Nach 314 km: Ankommen in Zinnowitz

Ich bin ja so spießig. Ich hatte eigentlich gedacht, das Stadium, in dem ich hart gekochte Eier, Tomaten und Käsebrote mit auf eine Reise nehme, erst mit 70 zu erreichen. Aber über so was konnte ich mir heute keine Gedanken machen: Ab heute ist Urlaub, und zwar so richtig. Das erste Mal seit sieben Jahren, dass ich wegfahre. Und zwar nicht nur zum Training nach Lippstadt, sondern an die See. Dahin, wo mich keiner kennt und wo ich meine Ruhe habe.

Im Vorfeld besonders blöd waren übrigens die Leute, die mir mit süffisantem Lächeln „schönes Wetter auch!“ wünschten. Ich habe im Urlaub immer gutes Wetter, Ihr Blödmänner! Im Urlaub wird sich nicht das fortsetzen, was sich durch den ganzen Sommer gezogen hat, nämlich dass an meinen Arbeitstagen immer die Sonne schien und es regnete, wenn ich frei hatte! Jawoll!

Die Fahrt war okay. Mecklenburg-Vorpommern besteht ja vor allem aus unheimlich viel Gegend. Deswegen ballte sich vermutlich auch auf dem einzigen Rastplatz, an dem ich auf der A 20 vorbei kam, alles. Merke: an einer vollen Tankstelle nie hinter dem Wagen aus Borken anstellen. Die können schon nicht Auto fahren, wie sollen sie tanken können? Der ganze Parkplatz war voll mit Westfalen und vermittelte mir zudem gleich einen Eindruck davon, wem ich im Urlaub vermutlich am häufigsten begegnen werde: Hektischen Rentnern und unentspannten Paaren mit noch nicht schulpflichtigen Kindern. Zauberhafte Aussichten.

Irgendwo zwischen Greifswald und Usedom ging mir dann mal kurz die Orientierung verloren, was zu einem nicht ganz so kurzen Umweg führt. Aber so sieht man wenigstens mal Gegenden, in die man sonst nicht kommt. (Und in die man auch nie wieder will, weil es da so aussieht wie im Zonenrandgebiet und man eigentlich nur darauf wartet, dass gleich ein Grenzer mit Waffe im Anschlag aus dem Gebüsch hüpft.) Aber irgendwann war ich dann doch wieder auf der Straße, die ich gesucht hatte und dann rasch im Hotel.

Einchecken war nicht ganz so einfach, weil an der Hotelrezeption stand, ich solle mich in der angrenzenden Sauna melden und an der Sauna, ich solle doch bitte an die Hotelrezeption kommen. Als ich gerade das vierte Mal hin und her ging, traf ich dann aber doch jemanden, der mich einchecken konnte. Zimmer ist natürlich nahe der Rezeption und mit Blick auf den Parkplatz, was bedeutete, dass alle Leute auf dem Parkplatz mir ins Zimmer gucken können. Aber man will ja im Urlaub auch mal jemanden kennen lernen. Zumindest hab ich gehört, dass andere Leute das wollen. ;-)

Während ich mein Zimmer in Beschlag nahm, den Safe mit der Kombination „1909“ programmierte, meine Sachen auspackte, eine Dusche nahm und Zinnowitz erkundete, verlor Dortmund übrigens zu Hause gegen Bayern mit 1:5. Gut, dass ich nicht da war.

In Zinnowitz selbst bestätigte sich dann der Eindruck vom Rastplatz: Rentner und noch nicht schulpflichtige Kinder. Aber das Meer, das Meer!

usedom_vinetabrücke1209


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