Fünf Stufen des Wahnsinns

Ich bin ein Wrack. Körperlich wie geistig. Am Rande des Irrsinns quasi. Grund: die Senioren-Westfalenmeisterschaften am Donnerstag. 12.15 Uhr Kugelstoßen der Frauen W35. Ich will da nicht hin, aber nun ist es zu spät. Wenn ich es nicht schaffe, mir vorher noch was zu brechen, muss ich wohl mitmachen. Warum ich da jemals hin wollte, weiß ich nicht mehr.Ich versuche aber, den Wahnsinn zu ignorieren, denn eigentlich ist ja alles so wie immer und ganz normal:

Stufe 1 (ca. sechs Monate vor dem Wettkampf): Dalai-Lama-artige Gelassenheit
Der Wettkampf ist noch lange hin, und ich bin Buddha. Nervosität ist für Anfänger. Ich werde das kommende halbe Jahr ordentlich rankeulen, keinen Alkohol trinken, vernünftig nach Plan trainieren und ich werde sie alle umhauen. Weiter als zehn Meter? Aber hallo! Neue Bestleistung? Natürlich, darunter mach ich es doch gar nicht mehr! Die Qualifikation für die Deutschen Meisterschaften, also 10,30 m? Pah, kein Problem!

Stufe 2 (ca. vier Monate vor dem Wettkampf): Unvernünftige Euphorie
Die Konkurrentinnen haben bereits die ersten Wettkämpfe absolviert und kochen laut Ergebnislisten auch nur mit Wasser. Die hau ich alle um dieses  Jahr! Haha! Der Winter hat mir das Techniktraining zwar ein bisschen versaut, aber es ist ja noch lange hin. Jetzt noch mal ordentlich rankeulen und auch mal wirklich mit dem Alkohol aufhören.

Stufe 3 (ca. sechs Wochen vor dem Wettkampf): Frustration
Warum mach ich diese Scheiße eigentlich noch? Andere in meinem Alter klöppeln Wandteppiche oder machen Synchronschwimmen, was zur Hölle will ich mit Kugelstoßen? Ach ja, ich kann ja nichts anderes. Mist. Aber mal ehrlich – immer dieses Aufstehen olum sechs Uhr, um sieben auf dem Platz stehen, dann immer diese Quälerei und die Hetze, um rechtzeitig bei der Arbeit zu sein. lUnd das alles nur für lumpige acht Meter, mehr kann ich doch grad eh nicht, die werden alle über mich lachen und überhaupt. Aber langsam sollte ich wirklich mal mit dem Alkohol aufhören.

Stufe 4 (zwei Wochen vor dem Wettkampf): Fügen ins Schicksal
Ich bin schlecht, aber jetzt hab ich schon so lange trainiert, dass ich es auch durchziehen kann. Lass sie doch alles über mich lachen bei den Meisterschaften, ich kann ja sagen, ich sei verletzt gewesen und hätte deswegen nichts drauf. Außerdem sind nur insgesamt fünf Teilnehmerinnen gemeldet, und Fünfte hört sich doch schon mal gut an. Darauf ein Bier. Seufz.

Stufe 5 (zwei Tage vor dem Wettkampf, also heute): Eingebildete Krankheiten
Verflucht, die Schmerzen im Ellbogen werden immer schlimmer, der Rücken zwickt und die Achillessehne sowieso. Und hatte ich heute morgen nicht auch so ein Kratzen im Hals? Der Magen rumort auch schon wieder so, das kann nicht gut ausgehen. Und über das Abschlusstraining heute breiten wir mal den Mantel des Schweigens. Wie gern hätte ich jetzt einen Schnaps.

Also alles völlig normal. AAAAAAAARGH!


3 responses to “Fünf Stufen des Wahnsinns

  • Lonari

    Ich drücke Dir die Daumen und wünsche viel Glück!

  • derborusse

    Und – hat mein Daumendrücken geholfen? Hast Du die Konkurrenz versenkt? Ich glaube schon, denn wer sich vor dem Wettkampf so in die Hose macht wie Du, der muss gut sein!
    Boah, jetzt erstmal zur Entspannung ein Bier und einen Schnaps auf die amtierende Westfalenmeisterin… Prost.

    • Kirsten

      Ja, die Tanja freut sich bestimmt, wenn Du auf sie trinkst. ;-)
      Bin Vierte geworden mit einer Naja-Leistung. Ist etwas seltsam gelaufen, mehr dazu morgen…

      Aber danke für’s Daumendrücken!

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