Von Gähnen auf Euphorie in vier Minuten

Borussia Dortmund – Leverkusen 2:1

Vor dem „Spiel“bericht zum gestrigen Match gegen Leverkusen noch rasch eine Vorbemerkung: OLÉ DEDE! OLÉ DEDE! OLÉ DEDE! OLÉ DEDE! OLÉ DEDE! OLÉ DEDE! OLÉ DEDE! OLÉ DEDE! OLÉ DEDE! OLÉ DEDE! OLÉ DEDE! OLÉ DEDE! OLÉ DEDE! OLÉ DEDE! OLÉ DEDE!

So, und nun ernsthaft zu den Ereignissen des gestrigen Tages. Gleich vorweg: Um Fußball wird es nur am Rande gehen, weil ich das Spiel nicht so besonders fand und aufgrund gesteigerten Alkoholkonsums auf der Tribüne nicht so viel mitbekommen hab. Ein richtiger Spielbericht findet sich hier, und Nick schien das Spiel nicht so grottig gefunden zu haben wie ich. :-)

Beginnen wir mit der Anfahrt: Der beste Freund holte mich pünktlich ab, hatte meine aufgrund fortschreitender Demenz nach Paderborn geschickte Dauerkarte dabei und noch dazu ein Stückchen Kuchen. Die einstündige Fahrt in den Dortmunder Norden nutzen wir, um uns gegenseitig jobtechnisch, privat und fußballerisch auf den neuesten Stand zu bringen. „Ich weiß nicht warum, aber ich bin aufgeregt. Spiele gegen Leverkusen wühlen einen immer auf. Letztes Mal war ich noch drei Stunden später nassgeschwitzt“, sagte der beste Freund dann, was eine umso bemerkenswerte Aussage ist, wenn man bedenkt, dass er Gladbacher ist. Ich stellte fest, dass ich bislang nur wenig Spiele gegen Leverkusen gesehen hab, weil ich da irgendwie immer anderweitig beschäftigt war, ließ mich aber von der Aufregung anstecken.

Aufwärmen: In der U-Bahn zum Stadion Diskussion des schönen Themas Altersmilde. Ich äußerte Bedenken, weil ich neulich im Bus so gar keine Lust verspürt hatte, die penetrante alte Zippe anzubölken, die mir mit voller Absicht dreimal ihren dämlichen Rollkoffer ans Schienbein geknallt hatte. Bester Freund: „Naja, du wirst halt auch ruhiger und gelassener.“ Die letzten Worte dieser Äußerung gingen in meiner Hasstirade gegen den Idioten unter, der mir beim Aussteigen in die Hacken trat, weil er wohl meinte, dann würden sich die 30 Leute vor mir schneller bewegen. Soviel zu Altersmilde.

Anpfiff: Die größte Aufregung im Stadion waren dann lange Zeit die Püppis neben uns, die sich während „You never walk alone“ über Tapeten unterhalten mussten. Das Spiel bot bis zum Tor von Ziegler Kießling größtenteils nur gähnende Langeweile – zumindest kam es mir irgendwie so vor. Nach dem Tor dann Langeweile und Frustration. Das Amüsanteste waren dann lange Zeit das Spielergebnis des FC St. Pauli, der 5:0 gegen Freiburg gewann und die Dialoge zwischen dem besten Freund und einem Kumpel wie zum Beispiel folgender:

Kumpel (brummelig): „Jaja, und wenn Valdez im Pokalfinale zwei Tore macht, ist er der Held und alles ist vergessen.“
Bester Freund: „Ja, und ich weiß, wer dann 2017 hier Stadionsprecher ist.“

Weiterer Spielverlauf: Langeweile, Frustration und schier übermächtiger Harndrang. Ich musste also etwas tun, was ich bislang erst einmal gemacht hab: Das Spielfeld vor dem Schlusspfiff verlassen. (Beim Mal davor stand es 0:3 gegen den HSV, und ich ging aufs Klo, um zu weinen. Diesmal stand es zwar nur 0:1, aber ehrlich gesagt sah ich keine Chance für noch ein Tor. Weder bei Leverkusen noch bei uns.) Aber ich musste auch WIRKLICH dringend.

Tja.

Als ich auf halben Weg nach unten war, schoss Herr Frei ein Tor aus dem Nichts. Wer hätte geahnt, dass schon die bloße Ankündigung eines Toilettengangs meinerseits nun schon Tor zaubern kann? Ich sollte das mal beim DFB irgendwie zu Geld machen.

Nachspielzeit: Der beste Freund war mir nach draußen gefolgt und wollte auch jetzt meinem zum etwa 20. Mal geäußerten Vorschlag „Von mir aus können wir auch gehen“ erneut nicht nachkommen. „Spiel läuft doch noch, Mensch!“ Und während ich gerade genervt zu einem der im Stadion-Foyer angebrachten Bildschirme schaute und die im Nachhinein ziemlich dämlich klingenden Worte „Ja und? Als ob die Luschen noch ein Tor schießen würden…“ sprach, donnerte Dede das Ding aus dem Nichts ins linke obere Eck. Von den nächsten zwei Minuten weiß ich nichts mehr. Ich vermute aber unkontrollierte Gefühlsausbrüche mit Siegesgebrüll und von Grobmotorik geprägtem Herumspringen.

Auslaufen: Wenn mich meine Erinnerung nicht trügt, verbrachten sowohl der beste Freund als auch ich die gesamte Heimfahrt in der U-Bahn siegestrunken-dümmlich kichernd. Und ich bitte nochmal zu bedenken, dass der beste Freund Gladbacher ist.

Krönender Abschluss eines recht durchgeschissenen Abends: Fahrbier in der Dortmunder Nordstadt kaufen. Ich bin ja großer Anhänger der Fahrbier-Kultur, der ich gestern auch frönen konnte, da ich ja nicht fahren musste. Also in der Straße, in der wir geparkt hatten, noch rasch in die Trinkhalle, während der beste Freund schon mal das Auto holte. Nun muss man dazu sagen, dass viele Ladenbesitzer im Dortmunder Norden einem Kulturkreis entstammen, der es als zumindest gewöhnungsbedürftig empfindet, wenn Frauen in Fußballfan-Montur in der Öffentlichkeit ein Bier kaufen, es sich öffnen lassen und noch im Laden den ersten Schluck nehmen. Als mir das klar wurde, war es aber schon zu spät. :-)

Wieder draußen auf der Straße stand ich dann mit drei Jungspunden herum, die wohl auf den Bus warteten. Die Jungs beäugten mich sehr argwöhnisch, einer schlich sogar im Kreis um mich rum, bis ich fragte, ob er ein Problem hätte. Gleichzeitig schickte ich allerdings ein Stoßgebet gen Himmel, der beste Freund möge endlich mit dem Wagen auftauchen und ich möge wenigstens einmal meine große Klappe halten können. Die Jungs hatten aber offenbar kein Problem und ließen das Rumschleichen dann auch bald sein. Auftritt bester Freund mit dem Wagen: ranrollen, Scheibe runterdrehen und fragen: „Ey! Willste mit?“ Ich: „Ey klar! Was zahlste denn?“ Einsteigen ins Auto, die drei Jungspunde mit offenem Mund zurück lassen.

Die ganze Fahrt über mussten wir kichern, wenn im Radio die Spielergebnisse durchgesagt wurden. Pünktlich zum Abendfilm fiel ich dann ZWEIZUEINSZWEIZUEINSZWEIZUEINS-grölend bei meinen Eltern in den Hausflur, wo mein Vater schon mit einer geöffnete Flasche Bier für mich parat stand.

Ein feiner Fußballtag. Irgendwie.


7 responses to “Von Gähnen auf Euphorie in vier Minuten

  • Lonari

    *g* Herzlichen Glückwunsch zum Sieg und vielen Dank, dass Ihr den Leverkusenern die Punkte weggenommen habt. Danke, danke, danke!!

  • Nick

    Ja, war schon ein komisches Spiel. Ich war mit der ersten Halbzeit recht zufrieden, weil wir die ja eigentlich sehr spielstarken Leverkusener gar nicht zur Entfaltung kommen ließen und im Mittelfeld ganz gut standen. Nach vorne ging aber echt nicht viel.

    Und die zweite Halbzeit war zwar auch nicht gut, aber so ein Wechselbad der Gefühle und am Ende haben die Jungs echt alles gegeben und sind belohnt worden. Ich hätte mich ja geärgert, beide Tore zu ‚verpassen‘, aber du scheinst ja trotzdem viel Spaß gehabt zu haben. Deine Stadion-‚Erlebnisberichte‘ sind jedenfalls immer sehr amüsant zu lesen ;-)

  • Kirsten

    @Lonari: Man tut, was man kann. :-)

    @Nick: Naja, das von Frei hab ich ja noch auf der Tribüne gesehen. Immerhin. :-)

    Und danke für das Lob. Ich schätze dafür Deine Spielberichte immer sehr! Ich hab ja eigentlich nicht viel Anhnung, was Fußball angeht – zumindest, was Spielsysteme und sowas betrifft. Ich hab einfach nie Fußball gespielt und erkenn eine Viererkette nicht, wenn sie mich anspringt. ;-)

  • Narana

    Da muss ich nun aber mal leise Zweifel anmelden, dass Du ’ne Dortmunder Viererkette nicht erkennen willst, wenn sie dich anspringt. Und ich stelle mir das gerade bildlich vor und ringe um Contenance 8-)

    Meine Radkappen haben auch gewonnen, Dejagah sei Dank, und ich habe einen Staffelstab für Dich, als Leichtathletin sollte Dir die Annahme gelingen ;-)

  • Kirsten

    @Narana: Nee, von Spielsystemen hab ich wirklich nicht so den Plan. Aber Du hast Recht, mich Amedick, Kovac, Wörns und Hummels mich ansprängen, würde ich sie wohl doch erkennen. :-D

    Ja, und das Wolfsburger Ergebnis hat mir drei Punkte beschert, weil ich genau das getippt hab!

    Und den Staffelstab nehm ich gern, denn Staffel bin ich tatsächlich auch mal gelaufen und steh immer noch in der Vereinsbestenliste damit. *hüstel* (Ist aber auch nur ein kleiner Verein. ;-) ) Das Stöckchen hab ich eh noch von woanders in der Warteschleife, da sollte ich nun mal wirklich dran gehen…

  • bettina

    hihi, deine spielberichte sind wirklich immer super.
    ich sitze dümmlich kichernd vor dem rechner und freu mich ;-)
    zudem hab ich das 5:0 am millerntor gesehen.
    unglaublich. es hat geschüttet und gehagelt, aber es war grandios.
    derzeit bin ich übrigens arbeitslos(der vertrag ist noch nicht fertig), sitze bei meinen eltern rum, bespaße den hund, der heute geburtstag hat und führ wilde telefonate mit zwei (2!) hausverwaltungen, wegen der kaution. ich wurde problemmieter genannt, obwohl ich nicht schuld bin, aber die arme verwaltung hat wegen mir so viel zu tun!unglaublich frech!

    so, jetzt hab ich dich mal auf den neuesten stand gebracht ; )

    liebe grüße aus dem bergen

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