„Nur mit mehr Hass“

„Ist das eigentlich dein erstes Derby?“, fragte ich meine Mutter, als wir heute früh gen Dormund düsten. Als sie bejahte, meinte ich nur: „Is wie gegen Bayern, nur mit viel mehr Hass drin.“ Und wie Recht ich doch hatte.

Zum Spiel muss ich nicht mehr viel sagen, das steht anderswo besser und ausführlicher. Nur soviel: Bevor jetzt wieder alle nach einem Trainerwechsel schreien, und das taten sie teilweise auf der Südtribüne  – auch Herr Klopp kann aus Scheiße keine Pralinen backen. Unsere Jungs sind zurzeit einfach noch nicht so weit. Die Schalker waren technisch besser, zweikampfstärker und über weite Strecken einfach cleverer. Das muss und kann ich anerkennen. Es war nicht so, als hätten unsere Jungs nicht gewollt – sie können es nur grad einfach nicht besser. Und wer was anderes erzählt, der ist einfach nicht sauber zusammengenäht. Andererseits: Schiedsrichter Stark war an dem Tag ein Komplettausfall. Da wird die Bezeichnung „unparteiisch“ zum reinen Hohn. Und affiges Jubeln vor der Südtribüne stand schon Fabian Ernst schlecht zu Gesicht, wenn ich das grad noch mal anmerken darf. Manuel Neuer ist für mich mit diesem Verhalten auch kein würdiger Nationaltorhüter, aber was soll’s. Mund abputzen, weiter machen.

Was mich heute wirklich mitgenommen hat, war aber weniger das Spiel als die Anreise. Wir waren wie immer in der Münsterstraße in die Stadionbahn gestiegen. Das machen wir so, weil man in der Nordstadt gut parken kann, die Bahn noch leer ist und die Bekloppten erst am Hauptbahnhof einstiegen. In diesem Fall stiegen auch wieder Bekloppte zu – und zwar blau-weiße. Die als erstes die Polizisten bepöbelten (die Gott sei Dank miteingestiegen waren) und sie dann aufforderten, uns und die anderen vier BVB-Fans gefälligst aus dem Wagen zu entfernen. Ich gehe davon aus, dass unsere Fans sich in Gelsenkirchen keinen Deut besser benehmen, aber von da an war ich doch einigermaßen unentspannt (= coole Umschreibung für „ich hatte ganz schön die Hosen voll“). Der Zug fuhr dann fast ohne weiteren Halt durch, und trotzdem kam mir die Fahrt so lang vor wie schon lange nicht mehr. Die Gesänge waren die gleichen wie bei uns, aber ich hab es dennoch nicht so gern, als primäres weibliches Geschlechtsmerkmal oder als „Hurentochter“ bezeichnet zu werden. Angesichts solcher Erlebnisse sage dann sogar ich „Es ist nur Fußball“ – kein Grund also, beleidigend zu werden.

Am Stadion angekommen, gingen die Schalker in Richtung Südtribüne ab, was keine so gute Idee war. Vor allem, weil wir deswegen in Richtung Nordtribüne gehen mussten, wo wir auch nicht wirklich hin wollten. Sehr nett fand ich den einen grün gekleideten Herrn, der mich auf dem Bahnsteig fragte, ob ich mich auskenne und welcher Weg der kürzeste zur Nordtribüne sei. Nett vor allem, weil er die Schalker dabei durchgängig „diese Bekloppten“ nannte.

Nach diesem Stress ging es dann direkt weiter auf die Tribüne, wo wir wenigstens unter gleichgesinnten Bekloppten waren. Übrigens unter welchen, die Knoblauch gefressen hatten und sich die ganz Spieldauer unterhielten – MANN, GEHT DOCH DAFÜR IN DIE KNEIPE! Aber ich hab mir die Gesichter gemerkt, hinter denen steh ich nicht noch einmal.

Die Rückfahrt war dann umso netter, wie, um uns für die Anreise zu entschädigen. Neben mir saß diesmal ein auf sehr zauberhafte Weise betrunkener junger Mann, der sich wahrscheinlich nicht mehr an Einzelheiten unseres Gesprächs erinnern kann. Jedenfalls waren wir einer Meinung über das Spiel und die Möglichkeiten unserer Jungs. Auch mal schön.

Fazit: Es hat sich nicht wirklich gelohnt, den Urlaub einen Tag früher abzubrechen und das Seebrückenfest in Zinnowitz dafür sausen zu lassen. War ja doch nur so ein blödes Fußballspiel. Nur eben mit mehr Hass.


2 responses to “„Nur mit mehr Hass“

  • Nick

    Das scheint ja wirklich anstrengend gewesen zu sein beim Derby und dann so unergiebig! Zum Glück kamst du gerade aus dem Urlaub. Tolle Beiträge übrigens, man kann sich das alles wirklich lebhaft vorstellen. Ich war vor einigen Jahren auch mal auf Usedom, mit meinen Eltern; es war natürlich anders als bei dir, aber die Schönheit der Insel habe ich auch noch in Erinnerung.

    • Kirsten

      Ich war noch nie so kaputt nach einem Spiel …

      Ja, Usedom ist wirklich schön. Ich war vor sieben Jahren auch schon mal da, aber auch nicht allein. Diesmal konnte ich mir das alles viel besser einteilen. ;-)

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