Organisation: 6, setzen!

Bevor ich zur ultimativen Lobhudelei meiner selbst und meiner Bestleistung ansetze, muss ich noch ein paar generelle Sachen zu den gestrigen Offenen Westfälischen Seniorenmeisterschaften anmerken.

Die waren nämlich zu einem nicht geringen Teil ziemlich scheiße. Vielleicht sollte ich mich feiner ausdrücken, aber wenn was beschissen ist, sage ich das auch so.

Die Verantwortlichen und Organisatoren der Meisterschaften hatten ein ganzes Jahr Zeit, einen schlechten Zeitplan zu verbessern, zu verändern und so aufzustellen, dass es nicht wieder zu den Verzögerungen kommt, die schon im vergangenen Jahr ein Ärgernis waren. Es ist zum Beispiel kompletter Schwachsinn, für Wurfdisziplinen der Männer nur eine dreiviertel oder gar halbe Stunde einzukalkulieren, wenn man genau weiß, dass die Klassen bis M 75 hinein sehr stark besetzt sind und die Herren immer länger für ihre Wettkämpfe brauchen als die Damen. Das hat nichts mit Seitenhieben auf die Männer zu tun, das sind Erfahrungswerte. Es fängt schon bei den Jugendklassen an: Mädchen wissen häufiger, wann sie dran sind, haben das Feld einigermaßen im Blick, und sobald eine Teilnehmerin zum Beispiel den Kugelstoßring verlassen hat, steht schon die nächste parat und alles geht recht zügig vonstatten.

Das ist bei Männern anders: Die haben selten den Ablauf im Kopf und sind oft überrascht, wenn der Kampfrichter ihren Namen aufruft, um sie zum nächsten Versuch zu bitten. Denn zwischen den Versuchen sind die Herren oft noch damit beschäftigt, sich gegenseitig mit Geschichten von Wehwehchen, Kriegsverletzungen, Trainingsunfällen und angeblich noch vor kurzem erbrachten Leistungen zu übertrumpfen. Da kann der Wettkampf schon mal in den Hintergrund treten. Denn schließlich sind wird bei den Senioren, es geht auch darum, alte Weggefährten wieder zu treffen, und ein bisschen Spaß miteinander zu haben. Das ist bei den Frauen nicht anders, aber die reden wahrscheinlich einfach schneller und merken sich gleichzeitig, wann sie wieder dran sind.

Das ist auch alles nicht schlimm, denn jeder hat so seine Macken – ABER WARUM ZUM HENKER KÖNNEN DIE VERANSTALTER DAS NICHT BEIM ZEITPLAN BERÜCKSICHTIGEN? Zumal das Ganze mehrfach deutlich angemerkt wurde, wie uns die Wettkampfleitung versicherte. Die mir sehr leid tat, weil sie den ganzen Ärger abbekam, für den sie nichts konnte.

Das Problem ist seit Jahren bekannt, und diejenigen, die den Auftrag zur Problemlösung bekamen, taten – nichts. So kam es dann gestern dazu, dass mein Wettkampf spontan eine halbe Stunde vorverlegt wurde – also eine halbe Stunde weniger Zeit, um sich warmzulaufen und einzustoßen. Ich wollte grad noch ein Ruhe was essen und dann mit dem Warmlaufen beginnen, als die Durchsage kam – 20 Minuten vor Wettkampfbeginn. Zum Glück war ich wenigstens schon vor Ort und nicht noch auf der Autobahn. Alles in allem hat es nicht geschadet, aber das hätte auch anders ausgehen können.

Der Diskuswettkampf meiner Mutter dagegen verschob sich mal locker um zwei Stunden nach hinten, ein Bekannter aus einem anderen Verein musste gar zweieinhalb Stunden warten, bis endlich sein Speerwurfwettkampf anfing. Und warum die Teilnehmerinnen des 400-m-Rennens der Klasse W 50 zehn vor dem Start Minuten rumstehen und wieder kalt werden mussten, konnte mir bislang auch noch niemand erklären.

Meine Siegerehrung fand nur zur Hälfte statt, sprich ich schaffte es gar nicht mehr aufs Treppchen, weil „ja niemand von den Athletinnen“ da war. Klar, die anderen beiden waren gegen 15.30 Uhr bei ihrem Diskuswettkampf (der um 12.50 Uhr hätte anfangen sollen). Aber dann kann ich zumindest die restlichen beiden Teilnehmerinnen durchsagen und der Dritten (MIR!) die Freude gönnen, die Bestleistung, bei der das erste Mal die 10 vor dem Komma stand, über den Lautsprecher zu hören. Ich muss nicht aufs Treppchen steigen und mir von einem Offiziellen die Hand schütteln lassen, das bedeutet mir nicht so viel – aber ein bisschen formschöner anstatt mir nachher widerwillig die Urkunde aus dem Stapel zu fischen und wortlos in die Hand zu drücken, hätte es schon sein können. Dafür waren es schließlich Meisterschaften.

Wenn sich also die Verantwortlichen fragen, wieso immer weniger Seniorensportler auf ihren Wettkämpfen auftauchen – hier oben und auch hier stehen ein paar Gründe. Der Illusion, dass es nächstes Jahr besser wird, gebe ich mich allerdings nicht mehr hin.


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