Teenhorror

Manchmal frage ich mich, wie ich eigentlich die Pubertät überlebt habe. Diese wunderbare Zeit des Irrsinns, in der sich Synapsen neu knüpfen und man im Grund wegen Unzurechnungsfähigkeit eingesperrt werden sollte. Damit man sich und anderen nicht weh tun kann. Oder damit einem keiner auf die Glocke haut, weil man sich 24 Stunden am Tag unfassbar dämlich anstellt.

Heute an der Raststätte sah ich mich auf dem Klo nicht nur Horden von Rentnerinnen gegenüber, sondern auch meiner zweitliebsten Feindgruppe (gleich nach kleinen Kindern): Teenagern auf Klassenfahrt, die sich benehmen, als seien sie zum ersten Mal in der Zivilisation.

Teenagern fällt es heutzutage offenbar immer schwerer, aus dem geschriebenen Wort Informationen zu entnehmen. Denn wie sonst ist es zu erklären, dass das etwa 14-jährige Gör an der Durchlassschranke mit der Aufschrift „50 Cent einwerfen“ der Meinung war, 20 Cent reichten auch und sich anschließend blaue Flecken holte, weil es in die Schranke lief, die aber leider stärker war. Schön auch die Reaktion der Püppchen dahinter: Mit Hingabe minutenlang meckern, dass es nicht weitergeht. Anstatt einfach eine der anderen drei freien Schranken zu benutzen.

Aber auch sonst muss man diesen Bälgern ja alles erklären. Wie das mit dem Wasserhahn geht und wo das Papier zum Händeabtrocknen rauskommt. (Denn die Aufschrift „Hand über den Sensor bewegen“ ist ja keine relevante Information.) Und dass man anschließend durch die Schranke einfach so durchgehen kann. (Steht auch dran, aber egal.)

Das Schlimme ist aber: Ich vermute, ich war mit 14 genauso dämlich. Meine Güte, wie halten Eltern das aus? Ich würde sowas nicht im Haus haben wollen.


12 responses to “Teenhorror

  • Enno

    Kleine Kids auf großer Fahrt. In Kleinkleckersdorf gibt es kein „Tank und Rast“. Da wird im Falle wenn einfach in die nächste Hecke „gemacht“ ohne diesen neumoderen Technik-Schnickschnack. Da wird die Kuh noch mit der Hand gemolken!
    Diese komischen Schranken am Eingang lassen sich aber überwinden: Sportlich schlank gebaute Teenager tricksen die Anlage aus, indem sie sich mit den Händen am Gestänge festhalten und sich mit Schwung untendrunter durchschwingen. Denn von der anderen Seite kommend ist ja kein Widerstand vorhanden. Ist das jetzt eine schlaue Idee gewesen? Bin ja bald Lehrer und werde die Variante bei Gelegenheit von meinen zukünftigen Schülern antesten lassen. Nachteil: Man kann den 50 Cent Wert-Bon vom Pullern nicht beim anschliessenden Verpflegungs-Kauf einlösen und hat nicht das Gefühl, etwas gespart zu haben…

  • Frau ... äh ... Mutti

    Schluchz! Ich will so was auch nicht im Haus haben.

  • Groß sein

    „Das Schlimme ist aber: Ich vermute, ich war mit 14 genauso dämlich. Meine Güte, wie halten Eltern das aus? Ich würde sowas nicht im Haus haben wollen.“

    Die gute Nachricht:

    „genau so dämlich“ hast Du hinter Dir und, naja, das im Haus haben von Kindern, kannst Du ja nun selber beeinflussen – ich entnehme Deinem Schreibstil, dass Du informiert bist bzw. weißt wo du nachlesen kannst ;)

  • Scholli

    Erst kommt die Kindergartenhölle. Das ist da, wo die Mama gefragt wird, ob das Kind vielleicht was mit dem Kopf hat, weil es nicht mit den anderen Kindern spielen will, sondern lieber alleine schaukelt, weil es sich dabei einbilden kann, die doofen anderen Kinder seien nur Einbildung. Dann kommt die Grundschulhölle. Der Unterschied zur Kindergartenhölle ist der, dass man zu schreiben lernt und den anderen Kindern, mit denen man immer noch nicht spielen will, nicht mehr sagen muss, dass man sie doof findet, sondern Zettel schreibt: „Du bist doof. Geh weg von mir.“
    Dann kommt schon fast die Pubertätshölle, die in schweren Fällen etwa so bis zum 25. Lebensjahr reicht. Man schreibt Zettel auf denen nicht „Willst Du mit mir gehen?“ steht, sondern: „Du bist immer noch doof. Geh weg von mir.“ Der Zettel ist in der Pubertätshölle erst rosa und dann weiß mit selbstgekritzelten Blutstropfen und schwarzen Blumengirlanden am Rand. Parallel dazu setzt der allgemeine Wahnsinn ein, den das Erwachsenwerden so mit sich bringt…
    Ach, die Pubertät. Grauenhaft. Ich guck mir das bei den Kindern meines Bruders an. Müsste bald soweit sein. Ich freu mich schon auf’s Stifte, Papier und Tagebücher schenken. :-)

  • Kirsten

    @Enno: Nee, vorbei mogeln ging in dem Fall nicht, weil die Servicekraft daneben stand. Ich vermute, die hatte sowas schon geahnt. ;-)

    @Frau Mutti: Nach allem was Sie so schreiben, glaube ich, dass Ihre Kinder nicht so werden. Dafür sind die viel zu schlau.

    @Groß sein: Nee, informiert bin ich eigentlich nicht. ich neige zur Gewalt und dachte immer, das reicht für etwaige Kindererziehung. :-D

    @Scholli: Schon wieder so eine Parallele. Du machst mir langsam echt Angst. :-)

  • Scholli

    Nicht doch! Ich find es eher beruhigend, dass ich damit nicht die Einzige bin. ;-)

  • Sennerin

    Hmm, meine Vermutung ist ja, dass es sich dabei um Aliens oder Klone handelt. Sehen doch irgendwie alle identisch aus (vor allem die weibliche Variante dieser Spezies): Angeschrägter Pony, Kapuzensweatshirt mit Totenkopfmotiven, Chucks. Zudem beginnt nahezu jeder Satz mit „Ey Alder, ey echt, ey!“. Weitere Merkmale: Handy (bestückt mit nervtötenden Klingeltönen), fehlende Umgangsformen und laut gebrüllte Beschimpfungen zur Begrüßung (letzteres bei der männlichen Variante). Oh ja, Teenager stehen auf meiner persönlichen Feindgruppenliste auch ganz weit oben. Sie sprechen mir sowas von aus der Seele!

  • Kirsten

    „Angeschrägter Pony, Kapuzensweatshirt mit Totenkopfmotiven, Chucks.“

    Genauso!! Oh mein Gott – waren Sie dabei? ;-)

  • Sennerin

    Ja, haben Sie mich denn nicht gesehen?? Ich stand ca. 5m rechts, in eine Papiertüte atmend, da ich angesichts der kolossalen Dummheit leicht hyperventilierte…

  • Kirsten

    Ah, da habe ich wahrscheinlich grad links bei der Klofrau mein Geld gewechselt und Sie nicht gesehen. Schade eigentlich. Wir hätten uns die Szene noch schönsaufen können. :-)

  • Sennerin

    Ich fürchte, in manchen Situationen hilft nicht einmal Alkohol ;)

  • Kirsten

    Och, einen Versuch wäre es wert gewesen. :-)

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