Ich wollte eh nicht nach Berlin

BVB – Werder Bremen 1:2

Ich will mal nicht sagen, dass das gestrige Pokalspiel völlig für die Wurst war. Immerhin bin ich reicher an Erfahrungen. (Und etwa 70 Euro ärmer, aber was tut man nicht alles für seinen Verein. – Das war ausnahmsweise keine Ironie. Das war Sarkasmus.)

Zum Beispiel weiß ich jetzt, dass es nicht schön ist, eine Stunde im Stau zu stehen, um anschließend zu erleben, wie die Stadionbahn auch noch an jeder Haltstelle eine gefühlte Viertelstunde hält. Und wie man dann nachher noch vor dem Stadion steht, weil die Kontrollen ewig dauern und man von drinnen die zauberhaften Klänge des Schneewalzers hört. Und man anschließend nicht in seinen Block darf, obwohl der beste Freund von da simst „Hier ist noch Platz“. Weil nämlich lauter Idioten in Block 15 stehe, die zu dumm sind, drei Treppenstufen raufzulaufen, damit auch nach ihnen och Leute rein können.

Und so durfte ich dann Minute 9 bis 35 des Spiels aus ungewohnter Perspektive in Block 84 erleben. Das waren ja die Minuten, die noch schön anzugucken waren, wo noch Pässe ankamen und ich mich tatsächlich der Illusion hingeben konnte, die insgesamt 760 Kilometer nicht umsonst gefahren zu sein, weil wir die Bremer wegputzen wie letztes Mal auch. Nun ja.

Kurz vor der Halbzeit rasch runter zum Bier holen und in der zweiten Halbzeit endlich zum besten Freund in Block 15 vordringen. Wo übrigens wirklich noch viel Platz war.

Am Bierstand dann folgender Dialog:
Typ vor mir: Mach ma drei Bier. Äh … nee. Mach ma vier. Obwohl … mach ma drei. Ach, is auch egal. Machse vier?
Ich (denke): Mach noch ein fünftes, das schütte ich dir dann in den Schritt.
Bedienung: Das macht dann drölfnvierzig Euro.
Typ: Boah, is das teuer. Scheiß Kommerzialisierung im Fußball. (dreht sich zu mir um) Nur kurz zur Info: Ich arbeite hier. Und bei jedem Heimspiel muss mich mir von Leuten mit Dauerkarte und aktuellem 70-Euro-Trikot den Spruch anhören.
Ich (gequält lachend): Ach so – ja Mensch, wasn schweres Leben. (denke:) KANN ICH JETZT ENDLICH BESTELLEN?!

Zweite Halbzeit: SACH MA HABT IHR WAT IM TEE? MEINT IHR, DASSN 1:0 REICHT, IHR SÄCKE? IHR KÖNNTAT DONNICH SO NACH HAUSE SCHAUKELN WOLLEN! Immerhin, der Boateng überzeugt mich in fünf Minuten mehr als Zidan in einer halben Saison. Wenigstens aber hat er bei dem Pfostenschuss nicht vertändelt, sondern voll abgezogen. UND TROTZDEM IS DER BALL NICHT DRIN, DU LUSCHE! JA PRIMA, DA ISSES DOCH SCHON, DAS GEGENTOR! DAS HABTTA GETZ DAVON! UND GRÄFE, WAS HAST DU DENN SCHON WIEDER GENOMMEN?!

Und so weiter und so fort, das Ergebnis ist bekannt. Spiel geht verloren, ich bin heiser. (Ich muss gestehen, dass mir grad die Lust zu einer gescheiten Zusammenfassung fehlt. Ich hätte es gleich schreiben sollen, aber nach dem Spiel musste ich in die Kneipe und nachher auf dem Sofa mit meinem Vater noch bis zwei Uhr weitertrinken, um die nötige Bettschwere zu kriegen und die Körpertemperatur mit Grappa wieder auf normal zu bringen.)

Ansonsten verdanke ich dem Spiel eine weitere Bestätigung der Tatsache, dass immer, wenn ich im Stau stehe, das anschließende Match verloren geht; dazu die Mitteilung, dass Diego und Sarah wohl inzwischen nicht mehr zusammen frühstücken (Sagte zumindest die dicke Frau hinter mir in Block 84. Und die musste es wissen, denn wer rosa BVB-Schals trägt, liest sicher auch die Gala. Und nur die Gala.); und noch die Neuigkeit, dass das Barrock ist ein Raucherclub ist. Während ich allerdings zu baselig war, auf den Mitgliedsschein was Schönes wie „Käpt’n Iglu“ oder „Frau Klopp“ zu schreiben, hatte der beste Freund es mal wieder drauf: Ich würde zu gern die Gesichter der Mitarbeiter sehen, wenn sie beim Sichten der ausgefüllten Scheine entdecken, dass am 28. Januar 2009 ein gewisser Torsten Frings, Adresse: Am Arsch, Bremen, dem Raucherclub des Barrock beigetreten ist. Und allein für den Lacher hat sich der Stadionbesuch dann irgendwie doch gelohnt.


One response to “Ich wollte eh nicht nach Berlin

  • westernworld

    ich weiß das elend der anderen ist ein schwacher trost … ich schmeiß trotzdem ’ne runde schadefreude angesichts der stuttgarter heimschlachtung durch die bayern.

    wir hätten uns ja nicht mal über ein 1:7 statt eines 1:5 beschweren dürfen … einzg die allgemeine uneinigkeit darüber ob das jetzt unfähigkeit, dummheit, arbeitsverweigerung oder die folgen von lecker ketaminkeksen waren hatte eine aufschiebende wirkung hinsichtlich der per akklamation beschloßenen standrechtlichen erschießung.

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