Anstarr-Wettbewerb

„Hörnse ma, Herr Wachtmeister, ich muss Ihnen da was melden. Also ich war neulich im Wald zum Spazieren mit meinem Fiffy, und da hab ich was höchst Verdächtiges gesehen, also eine höchst verdächtige … Person! Da war auf einem etwas einsameren Weg so eine junge Frau. Die hatte zwar Laufklamotten an, aber die hat sich gar nicht bewegt! Die wollte irgendwas machen, dann hat sie mich von weitem aus dem Wald auf den Weg kommen sehen und hat mich angestarrt. Ich wollte natürlich sehen, was die da macht und bin erst mal stehengeblieben, um mir das da anzugucken. Vielleicht verkauft die da ja auch Drogen. Ich steh da also und warte. Und die steht da auch und wartet! Dann ist sie hinter nem Busch verschwunden, aber so leicht lasse ich mich ja nicht abwimmeln, nein, ich nicht! Ich warte also weiter, da kommt sie hinter dem Busch wieder vor, sieht mich, steht wieder nur so da und geht dann wieder hinter nen Busch. Also, das ist doch höchst verdächtig, meinen Sie nicht, Herr Wachtmeister? Ich geh also weiter, dreh mich aber wieder um, da steht sie schon wieder da und guckt! Ich bin dann  weitergegangen, aber das ließ mir doch keine Ruhe. Ich bin also später noch mal die gleiche Runde mit meinem Fiffy gegangen – da steht die immer noch auf diesem Weg und starrt und macht nichts! Aber ich hab sie dann verjagt! Ich hab einfach so lange gestarrt, dass sie sich irgendwann verdrückt hat. Ich hab die komische Frau bestimmt an was Illegalem gehindert, ich schwöre! Die ist überhaupt nicht gelaufen, auch, wenn sie Joggingsachen anhatte, das ist doch seltsam, meinense nich? Aber da müssen Sie mal einen abstellen, da im Volkspark. Da ist ja so seltsames Volks unterwegs, wenn da nicht einer wie ich immer aufpassen würde – nein, nein, nein. Komm Fiffy, wir gehen noch ein paar Jugendliche auf der Straße anpöbeln. Tschüß, Herr Wachtmeister.“

„Guten Morgen, Herr Polizeimeister, ja, dieser seltsame Herr ist mir durchaus begegnet beim Joggen. Wissen Sie, ich mache da im Wald kein normales Lauftraining, sprich, ich dreh da nicht einfach meine Runden. Ich hab mir extra einen etwas einsameren Weg gesucht und mir grob verschiedene Strecken abgemessen. Da mache ich dann, wenn es grad keiner sieht,  ein paar Sprints und ein Lauf-ABC. Das sieht manchmal etwas albern aus, deswegen hab ich dabei nicht gern Publikum. Und neulich kam da eben dieser ältere Herr (unter uns: Typ Blockwart, Sie wissen schon) aus dem Seitenweg und lief auf den Weg, auf dem ich meine Sprints machen wollte. Ich habe also gewartet, bis er weitergeht und ich den nächsten Lauf machen kann. Ich wollte nicht, dass er sich erschreckt – und außerdem hatte er den Hund nicht an der Leine, da hatte ich auch selbst Schiss. Und während ich so warte, dreht sich der Herr dauernd um, bleibt stehen und starrt mich an. Ehrlich gesagt hatte die Situation etwas von absurdem Theater, wie wir da so in 50 Meter Entfernung standen und gegenseitig gestarrt haben. Aber Sie wissen ja, wie so ältere Leute sind, viele von denen haben ja sonst keine Hobbys.  Irgendwann wurde mir das Ganze dann zu dumm, und ich bin hinter einen Busch gegangen, damit der Alte und sein blöder Köter endlich abhauen. Das dauerte aber noch ne ganze Weile, ich hatte schon Angst, dass ich auskühle und mir beim nächsten Sprint was wegfange. Aber irgendwann war er dann weg, ich konnte in Ruhe die nächsten zwei Sprints machen. Dann geh ich zum Anfangspunkt zurück, dreh mich um, will wieder anfangen zu laufen – da steht der alte Sack da schon wieder! Das ganze Spiel geht also von vorne los, er starrt, ich warte, ich gehe hinter eine Biegung, komme wieder vor, er steht da immer noch. Irgendwann hab ich dann kapituliert und die letzten zwei Sprints auf einem anderen Weg gemacht. Einem Weg mit lauter Steinen drauf, wo ich fast umgeknickt wäre, aber das nur nebenbei. Ja, Herr Polizeimeister, so war das. Ich weiß, Sie haben auch Probleme mit Ihren Kapazitäten, aber da müssten Sie morgens mal nen Kollegen im Volkspark abstellen, damit man da beim Trainieren nicht belästigt wird von Hunden und freilaufenden Rentnern. Auf Wiedersehen und noch einen schönen Tag!“


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