Mami, was bedeutet W****g******?

BVB – Hannover 96 4:1

Das Schöne am Stadionbesuch ist ja, dass man auch abseits des Spiels genug erlebt, das sich verbloggen lässt. Zum Beispiel, wenn das Spiel abgesehen vom Ergebnis zumindest in der ersten Halbzeit so schlecht war, dass einem vor dem kommenden Revierderby Angst und Bange wird. Denn Schalke wird sich wohl nicht so abnagen lassen wie die zurzeit völlig neben sich stehenden Hannoveraner.

Am Wochenende hatten meine Eltern und ich mal wieder das seltene Vergnügen, alle drei ins Stadion gehen zu können. Und wie immer, wenn drei ältere Herrschaften wie wir verreisen, fahren wir immer ganz früh los, um nicht in den Stau zu kommen oder im Falle eines Staus immer noch genug Zeit zu haben. Wir stehen im Stadion nämlich gern hinter so einem Wellenbrecher. Die haben den Vorteil, dass man selbst dann noch was sieht, wenn ein 2,04m-Riese vor einem steht. Hinter so einem Wellenbrecher hat man immer freie Sicht auf Owomoyelas Fehlpässe, vertändelte Torchancen von Zidane oder Klopps geballte Faust. Um da stehen zu können, muss man allerdings früh genug da sein.

Klappte dieses Mal auch. Bis Torben-Hendrik* und sein ökologisch-politisch korrekter, mit Ziegenbart bestückter, aber von Fußballsachverstand völlig befreiter Vater kamen. „Darf sich der Torben-Hendrik wohl hier auf den Wellenbrecher setzen? Der ist noch so klein“, fragt es auf einmal neben mir. Und weil ich ja so ein guter Mensch bin, sagte ich nicht: „Dann musste mit Torben-Hendrik entweder nen Sitzplatz nehmen oder früh genug kommen oder gleich ins Ballett gehen!“, sondern brummelte nur: „Wenn es denn sein muss …“ und machte Platz, sodass die beiden sich zwischen meine Mutter und mich drängeln konnten. Und ertrug leise stöhnend, dass beide erst beim Eckenverhältnis von 3:1 für den BVB kapierten, dass es sich dabei eben um die Ecken und nicht den fehlerhaft eingeblendeten Spielstand handelte.

Doch dank Schiri Wagner bekam Mats Hummels in der 39. Minute eine unberechtigte gelbe Karte und ich damit meine Gelegenheit zur Rache an meinem ökologisch-politisch korrekten Nebenmann. Schade, dass ich nicht dabei sein konnte, als Torben-Hendrik später am Abendbrottisch fragte, was denn wohl all die schlimmen Wörter bedeuten, die die Frau mit den wirren Haaren neben ihm im Stadion auf den Platz gebrüllt hatte.

*Torben-Hendrik hieß natürlich nicht Torben-Hendrik, sondern hatte einen anderen ökologisch-politisch korrekten Vornamen.


11 responses to “Mami, was bedeutet W****g******?

  • Anikó

    Ich muss ja gestehen, ich treibe mich in letzter Zeit auch öfter in Fußballstadien zu Fußballspielen rum, aber bekomme oftmals nicht allzu viel vom Spiel mit, weil die Leute drumherum so interessant sind und komische Sachen machen, z.B. sich noch vor dem Spiel von ihrem Lebensgefährten zu trennen etc. *kopfschüttel* Wenn ich nicht ’nen Foodblog hätte, könnte ich da auch ganz viel drüber schreiben ;-)

  • Scholli

    Jan-Philip? Malte-Benjamin? Maximilian-Markus? Finn-Lukas? Philip-André? Marvin-Eric? Felix-Timotheus? Benjamin-Ole? Tim-Malte? Hendrik-Johannes? Jannik-Noah? Noah-Benjamin-Malte? Gabriel-Lukas? Jörn-Philipp? …

  • Nick

    Ich merke schon, ich muss endlich mal wieder ins Stadion. ;-) In der Kneipe nerven immer nur die Leute, die sich während des Spiels ihren Weg zum stillen Örtchen durch die Sitzenden und Schauenden bahnen anstatt den Gang zu nehmen.

    • Kirsten

      Und wenn ja, sach Bescheid! ;-)

      Das Derby hab ich auch nur im Netradio auf dem Sofa verfolgt – weil ich nämlich keinen Bock auf Idioten in der Kneipe hatte. Hier in Hamburg noch dazu Idioten, denen sowohl Schalke als auch Dortmund egal ist…

  • Till-Henning

    Ich kenne das, da kannst du stehen, wo du willst, die größten Blitzbirnen stehen direkt neben oder hinter dir. Und die hören dann auch den ganzen Nachmittag nicht auf zu nerven.

    • Kirsten

      Ich bin aber auch wirklich ein totaler Deppen-Magnet. Auch diese Fettsäcke, die seit 20 Jahren ihre eigenen Füße unter der Wampe nicht mehr gesehen haben, aber trotzdem wissen, wie Fußball zu spielen ist, stehen gern mal hinter mir. Und ich muss gestehen, ich hör dann auch immer extra genau hin, was die faseln, damit ich mich aufregen kann… ;-)

  • Es war die Lerche « Kirstens Weblog

    […] Blitzbirnen: Typ auf der Südtribüne hinter mir: Ey, ich hab getz den Text von “You never walk alone […]

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