090909

In wenigen Stunden heiratet der beste kleine Cousin von allen, und ich, von ihm immer liebevoll „Cousinchen“ genannt, bin sehr aufgeregt. (Vor allem, weil ich noch nicht weiß, ob die Hochsteckfrisur gleich so klappt, wie sie soll, aber das ist  noch mal eine ganz andere Geschichte.)

Ich kann guten Gewissens sagen, dass ich mich schon seit Wochen auf diese Hochzeit freue. Weil ich mich sehr freue, dass der beste kleine Cousin von allen sein kleines rothaariges Mädchen gefunden hat und aus den beiden nun ein „Wir“ wird. Weil der beste kleine Cousin von allen es verdient, glücklich zu sein. Weil ich unheimlich gespannt auf die legendären Brüder der Braut bin und auf all die langhaarigen Rocker, die da sein werden. Weil das eine Höllenparty werden wird, auf der der DJ ein Verbot für „Schlager- und Popscheiße“ bekommen hat. Und weil es total geil ist, dass die Hochzeit am 9.9.2009 ist, auch, wenn das Brautpaar sich für Fußball überhaupt nicht interessiert.

Als mein Cousin und meine Mutter mich früher von der Schule abholten, riefen die anderen Kinder immer „Da kommt dein kleiner Bruder!“, was ich immer wütend korrigiert habe. Das war schließlich mein Cousin, nicht mein Bruder. Seitdem hab ich mir schon öfter gewünscht, es wäre andersrum. Der beste kleine Cousin von allen wäre sicher auch der beste kleine Bruder von allen gewesen.

Allerdings verstanden wir uns nicht immer gut. Von dem Moment an, als ich meiner Tante mit dem Charme und der Offenheit einer Sechsjährigen sagte, sie habe ja wohl einen ganz schön dicken Bauch und sie mir mitteilte, dass sie ein Baby bekomme, sah ich immer eine kleine Cousine vor mir, eine Art lebendige Puppe, mit der ich spielen und die ich rosa anziehen konnte. (Der Zusammenhang zwischen dem dicken Bauch und der Tatsache, dass meine Tante ein Baby bekam, wurde mir übrigens erst einige Jahre später klar.)

Dann kam mein Cousin auf die Welt, und das war schon sein erster Fehler: Er war ein Junge. Das habe ich ihm lange nachgetragen. Der kleine Kerl hing mit so viel Liebe an seiner großen Cousine und ich war, man muss es so deutlich sagen, ein Arsch zu ihm. Wir kommen erst gut miteinander aus, seit wir beide älter als zwölf sind. Das war ganz klar allein meine Schuld und ich schäme mich heute noch dafür, was für eine unglaublich blöde Kuh ich war.

Ich glaube aber, dass er mir das inzwischen verziehen hat, sonst würde er mich wohl nicht „Cousinchen“ nennen und mir immer meinen Rechner reparieren, wenn der wieder spinnt. Es ist sehr schade, dass wir inzwischen so weit auseinander wohnen und uns nur noch selten sehen, denn ich würde sehr gern viel mehr Zeit mit ihm und seiner Freundin/Verlobten/Braut verbringen. Umso mehr freue ich mich auf die Hochzeit und dafür, dass der Kleine (der mir heute locker auf den Kopf spucken kann) heute so glücklich ist.

Ich fürchte allerdings, dass ich sehr peinlich heulen werde, wenn er gleich sein Ja-Wort gibt und ich dann vielleicht daran denken muss, wie ich ihm früher den Schokoladenbrei vom Kinn gekratzt habe oder dass ich dabei war, als er seine ersten Schritte machte. Ich heule ja jetzt schon fast, da ich das schreibe, ich alte sentimentale Ziege.

Also, mein liebster B.: Ich freue mich so sehr für Dich und B., dass ich es kaum in Worte fassen kann. Ich wünsche Euch allerdings nicht, dass die Hochzeit der schönste Tag Eures Lebens wird, denn das klingt immer so, als käme danach nichts mehr, und das will ich Euch auf keinen Fall wünschen. Stattdessen wünsche ich Euch, dass Ihr heute nur den bislang schönsten Tag Eures Lebens habt und dass danach noch ganz viele wunderbare Tage folgen und für Euch immer die Sonne scheint.

Und sollte ich gleich bei der Trauung heulen und Euch blamieren, dann könnt Ihr ruhig sagen, ich sei Euch vom Bahnhof aus nachgelaufen.


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