Werkstattgeschichten

Nachdem ja mein Auto zurzeit schon wieder im Krankenhaus ist, gehen mir in letzter Zeit immer wieder die diversen Werkstattgeschichten durch den Kopf, die ich im Laufe meiner Zeit als Autofahrerin so erlebt hab. Und ehrlich gesagt frage ich mich inzwischen, warum ich nicht schon lange nur noch Bus fahre.

Mein allererstes Auto war, ich werd nicht müde es zu erwähnen, ein Golf II. Von einem zarten silbergrau, auf dem man auch nach drei Wochen „Durch-den-Schneematsch-fahren noch kein einzige Dreckspritzerchen sah. Das war ein Auto, das immer ansprang, nur selten muckte und locker 180 Sachen machte. Nachts auf der leeren Autobahn, bergab.

Einmal fiel allerdings der Frontscheibenwischer aus, was sehr unangenehm war. Ich erklärte dem Werkstattmenschen, dass der Hebel, mit dem man den Scheibenwischer anstellte, vor dem Kaputtgehen desselben ein seltsames Geräusch gemacht hätte. Die Werkstatt tauschte eine Sicherung aus, ich bezahlte glücksselig 2,60 Mark und fuhr von dannen. Bis beim nächsten Regen genau das gleiche passierte. Also zurück zur Werkstatt, einem anderen Mechaniker als dem ersten erklärt, dass der Hebel, mit dem man den Scheibenwischer anstellte, vor dem Kaputtgehen desselben ein seltsames Geräusch gemacht hätte. Die Werkstatt tauschte den kompletten Scheibenwischermotor aus, ich bezahle 400 Mark und fuhr mit grimmigem Gesicht von dannen. Bis beim nächsten Regen  – man ahnt es. Ich erklärte der Werkstatt erneut die Sache mit dem Hebel, die Mechaniker gingen erneut daran und erzählten mir beim Abholen des Wagens freudestrahlend, sie hätten nun den Fehler gefunden; schuld an der ganzen Misere sei der Hebel gewesen, mit dem man den Scheibenwischer anstellte. Diesmal berechne man mir aber freundlicherweise nur die 60 Mark Materialkosten.

Nein, ich habe überraschenderweise niemanden dort getötet.

In besagten Golf fuhr mir dreimal jemand rein. Zweimal von hinten, einmal vorn vorn nachts auf dem Parkplatz. Letzterer wurde natürlich nie ermittelt, aber ich hoffe, dass ihm wichtige Körperteile abfaulen. Ich war übrigens an keinem der Auffahrunfälle schuld.  Beim ersten Mal brauste mir jemand mit einer Ente hinten drauf. Diese sah danach weitaus schlimmer als mein Auto. Beim zweiten Mal war es dann aber ein BMW, der gerade mal sein Nummerschild verlor, während das hübsche Hinterteil des Golfs sein so eingedrückt wurde, dass der Kofferaum erst nicht mehr auf, dann nicht mehr zu ging. Da der Wagen zu dem Zeitpunkt nur noch etwa 2900 Mark wert war, machte sich die Werkstatt nicht besonders viel Mühe bei der Reparatur. Was ich dann beim nächsten Regen merkte, als es im Kofferraum auf einmal genauso nass war wie draußen. Ein Mechaniker meines Vertrauens verbrachte daraufhin ein komplettes Wochenende mit Wasserschlauch und Silikonspritze in diesem Kofferraum. Ich zahlte ihm neben der normalen Kosten diesmal die doppelte Ration Fürst Bismarck.

Richtig lustig wurde es aber erst mit dem Ford Fiasco, der hier schon des Öfteren nicht lobend erwähnt wurde. Gekauft wurde er in einem Lippstädter Autohaus, zu dem ich danach auch diverse Male fahren musste, weil der Wagen natürlich nur da Garantie hatte. Bei einer der ersten Ausfahrten stellte ich fest, dass der Wagen bisweilen sehr lustig hoppelte. Ich also wieder in die angeschlosssene Werkstatt des Autohauses und auf zu einer Probefahrt mit dem Mechaniker. Der Wagen machte auf der etwa fünf Kilometer langen Tour – gar nichts. Sprich, er fuhr wie eine Eins. Der Mechaniker versuchte mir einzureden, dass ich, immer wenn der Wagen hoppele, ja sicherlich untertourig führe. Ich versuchte dem Macho-Arsch beizubringen, dass ich meinen Führerschein (zu dem Zeitpunkt) bereits seit zehn Jahren hätte und sehr wohl wüsste, wann ich untertourig führe und wann die Dreckskarre eine Macke habe. Zumal der Wagen auch hoppele, wenn ich mit 100 km/h im fünften Gang auf der Autobahn unterwegs sei – und das sei ja wohl kaum untertourig zu nennen. Zum Glück hoppelte der Wagen dann bei der Einfahrt in den Werkstatthof doch noch. Es waren die Zündkerzen.

Später wechselten die Herren in dieser Werkstatt dann auch noch widerwillig das defekte Leerlaufregelventil, nachdem ich auf einer Fahrt von Soest über die B1 vor jeder roten Ampel damit zu kämpfen hatte, dass der Motor in voller Fahrt ausging. Auch da versuchte man eine Weile, mir einzureden, dass ich vermutlich selbst schuld sei, wenn das passiere.

In selbige Werkstatt brachte dann später mein Vater (weil ich die Schnauze voll hatte) das Auto noch einmal, weil ich fand, dass der Moto ein seltsames Geräusch mache. Kommentar des Mechanikers zu meinem Vater: „Das ist aber komisch, dass ne Frau sowas hört.“ „Sowas“ waren defekte Ventile, und scheiße ja, ich höre das, wenn der Motor anders klingt!

Kurz darauf lief Gott sei Dank die Garantie ab, und ich musste da nicht mehr hin.

Mit der ausgefallenen Servolenkung des Fiascos war ich dann zunächst bei einer Werkstatt um die Ecke. Eine Honda-Werkstatt zwar, aber ich dachte, fragen könne man ja mal.

Auf meine Frage, ob man denn hier auch andere Fabrikate repariere, ich hätte an meinem Ford Probleme mit der Lenkung, meinte der Meister: Klar, aber ich müsste erst woanders abklären lassen, was am Wagen defekt wäre. Ich solle also am besten zu Ford fahren, den Wagen untersuchen lassen, wiederkommen, der Honda-Werkstatt sagen, was kaputt ist, und dann würde sie es reparieren.

WTF?!

Ja, schließlich wüssten die bei Ford am besten Bescheid mit einer Ford-Lenkung. Hier könnten sie natürlich Honda am besten.

WTF?!

Ja, die Ford-Werkstatt wäre da und da und ich könnte da ja morgen mal hinfahren.

Okay.

Wenn ich demnächst in der Redaktion einen Text schreiben soll, sage ich zum RvD auch: Aber gern, nur zuerst musst du mir die entsprechende Agenturmeldung raussuchen, ins CMS kopieren und schon mal die wichtigsten Stellen anstreichen, denn sonst kann ich den Text nicht schreiben.

Inzwischen steht die Kiste bei einer Ford-Werkstatt, die zwar nicht um die Ecke, aber wenigstens willens war, sich des Wagens anzunehmen. Ob die Jungs da was taugen, werde ich bald sehen.

Ob es auch was Positives zu dem Thema gibt? Oooooh ja. Wäre ich noch in Lippstadt, wäre die Kiste schon längst hier. Diese Werkstatt ist die beste der Welt. Die Mechaniker sind freundlich, behandeln mich zuvorkommend, geben mir nicht das Gefühl, dass ich eh keine Ahnung hab (was zwar stimmen würde, aber egal), hauen mich nicht übers Ohr und sind sehr zuverlässig. Aber mit einer eventuell kaputten Servolenkung wollte ich die 300 Kilometer bis dahin irgendwie nicht mehr fahren.


6 responses to “Werkstattgeschichten

  • Bruce McIntire

    I finally decided to write a comment on your blog. I just wanted to say good job. I really enjoy reading your posts.

  • Kirsten

    Then come over here and repair my car. ;-)

  • Aquii

    Probiere doch mal eine freie Werkstatt aus. die sind froh über jeden neuen Kunden und sehr nett und nebenbei auch um einiges günstiger

  • Kirsten

    Guter Hinweis, aber die zuerst erwähnte war eine freie Werkstatt, und die Werkstatt meines Vertrauens in Wadersloh ist eine freie Werkstatt. Und außer in der letztgenannten wurde ich überall gleichermaßen über Ohr gehauen oder scheiße bedient.

  • Sennerin

    Ähm, die Erinnerung trifft mich soeben wie ein Keulenschlag. Auch ich fuhr dereinst einen silbernen 2er Golf (das abgelegte Wägelchen von Frau Mutter). Meine Repartur- Werkstatterlebnisse würden hier den Rahmen sprengen (bisher hatte ich bei jeden Wagen „tolle“ Erlebnisse), das Beste war jedoch, als nachts plötzlich das böse Öllämpchen aufleuchtete und ich mit letzter Kraft unter einen beleuchteten Weihnachtsbaum rollte – bei -20 Grad. Beim Öffnen der Motorhaube fiel ich sogleich fast in eine gnädige Ohnmacht, denn scheinbar jeder Tropfen Öl befand sich hübsch verteilt gar überall. Irgendeine Leitung verstopfte und es suppte, bis nichts mehr da war – passierte mir zweimal. Auch sehr schön: Das dritte Wägelchen beschloss bei 160 auf der Autobahn plötzlich auf 100 herunterzubremsen und mochte dann auch nicht mehr schneller fahren. In der Werkstatt faselte man von „da hatte der Drehzahlfühler (!??) wohl einen Defekt“… sehr schön, fühlte wohl eben mal die Außentemperatur, man weiß es nicht. Zündspule, the never ending Story. Dreimal hintereinander gab so ein Ding den Geist auf, ach ich könnte Bücher befüllen. Erst vor vier Wochen bekam ich eine neue Heckklappe (zum Glück auf Garantie) eingesetzt, da über dem Nummerschildlämpchen Rost ansetzte… etc, etc. etc.! Halten Sie durch – sollten Sie eine Selbsthilfegruppe andenken, melde ich mich hiermit schon einmal an.

  • Kirsten

    Oha, ich wollte da aber keine alten Wunden aufreißen… ;-)

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