Warum das morgens schon mal länger dauert

Wenn ich jetzt schriebe „Ich habe üüüübehaupt nichts anzuziehen“, dann wäre das gelogen. Ich habe Dinge anzuziehen.

Dass ich aber trotz eines prall gefüllten Kleiderschranks gelegentlich morgens eine Dreiviertelstunde in nichts gekleidet als Unterwäsche und wachsende Verzweiflung vor Schrank und Spiegel herumhüpfe, hat eigentlich nur zwei Ursachen, die in ihrer Kombination aber absolut tödich sind: Erstens harmonieren die Klamotten nicht zusammen, zweitens harmonieren die Klamotten an manchen Tagen nicht mit mir. Was ich also morgens schon an Gedankengängen zu tätigen habe, läuft ungefähr so ab:

„Ich könnte die weite Jeans anziehen, aber nein, halt, die ist in der Wäsche, aber in die grüne Hose passe ich grad nicht rein, und die schwarze geht nicht, weil es heute so warm werden soll, die Leinenhose müsste ich erst bügeln, scheiße, an der weiten Jeans mal nen Geruchstest machen, ach geht noch, und wer sollte heute schon an meiner Hose riechen, was zieh ich denn obenrum an, vielleicht das rosafarbene, aber dann müsste ich dazu die weißen Sneakers anziehen und das sieht immer auch wie BWL-Studentin oder Golfsspielen, ich könnte die braunen Schuhe anziehen, aber die scheuern mir hinten immer die Fersen kaputt, ich muss heute nach der Arbeit mal gucken, ob es bei Tchibo noch diese Gelpflaster gibt, das rote Shirt wollte ich an den Seiten doch schon die ganze Zeit enger machen, Mist, schon wieder vergessen, aber ich könnte die neue weiße Bluse anziehen, aber neee, die hat ja noch diese Puffärmelchen, die ich auch schon die ganze Zeit ändern wollte, vielleicht einfach ein T-Shirt, aber das ist immer so langweilig, und außerdem sind die ja alle so eng geworden, ich würd so gern diese blaue Bluse mal wieder anziehen, aber der Ton der Jeans passt nicht dazu, und Schuhe hab ich dazu auch nicht, oder zieh ich vielleicht doch die helle Sommerhose an, nee, so warm ist es ja nun auch wieder nicht, wie wäre es denn mit diesen Shirts, die ich mal in New York gekauft hab, ach Mist, nein, da rutschen ja immer die Träger runter, und dann sitz ich da schulterfrei in der Redaktion, das geht natürlich auch nicht, und verdammte Scheiße, warum liegen eigentlich meine Haare schon wieder so mies, und super, jetzt kommt auch noch der Heuschnupfen, gut, dass ich noch nicht geschminkt bin, aber so langsam sollte ich mich mal entscheiden, was ich anziehe, verdammt, ich hätte die schwarzen Schuhe neulich noch nicht wegschmeißen sollen, jetzt hab ich für den Sommer gar keine schwarzen Schuhe mehr, ich könnte mal wieder die blauen Sneakers anziehen, aber dazu hab ich nun wirklich üüüüberhaupt kein Oberteil, mal überlegen, die grüne Bluse könnte gehen, aber die grünen Sneakers dazu sind viel zu sportlich, wieso sind eigentlich meine Kolleginnen immer so gut angezogen, ich brauche eigentlich unbedingt so eine Hose wie S. hat, dann hätte ich morgens schon viele Probleme weniger, aber VERDAMMT, ICH MUSS ZUM BUS UND HAB IMMER NOCH NICHTS AN, ich könnte vielleicht das weiße Shirt anziehen, aber dann scheint das schwarze Unterhemd durch, das geht auch nicht, also doch die grünen Sneakers und das schwarze T-Shirt und hoffentlich riecht heute keiner an meiner Hose.“

Nur, falls sich einer fragt, warum ich morgens schon bei Dienstbeginn oft so gar nicht aufnahmefähig erscheine.


8 responses to “Warum das morgens schon mal länger dauert

  • Volker Schepker

    Ach ja, da halt ichs ja mit German Bash…
    Kleiderschrank auf, Grabsch, Grabsch, Grabsch, T-Shirt, Boxershorts und Socken in der Hand, fertig :D
    Manchmal ist Mann sein echt bequem ;)

  • Kristina

    Ich hätte es nicht besser beschreiben können. Schrecklich, dieses Dilemma manchmal. Ich habe mich dann gestern den ganzen Tag über geärgert, dass ich das T-Shirt angezogen habe, das eigentlich viel zu kurz ist und überhaupt fand ich mich furchtbar. Der erste warme (Arbeits)Tag hat mich total überfordert – dabei hatte ich mich doch so drauf gefreut. Heute hats aber schon besser geklappt ;)

  • Kirsten

    @Volker: Wenn ich Männer überhaupt für irgendwas bewundere, dann dafür. Allerdings fehlt in Deiner Aufzählung eine lange Hose. Du wirst doch nicht etwa ohne …? :-)

    @Kristina: Ja, man muss sich erst dran gewöhnen, an diese Sommerklamotten. (Was nicht heißt, dass ich das Problem im Winter nicht habe.) Aber ich hab dann gestern noch drei neue T-Shirts gekauft und fühle mich gerüstet für die Saison. :-)

  • Volker Schepker

    Ja gut, Hose sollte nich fehlen, da hast du Recht.
    Allerdings, solange man(n) am Vortag nicht mit den Schweinen gesuhlt hat, reicht die auch ;)
    Ne neue gibts zu Weihnachten und am Geburtstag, das muss reichen :D

  • Nicole (Pleitegeiger)

    Hihihihi. Großartig.

    (Und jetzt wühle ich mal im Kleiderschrank – ich hatte heute früh nämlich ein ähnliches Problem :-))

  • schreihals

    normal oder, geht mir selbst als mann oft so :-D

  • Lonari

    Das kommt mir auch alles sehr bekannt vor. Als hätten wir denselben Kleiderschrank. Hinterhältiges Biest von Schrank :-)

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