Kamin oder Rotwein?

Wolfgang Koeppen hat mal gesagt, die unproduktivste Phase beim Schreiben eines Romans sei das Schreiben. Das Ausdenken vorher sei dagegen ganz wunderbar. (Ich krieg das Zitat leider nicht mehr komplett zusammen und bin zu faul zum Recherchieren.) Tja. Er hatte zweifellos Recht mit dieser Aussage.

Ich glaube nämlich, ich muss mich von einem Projekt verabschieden. Seit fast einem Jahr geistert mir eine Geschichte durch’s Hirn, die ich gerne schreiben würde. Es ist die Idee zu einem Roman. Ich hab eigentlich schon alles zusammen. Ich kenne die Hauptfigur inzwischen besser als mich selbst, ich habe einen Plot zusammen, ich habe alles ziemlich genau durchdacht. Ich müsste den ganzen Rotz also „nur“ noch aufschreiben.

Und da hakt es auf einmal. Es geht nicht. Ich bringe keine zwei Sätze zu Papier. Zumindest keine zwei Sätze, die ich gut finde und nicht sofort wieder löschen möchte. Ich habe lustigerweise schon den ersten Satz und den letzten. Nur die drei Millionen dazwischen wollen nicht so recht flutschen.

Dabei habe ich diesmal nicht den Fehler gemacht, den ich sonst immer mache: Einfach drauflos schreiben, wird schon irgendwie aufgehen. Und dann bleibe ich an einer Stelle stecken, weil sich plötzlich ein Problem auftut, das es nicht geben würde, wenn man sich vorher die Mühe gemacht hätte, die Geschichte einmal bis zu Ende zu denken.

Diesmal nicht: Alles ist genauestens durchdacht, zwar nicht bis ins kleinste Detail, aber doch in groben Zügen. Es hat zwar lange gedauert, mich für eine Erzählperspektive zu entscheiden oder für den Grundton – eher witzig oder doch eher ernst – aber irgendwann fand ich schließlich alles rund und stimmig.

Anscheinend war das dieses Mal der Fehler – dieses Mal hätte ich vielleicht einfach drauflos schreiben müssen. Aber wie man es auch macht – es ist immer falsch.

Und jetzt sitze ich hier mit meinem (wie ich immer noch finde) grandiosen Roman-Plot und bringe keine Zeile zu Papier, weil ich die Idee kaputt gedacht habe. Was sehr schade ist, weil die Hauptfigur der Geschichte inzwischen eine ganz gute Freundin ist. Ich würde sie ungern aus meinem Adressbuch streichen.

Ich kann mich also nicht recht entscheiden, was ich nun tun soll: das Ganze in meinen nicht vorhandenen Kamin werfen oder die Flasche Rotwein aufmachen und das Beste hoffen. Seufz.


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