28 Zentimeter

Die gestrigen Senioren-Westfalenmeisterschaften lassen sich für mich im Grunde mit einem leicht verschachtelten Satz zusammenfassen: „Stell dir vor, du denkst, du bist scheiße – und plötzlich schenkt dir jemand 28 Zentimeter.“

So was passiert ja normalerweise nur im Traum – und mir auch da nur höchst selten: Ich kam gestern überhaupt nicht in den Wettkampf, war total nervös, im ersten Versuch klatschte die Kugel bei 9,02 m runter – dafür mach ich mich normalerweise nicht mal warm. (Das ist keine Arroganz, das sind Erfahrungswerte.) Im zweiten Versuch lief es besser – dachte ich zumindest. Aber die Kampfrichterin las nur 9,43 m vom Maßband ab. Von da an ging nichts mehr, alles ein einziger Krampf. Die eine Konkurrentin, an die ich jedes Jahr ein bisschen näher ranrücke, hatte nur 9,95m – also eine Weite, die ich durchaus hätte schlagen können. Aber es lief einfach nichts zusammen, ich war am Ende frustriert und Vierte.

Eigentlich alles nicht schlimm. Aber wenn man gut trainiert hat, aber das gleiche stößt wie nach wenig Training vier Monate vorher, wenn man die Qualifikation für die Deutschen Meisterschaften 2011 mit 10,30 m näher in Reichweite hat als jemals zuvor und  es absolut keine Erklärung dafür gibt, warum man so scheiße war, wenn man sich mit einer guten Weite eigentlich selbst beruhigen wollte für die Deutschen DJK-Meisterschaften an Pfingsten – dann sind 9,43m schlecht. RICHTIG schlecht.

Ich saß also nachher frustriert auf der Tribüne, schluckte die passende Antwort auf Sprüche wie „Ach, ärger dich nicht“ runter (wenn ich mich über eine schlechte Leistung nicht ärgern würde, könnte ich den Sport auch drangeben), ließ mir bei der Siegerehrung frustriert die Hand schütteln, ging frustriert duschen, aß frustriert zwei Frikadellen, ein Stück Kuchen und einen Doughnut und guckte anschließend frustriert den anderen beim Wettkampf zu.

Bis meine eine Konkurrentin auf mich zukam und fragte, ob ich mir schon meine korrigierte Urkunde am Stellplatz abgeholt hätte. Die hätten beim Messen was falsch gemacht und wir hätten alle 28 Zentimeter weiter gestoßen als abgelesen worden sei. WTF?!

Plötzlich hatte ich also 9,71 m zu Buche stehen und war gar nicht mehr so scheiße, wie ich gedacht hatte. Zwar immer noch nicht toll, aber besser. Prost!

(Aber bei aller Freude und Beruhigung für die Meisterschaften am Pfingstsamstag: So was darf auf Westfalenmeisterschaften nicht passieren. Und die geschenkten 28 Zentimeter sind schön, aber wer weiß, wie mein Wettkampf ausgegangen wäre, hätte ich beim ersten Versuch nicht 9,02 m, sondern 9,30 m gehört. Ich wäre vielleicht nicht so verkrampft gewesen und hätte noch weiter gestoßen. Ich wäre zwar immer noch Vierte, hätte aber vielleicht schon gestern wieder an den 10 Metern kratzen können. Aber was solls. Wie schrieb ein geschätzter Kollege gestern? „Mund abwischen, weiter machen!“. Und ein anderer: „Quäl dich, du Sau!“ Morgen ist wieder Training.)


3 responses to “28 Zentimeter

  • Lonari

    Das ist ja alles in allem recht ärgerlich! Hauptsache, bei den Wf-Meisterschaften können sie mit nem Maßband umgehen.
    (Als ich im Mailabo die Betreffzeile las, hatte ich irgendwie andere Assoziationen, aber ich nehme an, das war einkalkuliert?) :-)

    • Kirsten

      Ich weiß nur, dass ich ab jetzt immer genau gucke, was die da ablesen. Ich hatte gestern nur gedacht, dass jemand die Weiten-Linien gezogen hatte, der besoffen war. Dass die nicht mit einem Maßband umgehen können, kann man ja nicht ahnen…

      Und natürlich war das mit den 28 Zentimetern Absicht. :-D

  • Lonari@kaffeemamaschuhehsv

    Viel Glück für morgen!

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