mal schrieb, Dede sei der meistüberschätzte Spieler der Liga, sage ich jetzt das, wofür ich damals noch zu höflich war: Fresse!

Äh wo war ich? Ach ja – die 90 Minuten waren also mehr oder weniger schwupps! vorbei, Frankfurt, der „Deutsche Randalemeister 2011“, abgestiegen und wir immer noch richtiger und echter Deutscher Meister.

Und dann endlich! In echt und von ganz nah! Die …

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Viel näher kam sie mir leider nicht, weil es auf dem Rasen für die Mannschaft kein Durchkommen mehr gab – nur noch in Richtung Kabine. Danke dafür, liebe „Fans“:

Aber auch das konnte mir diesen Nachmittag nicht verderben.

Besonders schön an dieser Meisterschaft ist auch, dass es kaum wohl kaum jemanden mit Fußballsachverstand gibt, der dem BVB die Schale nicht gönnt. Die Meisterschaft wurde nicht mit Rumpelfußball, Gewalt oder Dusel verdient, sondern mit Einsatz, Tempo und Leidenschaft. Spieler und Trainer sowieso gaben immer ein gutes Bild in der Öffentlichkeit ab und traten vor allem die meiste Zeit bescheiden auf. Und das mussten sogar Schalker anerkennen:

:-)

Aber ernsthaft. Ich bemühe mich ja eigentlich immer um Objektivität, aber ich glaube, bei dieser Meisterschaft sind Dinge passiert, die so nur in Dortmund möglich waren. Klar, van Gaal war das Feierbiest, aber ein vom Balkon gebrülltes „Wir sind die Besten von Deutschland“ ist ja wohl ein Dreck gegen unser Partymonster Kloppo. Eine von mit Bier bewaffneten Spielern gesprengte Pressekonferenz? Der schwarz-gelbe Sambabus am Sonntag danach – hallo? 500.000 Menschen in der ganzen Stadt auf den Beinen? NUR BEIM BVB!

Die Feier war der würdige Abschluss einer „grandious saison“, eine Party einem Ausmaß, die der Leistung der Mannschaft angemessen war – wer so spielt, darf beim Feiern auch mal ordentlich auf die Kacke hauen. Und hat offenbar auch die nötige Ausdauer dafür.

Und zum Abschluss gibt es noch eine Neuigkeit vom Transfermarkt zu berichten. Ich lass das Kugelstoßen sein, das führt ja zu nichts mehr. Es ist schließlich nie zu spät, sich in den Dienst einer großartigen Mannschaft zu stellen:

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Ich kann es trotz oder gerade wegen all dem oben Beschriebenen kaum erwarten, dass endlich die nächste Saison anfängt. Champions League, Baby! Oder, um mit dem besten Freund zu sprechen: „Dafür haben wir uns damals die Dauerkarten mit der Champions-League-Option gekauft. Jetzt wird geerntet!“


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