Der Geist ist Willich

Ich hab es ja nicht so mit Kirche und Katholizismus. Das muss ich diesem Artikel vorweg schicken, sonst fragt sich der geneigte Leser nachher, was ich wohl geraucht haben könnte, so beseelt fühle ich mich grad von den Eindrücken der vergangenen Tage.

Über Pfingsten war ich zum ersten Mal als Teilnehmerin bei den DJK-Bundesmeisterschaften. Als Zuschauerin war ich schon bei mehreren, zum Beispiel in Bamberg. Da kann ich mich aber nur an die riesigen Maßkrüge und sonst nicht viel erinnern. Was vermutlich wiederum an den Maßkrügen lag.

Die DJK-Meisterschaften sind eine Art Katholen-Olympia, denn sie finden nur alle vier oder fünf Jahre statt. Doch wie ich jetzt feststellen durfte, ist das nicht die einzige Besonderheit dieser Wettkämpfe. Ich hätte das im Vorfeld nie geglaubt oder milde lächelnd als Spinnerei abgetan, aber DJK-Sportfeste sind tatsächlich anders. Relaxter, familiärer, freundlicher. Keine Ahnung, ob das am Heiligen Geist lag, aber die Leichtathletik-Wettbewerbe in Willich bei Krefeld waren das bislang entspannteste Sportfest, an dem ich bislang teilnehmen durfte. Als mein Trainer und meine psychologische Betreuerin (= mein Vater und meine Mutter) am Freitag den Sportplatz sichteten, waren nur einige einsame Gestalten mit dem Aufbau der Wettkampfstätten beschäftigt und offensichtlich ziemlich im Stress. Und dennoch kam sofort jemand auf uns zu, hieß uns freundlich in Willich willkommen und fragte, wie er uns helfen könne. Vermutlich ist das aber auch die niederrheinische Natur, denn bei uns in Westfalen hätten die Leute nur gedacht „Wat sin dattenn für Arschlöcher, hier findet doch heute noch gaa nix statt“ und den Hintern rumgeschmissen. Hömma.

Im Gegensatz zu allen anderen war ich im Vorfeld aber (wie immer) sowas von gar nicht entspannt. Immerhin waren das Bundesmeisterschaften mit Sportlern aus ganz Deutschland – und seien es auch „nur“ die von DJK-Vereinen. Ich musste eine Anti-Doping-Erklärung unterschreiben und mir zur Sicherheit das Allergie-Mittel am Abend vorher verkneifen, ich musste in der Frauenklasse mit den all den jungen Dingern starten, weil es keine Seniorenwertung gab. Das hat schon einen anderen Charakter als die Bauernsportfeste, an denen ich sonst teilnehme. Zumal meine Mutter mir vorher Folgendes mit auf den Weg gegeben hatte: „Wenn du nicht weiter stößt als X, gibt’s nen Tritt in’n Arsch!“ Da sieht man mal, wo ich meine gute Ausdrucksweise her hab.

Meine Nervosität verflog aber relativ schnell, denn die Kampfrichter waren freundlich, die Konkurrentinnen nett und die Atmosphäre locker, wie man hier sieht.


Normalerweise lache ich beim Wettkampf nicht. ;-)

Und so ging das auch die ganzen nächsten Tage weiter. Ich bin noch nie mit so leicht vielen Trainern und Sportlern ins Gespräch gekommen. Es gab kaum verkniffene Mienen, man half sich gegenseitig, vom Oberkampfrichter bis zur Kuchentheken-Bedienung waren alle fast durchweg gut drauf. Und ich war schon auf vielen Wettkämpfen und vor allem an vielen Kuchentheken.

Für unseren Verein waren die Meisterschaften mehr als erfolgreich. Die beiden Mädels, die unsere kleine Leichtathletik-Mannschaft komplettierten, holten einen 11. Platz im Kugelstoßen der Jugend B (mit neuer Bestleistung) sowie einen dritten Platz über 100m  und einen fünften Rang im Weitsprung der Jugend A. Als Sahnehäubchen obendrauf durfte unsere Sprinterin dann noch bei der Diözesanstaffel über 10x200m ran und holte da noch mal eben die Goldmedaille für die Diözese Paderborn. Außerdem hatten wir zusammen sehr lustige Tage mit gutem Essen, viel Bier und einer Menge Spaß. Blöderweise bin ich bei den nächsten Meisterschaften schon älter als 40, aber wer weiß. Vielleicht kann ich meine Form ja halten, dann bin ich gern wieder dabei. Und vielleicht mit heilem Ellbogen und besserer Technik als der hier gezeigten. Wobei ich die ganz schlimmen Bilder hier gar nicht erst zeige. Ein bisschen Stolz hat man ja auch als Senioren-Sportler noch.

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Was? Mein Wettkampf? Ach so, ja.

Nach der Meldeliste lag ich an elfter Stelle von 12 Teilnehmerinnen, von denen neun deutlich jünger waren als ich. Mein Plan war, einen Versuch ordentlich über die Zehn-Meter-Marke zu semmeln und damit hoffentlich unter die besten Acht zu kommen.

Am Ende ließ sich meine Leistung dann aber vor allem unter der Überschrift „Immerhin“ sehen. Es war immerhin der achte Platz mit immerhin 9,91m, also immerhin nur zehn Zentimeter unter meiner Meldeleistung. Und immerhin waren alle, die hinter mir landeten, jünger als ich. Die Platzierung an sich ist ja okay, aber mit den 10,20m, die ich eigentlich drauf gehabt hätte, wäre ich weiter vorn gewesen und vor allem näher dran an der Qualifikation für die Deutschen Meisterschaften nächstes Jahr. Lag vielleicht am neuen Maskottchen. Curd Rock muss auch noch weiter trainieren.


6 responses to “Der Geist ist Willich

  • wortteufel

    Wow, hast Du schöne Beine!

    • Kirsten

      Wenn Du das so sagst, will ich mal nicht widersprechen. Danke! ;-)

      • derborusse

        Ist auch besser so, denn jeder Widerspruch würde sofort im Keim erstickt werden! Wortteufel hat vollkommen Recht, sehr schön.
        Oder um im Fußballerjargon zu bleiben: überaus lecker Respekt!

        • derborusse

          Uups, eigentlich sollte das „überaus lecker“ in HTML-Tags gefasst werden, aber die (-MachoModusan- und -..aus-) werden wohl nicht anerkannt. Aber egal, betrachte es einfach als Kompliment.

  • Muschelsucherin

    Ach neee…. in Willich, da hätte ich ja zum
    persönlichen Anfeuern mal eben rüberhüpfen können. Das hätte dann bestimmt noch 10 oder
    20 Zentimeter mehr gebracht ;o)
    (Lass die Willicher das nie mit „Krefeld-Willich“
    lesen, ich glaube das kommt nicht gut an…)

    Alleine dein Maskotchen hätte aber den ersten
    Platz bringen müssen! Grüße von meinem Curd
    junior an deinen, er soll sich das nächste mal
    mehr ins Zeug legen!

    Aber immerhin…. Glückwunsch!
    Viele Grüße vom Niederrhein :o)

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