Ja!

So, der Kleine wäre dann unter der Haube. Und das war eine der schönsten Hochzeiten, auf denen ich je war. Vielleicht auch, weil so vieles anders lief als bei anderen Hochzeiten. ;-) Wäre diese Hochzeit ein Musikstück gewesen, könnte man sie vermutlich am ehesten als Heavy-Metal-Stück mit Einsprengseln romantischer Flötenmusik bezeichnen. Aber von vorn.

Intro
Das Wetter war genauso, wie die Braut vorhergesagt hatte: Perfekt. Beim Hochzeitstag handelte es sich nämlich um den Geburtstag der Braut, und da war bislang schließlich immer gutes Wetter. Es kriegt eben jeder das, was er verdient.

Vor dem Lippstädter Standesamt war die Hölle los, weil „unser“ Brautpaar natürlich nicht das einzige war, das sich an diesem Tag hatte trauen lassen wollen. Aber unseres war natürlich das coolste. Zumindest hab ich keine andere Braut gesehen, die im Cadillac (Baujahr 54, 5,4 l-Maschine, 230 PS, 2 t schwer, Verbrauch 17 l, wird aber nur im Sommer und trockenem Wetter gefahren. „Und zu besonderen Anlässen!“) vorgefahren wurde oder die einen Trauzeugen mit Melone hatte. Und von dem coolen Zopf des Bräutigams wollen wir mal gar nicht erst anfangen.

Hauptteil
Doch nicht nur wegen des Outfits und des Auftretens nannte die Standesbeamtin die beiden wohl sehr herzlich „ein besonderes“ Paar. ;-)

Die Trauung selbst war ebenso stilvoll wie lustig – und ja, ich habe geheult. Aber da ich damit nicht alleine war, war mir das ziemlich wurscht. Ich bin mir nämlich sicher, dass mein Onkel sich nicht nur den Schweiß abgewischt hat. Die Ringschachtel ist übrigens immer noch bei mir, falls die einer sucht. Ich dachte mir, so nah komm ich nie wieder an sowas dran. :-)

Bridge
Anschließend gab es vorm Standesamt Cocktails (für alle) und dumme Sprüche (für mich). Mein Cousin sei ja nun mit gutem Beispiel vorangegangen – unangemessen vertrauliches Augenzwinkern. Was das genau heißen solle, fragte ich angemessen gereizt zurück. Ooooooch, gar nichts. Man könne den Satz ja mal hier so stehen lassen. Das hab ich dann auch gemacht. Ich fand, so dämliches Gerede kann ruhig noch länger auf dem Rathausplatz stehen bleiben. Wenn es einer gebrauchen kann, soll er es sich mitnehmen.

Anschließend stellten einer der Brüder der Braut und ich fest, dass wir ja nun „Schwiegercousin und -cousine“ seien und freuten uns sehr. Ich glaube allerdings, die Freude ist auf seiner Seite inzwischen etwas abgekühlt. Ich seh das mit Zecken und Asseln ja nicht so eng, aber er … ;-)

Mein Vater organisierte von irgendwoher ein Bier, das überhaupt nicht in meinem Magen ankam, sondern schon auf dem Weg dahin verdampfte. Bei der Gelegenheit konnte ich dann auch gleich feststellen, dass das neue Kleid nicht so ganz farbecht ist und zusammen unter den Armen lustige Flecken die die beigefarbene Jacke gezaubert hatte.

Anschließend ging es hupend durch die Innenstadt (wollte ich schon immer mal machen):

fahrt

Finale
Beim Empfang im Wiesenhaus wusste ich gleich wieder, warum ich die Braut so mag: Mein Cousin fragte besorgt, ob er nun was sagen müsse, es hätten schon alle einen Sekt, und wie das denn nun liefe. Und die Braut: „Ach, hau einfach weg den Scheiß!“ Während sich die Gäste schon mal ordentlich einen ballern konnten, machte das Brautpaar obszöne lustige Gesten vor dem Fotografen und düpierte die uncolen Golfer des benachbarten Greens, während die coolen Glück wünschten.

Ähnlich locker ging es weiter. Mein Cousin sprach vor dem Essen souverän ein paar Worte, das war es dann auch. Wobei eine Rede meines Onkels wohl auch mehr als witzig gewesen wäre. ;-) Das Essen war grandios. Blöderweise hatte ich mir schon beim ersten Gang den Teller so vollgeladen, dass danach nichts mehr reinpasste. Aber diese Rotbarbe – EIN TRAUM! Und das Eis nachher! Da hatte ich zum Glück schon wieder Platz im Magen.

Wir hatten zudem einen guten Tisch erwischt – international besetzt mit Hessen, Westfalen und einer Brasilianerin. Letztere wohnt in der Hauptstadt und sagte mir zum Abschied: „Du hast jetzt übrigens einen Koffer in Berlin!“ Gut zu wissen – in Hamburg steht übrigens einer von Dir rum, liebe S.! :-) Meine Mutter und ich schindeten bei diversen jungen Herren Eindruck mit unserer BVB-Dauerkarte und dem Geständnis, dass wir beide Kugelstoßen machen. Manche Leute sind aber auch echt leicht zu beeindrucken.

Mit meinen neuen Schwiegercousins hab ich es mir aber wohl ein bisschen verscherzt – aber glaubt mir, Jungs: Man hat wirklich einen entspannteren Abend, wenn man nicht mit mir tanzen muss.

Die Braut gesellte sich kurz zu uns an den Tisch und fand auf meinen Spruch „Du hast dir aber auch nen guten Mann ausgesucht!“ so nette Worte für meinen Cousin, dass ich schon wieder hätte heulen können. Wenn ich nicht eh schon gewusst hätte, dass sie die richtige Frau für den Kurzen ist – spätestens da wäre ich mir sicher gewesen.

Solo
Auch den klassischen Walzer schenkte sich das Hochzeitspaar, getanzt wurde aber trotzdem. Und zwar zu ziemlich lauter Musik. ;-)

tanz

Outro
Halb drei, ein Schlubi an der Theke, eine Sonnenblume für alle, ein paar letzte Umarmungen und AUS! Schön war’s!


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