Aufräumen im Adressbuch

Ist ja jetzt nicht so, als sei mein Leben grad total unkompliziert und als hätte ich noch nie Fehler gemacht. Aber wenn ich da stehe, mit einem klitzekleinen Klümpchen golden schimmernder Freude in der Hand und denke, dass meine Mitmenschen sich vielleicht mit mir an dem leichten Glanz erfreuen könnten, da kehren plötzlich einige den Miesepeter raus. Ich bin ja auch selbst nie um einen leichtfertig hingeworfenen, ironischen Kommentar verlegen, aber ist es wirklich nötig, einem alles, aber auch wirklich alles kaputtzureden? Nur, weil das eigene Leben grad selbst so verkorkst ist, dass man es nicht ertragen kann, wenn es anderen gut geht? Es fängt mit einem „Ach, das will doch keiner lesen“ zu einem Projekt an, geht über ein „Das denkst du aber auch nur, dass du das kannst“ über in ein „Der ruft dich doch eh nie wieder an“ und endet in einem meckrigen „Und wie sitzt die Hose, wenn du den Bauch nicht einziehst?“

Überall scheinen auf einmal nur Schwierigkeiten zu seine, und dann steht man da, sieht auf seine Hand und aus dem kleinen, goldenen Klümpchen Freude ist ein noch kleineres Stück Kohle geworden. Danke auch.

Zum Glück geht es auch anders. Zu den schönsten Sätzen, die ich in den vergangenen Wochen hören durfte, gehören „Ich freu mich so für dich!“, „Du bist aber auch ein ganz großer Schatz“, „Ich finde, du machst das genau richtig, liebe Kiki“, „Wenn sich die Vergangenheit immer wiederholen würde, gäbe es nach einem Fehlschuss nie ein Tor, stell dich bloß nicht selbst vom Platz“ und „Wenn die Dich ärgern, breche ich ihnen die Beine“. Ich dachte immer, man lernt echte von falschen Freunden zu unterscheiden, wenn es einem schlecht geht. Aber anscheinend lernt man das auch, wenn es einem gut geht.

Vielleicht sollte ich das kleine Stück Kohle dazu benutzen, in meinem Adressbuch einen dicken Strich durch ein paar Namen zu ziehen.


8 responses to “Aufräumen im Adressbuch

  • Scholli

    Menschen, die einen nur benutzen, um ihr eigenes Ego aufzuwerten, braucht man auch nicht wirklich in seinem goldenen Klümpchen Freude. Und anderswo wohl auch nicht. ;-)

  • Pleitegeiger

    Du könntest mit der Kohle auch ein Feuerchen machen und die Adressbuch-Seiten mit den doofen Freunden verbrennen :-)

  • Daniela

    Sehr gute Haltung!
    Es kann mir auch passieren, dass ich eben diesen Bereich des Gespräches, also das „klasse, das Du das machst!“ überspringe, weil ich denke, dass das Gegenüber das eh weiß und meine Wertschätzung kennst. Aber ich arbeite seit einigen Jahren daran, auch das Nicht-Gesagte, Nur-Gedachte auch mit auszusprechen.

    • Kirsten

      Genau! Mich ärgert es gerade deshalb, weil ich mich immer bemühe, andere Leute in ihren Vorhaben zu unterstützen, wenn ich sehe, dass sie mit Leib und Seele dabei sind. Ich kann jetzt hier nicht ins Detail gehen, aber es ging jeweils um Sachen, die mir sehr wichtig waren. Und dann einfach alles niedergemacht zu bekommen, war echt scheiße.
      Ich hab früher auch meine Mitarbeiter immer mehr gelobt als andere Kollegen das getan haben, weil ich wollte, dass es denen gut geht und sie motiviert sind. Das macht echt was aus. :-)

  • Halliway

    Einem alles kaputt zu reden oder mies zu machen ist für viele Blog-Leser manchmal soviel einfacher, als auf der „Freut-Euch-Doch-Mit-Mir-Welle“ mitzuschwimmen. Einfach mal die schlechte Laune beiseite schieben und zu versuchen etwas von der positiven Stimmung für sich zu gewinnen. Danach geht es nicht nur dem Blogbesitzer sondern auch einem selber etwas besser.

    Ich will die Leute jetzt nicht zum „alles schön reden“ animieren, man sollte schon schreiben was man denkt und meint, aber ein gewisses Gespür für Situationen sollte man schon entwickeln und wissen, wenn man lieber nichts schreibt und kommentarlos mitliest.

    Ich hoffe, dass dieser Eintrag nicht zum letzteren Teil gehört…

    • Kirsten

      Ach, im Blog hab ich mich ja schon fast dran gewöhnt. ;-) Aber in diesem Fall ging es um enge Freunde, nicht um Leser. Also um Leute, die mich gut kennen und von denen ich mir mehr Feingefühl erhofft hatte. Klar muss man nicht alles schön reden, das seh ich genauso. Aber nur weil grad selber nicht klarkommt, allen anderen alles madig zu machen, ist halt blöde.

  • Svenja-and-the-City

    Ein ganz wunderbarer Gedanke, den du da aufgreifst. Oh, wie ich das hasse, wenn Leute einem ständig Wasser in den Wein kippen müssen. Fühlen die sich dann besser?
    Ein ganz kleines Beispiel: Ich schreibe vielleicht ein tolle Blog Posting. Es ist lustig, eloquent geschrieben, ein paar tolle Fotos dazu. Eine Freundin liest es und der ERSTE UND EINZIGE Kommentar ist: „Da fehlt ein Komma.“ Mehr nicht, sonst nichts.
    Ich bin gekränkt.
    Weißt du, manchmal denke ich, du könntest mit dem irrsinnigsten neuen Ferrari angefahren kommen, den du gestern im Lotto gewonnen hast und deine Freundin sagt als einzigen Kommentar dazu: Von VW gibt es ein rot, das find ich aber hübscher.
    Ich könnt sie ermorden….

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