Ich bin keine Hälfte

Ich weiß nicht, warum manche Leute sich dauernd in Sachen einmischen müssen, die sie weder verstehen noch die sie etwas angehen. Ich habe allerdings eine Theorie dazu: Irgendwann sitzt man als Frau auf dem Sofa, neben sich einen bräsigen Kerl in Feinripp mit offener Bierflasche und man fragt sich, wann genau man wohl die Abfahrt im Leben verpasst hat, die einen vor diesem Leben als Accessoire eines solchen männlichen Prachtexemplars, das mit allen Körperöffnungen Geräusche machen kann, bewahrt hätte.

In einem solchen Moment kann man entweder aufstehen und gehen, um einen Ausweg zu finden. Oder man geht einer glücklichen Singlefrau auf den Keks. Nämlich mir. Zum Beispiel so:

Dame eines bestimmten Alters, das nichts mit dem biologischen Alter zu tun hat: Uuuuuund? Was macht die Liiiiiiebe?
Ich (denke: Frag mich doch nach Hämorrhoiden. Die gehen dich nämlich auch nichts an:) Och, nix. Zum Glück.
Dame eines bestimmten Alters (in einem Tonfall, in dem man auch seinem Ekel über das hobbymäßige Zersägen von Leichen Ausdruck verleihen könnte): Aaaaaaaaaaaaaber niiiiiiicht doch! Du kannst doch nicht iiiiiiiiiiimmer alleine bleiben!
Ich (verspüre ein starkes Bedürfnis, irgendeinen Kopf gegen irgendeine Wand zu schlagen und sage): …

Denn was soll ich dazu sagen? Wenn es nicht vergebene Zeit und Liebesmüh wäre, vielleicht das:

„Ich bin allein, und ich bin es gern. Eine Partnerschaft ist nicht die vorgeschriebene und allein selig machende Lebensform für einen Menschen, es ist lediglich eine Möglichkeit, wie man sein Leben verbringen kann. Ich bin sehr, sehr zufrieden mit meinem Leben im Augenblick. Eine Beziehung ist nämlich überraschenderweise kein Garant für ein glückliches Leben.

Ich bin allein, und ich bin es gern. Ich bin ein vollwertiges Mitglied der Gesellschaft, auch wenn ich mit Mitte 30 weder Mutter, noch schwanger, noch verheiratet oder auch nur ansatzweise liiert bin. Ich bin auch nicht auf der Suche nach einer Beziehung. Möglicherweise läuft mir morgen Mr. Right oder zumindest  Mr. Not-so-bad-at-all in die Arme. Und wenn das passiert, sage ich vielleicht nicht nein, wenn er fragt, ob ich mir seine Briefmarkensammlung ansehen möchte. Bis dahin bin ich eben nicht die Hälfte eines Paares, sondern einfach nur ich. Was ich persönlich auch schon nicht schlecht finde.

ICH BIN ALLEIN, UND ICH BIN ES GERN. Ich bin nämlich allein, nicht einsam. Ich habe eine großartige Familie und viele wunderbare Freunde. Ich habe studiert, eine Ausbildung und einen guten Job, ich muss mich um etwa 300 Elche kümmern, ich treibe Sport und stricke, ich singe in der Badewanne und besitze eine BVB-Dauerkarte.

ICH BIN ALLEIN, UND ICH BIN ES GERN. Dabei habe ich nichts gegen Paare, im Gegenteil. Drei meiner Freundinnen haben im vergangenen Jahr geheiratet, viele andere Freunde sind liiert und sehr glücklich dabei. Aber sie alle sind es, weil sie ihre Partner als Individuen schätzen und nicht als die zweite Hälfte eines Freundschaftsanhängers. Solche Beziehungen sind selten, sie sind kostbar und unter dem mach ich’s nicht mehr. Mal ehrlich – ich bin zu alt und zu großartig für eine beschissene Beziehung. (Und mit all meinen Freundinnen ist unser jeweiliger Lebensstil übrigens nie oder nur selten Thema in unseren Gesprächen. Weil wir alle glücklich und zufrieden sind und nicht der Meinung, jeder  Mensch auf der Welt müsse sich unserem jeweiligen Lebensstil anpassen, weil das der einzig wahre ist.)

ICH BIN ALLEIN, UND ICH BIN ES GERN. Wobei es schon Männer gäbe, die ich heiraten würde, ohne sie vorher kennengelernt zu haben und bei denen es mir egal wäre, wenn sie im Bett furzen: Christoph Metzelder, Lee Pace und Jürgen Klopp. Und bis einer von denen an die Tür klopft, werde ich dieses wunderbare Alleinsein nicht aufgeben, in dem ich bis mittags im Schlafanzug vor dem PC sitzen, nach dem Duschen mit Handtuchturban rumlaufen, 20 Folgen „Scrubs“ auf Englisch hintereinander gucken, sechs Stunden am Stück die „Sims“ spielen, mit den Elchen reden und kalte Pizza zum Frühstück essen kann.“

Das alles könnte ich sagen, wenn mir wieder jemand einzureden versucht, dass ich unbedingt schnellstens einen Mann zu finden habe.

Ich könnte aber auch einfach sagen, dass all die Leute, die mit ihrem Leben unzufrieden und neidisch auf meine Freiheit sind, sich bitte einfach eine Selbsthilfegruppe oder einen Flug nach Brasilien buchen möchten und sich ansonsten gehackt legen und stille schweigen sollen.

(Es ist übrigens puuuurer Zufall, dass dieser Post an dem Tag erscheint, der mir im Kalender mit Abstand am meisten auf den Keks geht. Ähem.)


13 responses to “Ich bin keine Hälfte

  • Scholli

    *
    Toller Text. Danke!!

  • Kirsten

    Danke auch! Du kennst das ganze ja auch, woll? ;-)

  • Tilla Pe

    *hihihi*
    Ich kenne die Variante „Wann zieht ihr denn endlich zusammen“
    Nie. Never! No way! Wegen genau der kalten Pizza am Morgen. Und so.

  • Kirsten

    @Tilla Pe: Das ist ja das Schlimme, dass einen die Leute in keiner Lebenslage alleine lassen können: „Haste nen Freund, wann zieht ihr zusammen, wann heiratet ihr, wollt ihr nicht mal Kinder, wie wäre es denn mit einem Geschwisterkind …“ Die nerven einfach IMMER! ;-)

  • Der sympathische Jungmillionär

    Hast Du 20 Folgen wirklich schon mal geschafft? Respekt! By the way: Jener abschaffungswürdige Tag wird übrigens keinen Deut besser, wenn man bereits erfolgreich sein Briefmarkenalbum an die Frau gebracht hat… Geh sterben, V-Day!
    Ach ja: Gutes Spiel nachher!

  • Pleitegeiger

    *
    Du schreibst mir aus der Seele… (aber das weißt Du ja selbst) :-)

  • Kirsten

    @Der sympathische Jungsmillionär: Nee – ich neige, wie immer, auch hier zu Übertreibungen. ;-) Aber acht Folgen hab ich tatsächlich schon mal geschafft.
    Und das mit dem Briefmarkenalbum stimmt leider auch. Zum Glück hatte ich immer Freunde, die den Tag genauso ignoriert haben wie ich.

    @Ja, Hase. Ich weiß. :-)

  • Find ich gut « home is where the heart is

    […] Veröffentlicht in Jemand Ich bin auch keine Hälfte […]

  • Lonari

    Ich wundere mich ohnehin ständig, wie wenig scheu vor allem diejenigen Menschen, mit denen man gar nicht so dicke ist, davor haben, einen überhaupt so intime Sachen zu fragen. Das sind dieselben, die sich auch Fremden gegenüber lautstark über ihren soundsoweit geöffneten Muttermund äußern. „Das geht Dich / Sie echt gar nichts [Varianten: einen feuchten Dreck, n Scheißdreck – je nach Gesprächspartner] an“ ist inzwischen einer der Sätze geworden, die ich ohne mit der Wimper zu zucken in solchen Momenten anwenden kann.

  • Lonari

    P.S: „Und, was macht die Liebe?“ ist sowieso eine der bescheuertsten Fragen überhaupt.

  • Aquii

    Ok, bis auf die merkwürdige Jahreskarte bin ich bei dir ;)

  • tami-u.

    Ich unterschreibe jede Silbe!

  • Nina

    Heute erst gesehen – trotzdem sehr gelacht. Würde mehr Menschen Deine Haltung verstehen, hätte ich deutlcih weniger zu tun glaube ich. Viele leute kommen zu mir, weil sie sich einreden lassen, dass sie erst glücklich sein können, wenn sie einen Partner haben… so ein Schwachsinn!
    Genau deshalb sind ja so viele so verklemmt und machen sich so einen Stress… doch nicht vergessen: Die anderen „meinen es ja nur gut“ *prust*
    Nina Deißler

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