Ende einer unglücklichen Liebesgeschichte

Die Beziehung zu meinem derzeitigen Telefonanbieter war von Anfang eine Geschichte voller Missverständnisse und Enttäuschungen. Ich bin also sehr froh, dass diese unselige Allianz am Donnerstag zu Ende geht und Platz für eine neue (vermutlich auch unglückliche) Liebesgeschichte zwischen mir und meinem neuen Telefonanbieter macht.

Der Kummer begann damit, dass ich mich bei meinen damals neuen Anbieter anmeldete und mir das Püppchen dort beschied, ich müsste uuuuunbedingt ein neues Modem etc. haben. Aber ich hätte doch noch von meinem alten Anbieter sämtliche Geräte da, sagte ich. Nein, das ginge nicht. Alles werde nur funktionieren, wenn ich die Ausstattung von IHNEN hätte. Ich frage mich noch heute, woran die Telefonleitung merkt, ob ein Modem der Firma Schlachmichtot oder der Firma Happichvergessen in Gebrauch ist. (Sie merkt es nicht, wie ich später bewies.)

Es ging weiter damit, dass ich anschließend auf dem Formular sah, dass das Paket ISDN bestellt war. Ich wollte aber das Paket Analog, weil ich kein ISDN-fähiges Telefon hatte und auch keins kaufen wollte. Die Ossi-Mandy bei der Hotline beschied mir in mehr oder weniger freundlichem Ton, dass ich gefälligst zu warten hätte, bis die Bestellung bei mir eingetroffen sei. Mein Einwand, dass ich dann aber genau das Paket geschickt kriegen würde, das ich nicht wolle, nämlich das mit den ISDN-Geräten, verhallte ungehört.

Dann bekam ich die Nachricht, ein Techniker würde zwischen Januar und Juli bei mir vorbeikommen, um alles einzurichten. Ich schickte fristgerecht eine Mail, um zu sagen, dass ich lediglich von Januar bis Mai zu Hause sei und ob der Techniker nicht vielleicht in diesem Zeitraum kommen könnte. Zwei Stunden, nachdem (!) der Techniker alles eingerichtet hatte, kam eine pampige Antwort-Mail mit dem Inhalt, ich hätte gefälligst zu Hause zu sein. Wenn der Techniker ein zweites Mal kommen müsse, koste das 50 Euro. Ich schickte ein Schreiben mit wohlformulierten Beleidigungen zurück, auf das ich zwar keine weitere Antwort bekam, mich persönlich aber sehr befriedigte.

Das Telefon lief dann eine Weile (überraschenderweise auch mit den Geräten meines alten Anbieters, denn mit den neuen Sachen konnte ich ja nichts anfangen), dann kamen immer öfter Besetztzeichen, Anrufer bekamen die Mitteilung, ich sei nicht erreichbar oder – noch schlimmer – die Rufnummer sei nicht vergeben. Manchmal ging auch wieder alles ganz normal. Ich persönlich vermute dahinter noch immer eine Verschwörungsaktion, die mich gezielt in Wahnsinn und Isolation treiben sollte.

Das liege an meinem Telefon, sagte denn auch der Ossi-Mirko an der Hotline. Wenn kein Gerät eingestöpselt sei, sei alles gut. Sobald ich das Telefon anschlösse, sei die Leitung gestört. Ich probierte drei verschiedene Telefone aus, die woanders einwandfrei funktionierten, in meiner Wohnung aber nicht. Egal. Das liege an meinem Telefon, sagte der Ossi-Justin, den ich danach am der Strippe hatte. Ich rollte mich in Embryonalhaltung auf dem Sofa zusammen und wimmerte ein Jahr vor mich hin. (Naja, vielleicht ein halbes. Ich telefoniere ja nicht wirklich gern, also hat mich das nicht funktionierende Telefon nur etwa die Hälfte der Zeit genervt. In der andere Hälfte genoss ich die Ruhe.)

Und als dann neulich ein Werbemensch von einem anderen Anbieter an meiner Tür klingelte, zog ich ihn am Schlips in die Wohnung, fesselte ihn und ließ ihn erst wieder gehen, nachdem ich alle wichtigen Formulare unterschrieben hatte, die einen Wechsel zu diesem Anbieter perfekt machten.

Und wie am Anfang jeder neuen Liebe denke ich auch jetzt, dass alles gut wird und ich nun aber wirklich mal einen Kerl erwischt habe, der nicht alles verschmutzt, die dreckigen Socken rumliegen lässt und lauter rülpst als ich. Mal sehen, wann diesmal das Traumschlösschen in sich zusammenbröselt.


16 responses to “Ende einer unglücklichen Liebesgeschichte

  • Petra

    Das ist ja eine schreckliche Geschichte, die man so leider von allen Telefonanbietern kennt. Ich selbst bin ja bei einem lokalen Unternehmen in Köln, das anfangs ähnlich agierte wie Deines, nur waren weniger Ossis zugegen. Mittlerweile haben sie sich aber eingearbeitet und ich bin _sehr_ zufrieden.

    Den armen unglücklichen Menschen, die nicht in Köln und Umgebung wohnen, empfehle ich ja mittlerweile wieder die gute alte Telekom (da hätte ich mir vor zwei Jahren wahrscheinlich eher ein Bein abgehackt). Die hat nämlich mittlerweile gute Testergebnisse und – weiß ich von diversen Familienmitgliedern und Freunden – einen richtig guten Service.

    Dir wünsche ich eine wundervolle sockenfreie Ehe mit dem neuen Anbieter! :-)

  • Sennerin

    Ich fühle mit Ihnen – aus tiefstem Herzen. Bücher könnte ich befüllen. Ich weiß nicht, wieviele Stunden ich in Warteschleifen festhing. Ich reichte alles schriftlich ein, gern auch mehrmals, weil ja nie was ankommt. Per Fax, auf dem Postweg – vergeblich. Kündigungen sind auch ganz grandios. Über ein Jahr zog sich die Auflösung eines Telefonanschlusses hin. Ach ja: Es liegt IMMER an der Hardware. Dass ein Port defekt oder die Leitung gestört sein könnte, begreifen die erst, wenn man minutenlang Verwünschungen in den Hörer brüllt. Nicht meine Art, aber dies klappte wirklich zweimal. Da war ich am Ende meiner Nerven, hatte einen Puls von 240 und gaaanz schlechte Laune. Diese Idioten versuchen immer die Hinhaltetaktik und verweisen auf die bereits erwähnte – vermeintlich – defekte Hardware oder empfehlen gern auch mal ein – sinnloses – Update. Ich wünsche Ihnen Glück! Einen ganzen Sack davon, Sie werdens brauchen.

    • Kirsten

      Brüllen habe ich bislang noch nicht probiert. Die Hotline-Ossis waren auch immer sehr nett – was natürlich auch zu deren perfider Taktik gehört.
      Vielen Dank für die guten Wünsche; ich halte sie auf dem Laufenden. ;-)

  • Scholli

    Ich hasse die alle. Alle. Auch Netcologne. Die haben den Bürgersteig hier aufgebuddelt, und dafür hasse ich die. Is mir egal, ob die gute Leistungen haben. Und bei den Herstellern von Handys gilt mein besonders heißes Gefühl der Abneigung Sony Ericson. Die hasse ich für jede einzelne uBahnfahrt, die ich mit plarrenden Handys und ihren käppchentragenden Besitzern in einem UBahnwaggon eingesperrt war. Ich hasse sowieso alles, was andere Menschen dazu veranlasst, Lärm zu machen. Heute besonders.

  • kalesco

    Coole Vorstellung, der gefesselte Telefonwerber.
    Viel Glück mit dem neuen Luftschloss!

  • Strand

    Wenn es funktioniert ist alles gold, aber wehe, wenn nicht. Guter Service & Support sind leider bei allen Anbietern reine Glückssache. Ich denke, Sie haben genau richtig gehandelt.

    Und das „Schreiben mit wohlformulierten Beleidigungen“ hätte ich wirklich gerne gesehen. :)

  • Lonari

    Auch von mir die allerbesten Wünsche für die neue Beziehung! Und als Leidgeplagte in dieser Hinsicht drücke ich noch mal feste die Daumen dazu. Ganz, ganz feste. Aber die Nummer bleibt dieselbe?

  • Anfang einer unglücklichen Liebesgeschichte « Kirstens Weblog

    […] Kirstens Weblog Kann Ironie enthalten « Das sollte ein paar Karmapunkte bringen Anfang einer unglücklichen Liebesgeschichte 14. Mai 2009 “Mal sehen, wann diesmal das Traumschlösschen in sich zusammenbröselt.” Schrieb ich hier. […]

  • Kampf der Telefonanbieter « Kirstens Weblog

    […] Scherzkeks (diesmal wenigstens ohne erkennbaren Dialekt) an der Hotline auf meine Frage, warum denn mein alter Telefonanbieter immer noch fröhlich Gebühren von mir abbuche, obwohl ich seit dem 14. Mai ganz woanders Kundin […]

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