Entspannte Gesellschaft

Eigentlich hatte ich heute nach Peenemünde fahren wollen, aber irgendwie hatte ich Angst, ich könnte die alte Rassistin da treffen. Also Wanderschuhe an und auf nach Trassenheide. Hin durchn Wald, zurück am Strand. Dazwischen festgestellt, dass Trassenheide nicht so unbedingt eine Reise wert ist, aber dennoch eine ganz nette Strandpromenade hat. Die man in zwei Minuten komplett durchlaufen kann. Übersichtlich.

„Also für mich müssen Sie sich jetzt aber nicht ausziehen“, sagte der ältere Herr, der zu mir auf die Bank kam, just in dem Moment, als ich mir den Pulli über den Kopf zog. „War auch nicht persönlich gemeint“, fiel mir nur ein, daraufhin ging er dann rasch wieder.

Neben mir missinterpretierten dann drei Rentner die Bild-Schlagzeile: „Ösis blamieren HSV“ als „Ossis blamieren HSV“ und wunderten sich eine Viertelstunde lang, was das denn heißen könne, der HSV sei doch gar kein Ost-Verein. Ich habe ganz gegen meine Gewohnheit nicht belehrend eingegriffen.

Als ich mittags im Restaurant saß und mich meines Alleinseins freute, betraten zwei Damen aus dem Hessischen die Terrasse und überlegten sich, wo es denn zum Sitzen genehm wäre. Nach langer Diskussion war es ihnen dann ausgerechnet an meinem Tisch genehm. Typisch – ich hatte zuvor noch gedacht: „Setzt Euch doch in meine Nähe, dann kann ich drüber bloggen.“ Immer vorsichtig sein mit Wünschen!

Ich gebe zu, dass ich am Anfang nicht begeistert war, sich die Gesellschaft dann aber doch als sehr nette entpuppte. Als unglaublich nette sogar. Selten hab ich mich mit fremden Leuten entspannter unterhalten. Vor allem, weil die beiden sich die üblichen Sprüche verkniffen und mir rieten, meinen Urlaub nicht trotz, sondern wegen des Alleinseins zu genießen.

usedom_strand1809

Der anschließende Spaziergang am Strand war die reinste Erholung für meine Achillessehne, sollte ich öfter machen. Beim Betreten der Strandpromenade in Zinnowitz spielten dann die Streckelberger Musikanten in der Strandmuschel nur für mich und zahllose Zuhörer im Rentenalter „Wenn der weiße Flieder wieder blüht“ – ein zweifelhaftes Vergnügen. Wohl in düsterer Vorahnung rutschte mir deshalb auch ein wenig charmantes „Ach du scheiße“ raus, als die Musiker das Stück ankündigten. Aber wenigstens hat die Damen neben mir, die sich auch die Füße vom Sand reinigte, etwa eine Viertelstunde gelacht.


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