Hurra, ein *gähn* Weltrekord *gähn*

„Guck da nicht so hin, das wollen die nur“, hieß es früher immer, wenn irgendwelche blöden Leute Faxen und albernes Zeug machten, nur, um Aufmerksamkeit zu erregen. Genauso geht es mir mit dem 100-m-Finale der Herren bei der Leichtathletik-WM in Berlin.

Es bringt nichts, mich zu dem neuen Fabelweltrekord zu Usain Bolt zu befragen – er interessiert mich nicht. (Was nicht heißt, dass ich nicht doch hingeschaut habe. Aber immerhin hab ich dabei gegähnt.)  Ich habe mit großer Spannung das Kugelstoßen der Männer und Frauen verfolgt, heute Abend werde ich mit schweißnassen Händen das Speerwerfen der Damen schauen, und vom Hochsprung der Frauen wollen wir gar nicht erst anfangen. Das Ergebnis des Sprint-Finales der Herren habe ich dagegen mit einem Achselzucken und der gelangweilten SMS an meiner Mutter: „Hurra. Ein Weltrekord. Wer hätte das gedacht. *gähn*“ kommentiert. Woraufhin meine Mutter antwortete: „Da feier ich doch lieber unsere beiden Silbermedaillen.“

Ich fand es großartig, dass Jennifer Oeser und Nadine Kleinert zumindest für kurze Zeit so sehr im Mittelpunkt standen, dass sich der Start für die 100-m-Finalisten verzögerte. Oeser hatte (nicht nur) nach ihrem Sturz über 800 m Anerkennung verdient, und Kleinert macht eben die coolste Disziplin von allen – da mag ich allerdings nicht ganz objektiv sein.

Außerdem finde ich es viel spannender, einen Wettkampf zu sehen, der über längere Zeit, sprich sechs Versuche geht. Wenn sich ein Athlet immer wieder neu konzentrieren muss, der Konkurrent eine Weite vorlegt und der andere gezwungen ist zu kontern. Wenn man im letzten Versuch noch alles gewinnen oder verlieren kann. Wenn man vielleicht ein wenig pokert und im Hochsprung oder Stabhochsprung eine Höhe auslässt. Was dabei alles schief gehen kann, hat der Stabhochsprung der Frauen gestern gezeigt – wer hätte gedacht, dass Issinbajewa einen Salto Nullo hinlegt? Klar hat im Kugelstoßen der Frauen die Favoritin gewonnen – so wie im Herren-Sprint ja auch schon feststand, dass Bolt das Ding holt. Aber im Kugelstoßen war es doch zeilweise ganz schön eng – immerhin war Nadine Kleinert zwischenzeitlich auf fünf Zentimeter an der Neuseeländerin dran.

Und ja – ich finde Kugelstoßen im Spitzensport durchaus ästhetisch. (Und mir ins Gesicht  zu sagen, die Sportart sei das nicht, ist eine Beleidigung, danke.) Ich sehe sehr gern die Zeitlupen und analysiere die Technik, ich fiebere mit, wenn die Athleten im Ring stehen und sich konzentrieren. Ich freue mich über persönliche Bestleistungen, als seien es meine eigenen. Und wenn Antje Möldner über 3000 m Hindernis mit einem neuen Deutschen Rekord Neunte wird, freut mich das über die Maßen. Wenn ein so spannender Kugelstoßwettkampf wie der vom Sonntag keine Werbung für diesen Sport ist, weiß ich es allerdings auch nicht. Ein 100-m-Finale mit acht Jungs, von denen manche am Start rumspringen, als seien sie zehn Jahre alt, ist einfach nur unglaublich nervig.


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: