Der will ja nur spielen

Ist ja logisch, dass ich, wenn ich nachts von der S-Bahn nach Hause schlurfe und in einer kleinen Seitenstraße von zwei widerlichen Kläffern angebellt, fast angesprungen und was weiß ich noch werde, ein wenig ungehalten reagiere. Vor allem, wenn der Besitzer nur halbherzige Anstalten macht, die Tiere an die Leine zu nehmen und der eine Hund noch halbherzigere Anstalten, den Anweisungen seines Besitzers Folge zu leisten und mich in Ruhe zu lassen. Kein Wunder. Auf so einen bescheuerten Namen wie Coco würde ich auch nicht hören. Wenn dann noch das obligatorische „Der tut nichts!“ kommt, trägt das nicht grad zur Verbesserung meiner Laune bei. Und wenn ich dann mit eher unentspanntem Unterton sage, dass ich das erstens nicht wissen kann und der Hund zweitens auch nicht so aussieht, als wolle er nicht beißen, ist klar, dass der Hundebesitzer sofort anfängt zu pöbeln, ich solle mich gefälligst beruhigen.

Klar.

Ich, die ich vor lauter Angst noch nicht mal mehr fluchen kann. Ich muss mich dringend beruhigen. Der Hund mit den gefletschten Zähnen natürlich nicht. Der darf das. Der will ja auch nur spielen. Mit meinen Gedärmen, vermute ich.

In der S-Bahn wär ich grad fast eingepennt. Jetzt bin ich wieder wach. Aber sowas von.


7 responses to “Der will ja nur spielen

  • Schonzeit

    ich hasse das auch immer, wenn ich sehe, das einem Hundebesitzer das Hundewohl eindeutig über das seiner Mitmenschen geht. Ist ja gut und schön, wenn sie ihren Hund beschützen wollen, aber dieses wilde durch die Gegend marodieren und fremde Leute unter dem Mantel der Neugier belästigen lässt mir auch immer die Hutschnur platzen.

  • Lonari

    Oh wei, das tut mir ja leid, dass Du so einen blöden Nachhauseweg hattest :-(

    Da fällt mir eine nette kleine Begebenheit von neulich ein:
    Auf dem Bürgersteig begegnen sich ein junger Mann mit einem sehr, sehr kleinen, aber ausgewachsenem Hund (ungefähr so groß wie ein Kätzchen) und eine ältere Dame mit einem größeren, leicht aggressiven Mischling. Die Hunde beschnuppern sich, blockieren den Weg (= der Grund, weshalb ich das alles mitbekommen durfte), und die ältere Dame beugt sich zu ihrem hinunter: „Guck‘ mal ein Baaaby, Rex. Rex, siehst Du, ein Baaaaby!“ Und dabei klingt sie, als ob sie voller Verzückung in einen Säuglingswagen gucken würde.
    Der männliche Hundehalter erwidert daraufhin etwas irritiert: „Nein, das ist kein Baby. Diese Rasse bleibt so klein.“
    Daraufhin die ältere Dame in extrem zickigem Ton: „Das weiß ich! Es ist nur so, wenn ich Rex sage, dass es sich um ein Baby handelt, dann zerfleischt er es nicht sofort.“

    ?? Ich bin dann auch sehr zügig weitergegangen.

  • Frau A.

    Mann sollte Hundebesitzern mal klar machen, das man selber aber nicht spielen möchte. Ich mag Hunde sehr gerne, möchte aber nicht von jedem beschnüffelt bzw. angesprungen werden. Genausowenig wie Hunde auch nicht von jedem angetatscht werden möchten, nur weil sie soooo süss sind.

  • TK

    Ist mir auf einem nächtlichen Nachhauseweg auch einmal passiert – ein mittelgroßer Hund reißt sich von seinem Frauchen los und rennt laut bellend auf mich zu. Spielen wollte der ganz gewiß nicht. Im Reflex hab ich das falscheste gemacht, das man machen kann und bin weggerannt. Glücklicherweise wollte der Hund mich offensichtlich gar nicht fressen, sondern nur verjagen, denn irgendwann war er plötzlich nicht mehr hinter mir…

  • Kirsten

    @Schonzeit: Stimmt. Und die treff ich schon dauernd beim Joggen, diese blöden Köter (wobei ich Hunde schon gern mag, aber ihnen, wenn ich sie nicht kenne, doch mit Respekt begegne). Das nächste Mal nehm ich nen Knüppel mit. Und mal sehen, wen ich dann zuerst haue. Den Hund oder den Besitzer.

    @Lonari: Naja, waren ja nur die letzten zwei Minuten des Wegs. ;-)

    Und zu der anderen Geschichte: *ähem*. Das macht mir extrem Angst. :-)

    @Frau A.: Aber das wollen die Hundebesitzer ja nicht hören. :-) Gutes Argument aber. Ich vesuche dann immer, den Hundebesitzern klar zu machen, dass ich mir grad vor Angst in die Hose mache und keinesfalls aggressiv bin. Ich pöbel dann erst wieder, wenn das Tier an der Leine ist.

    @TK: Rennen hätt ich noch nicht mal mehr gekonnt, ich stand nur wie angenagelt da und hab überlegt, was ich in der Tasche habe, das ich dem Hund vor die Schnauze hätte knallen können.

    Aber is ja bei uns beiden noch mal gut gegangen, woll? ;-)

  • Schonzeit

    immer den Besitzer. Der Hund will ja nur spielen. :)

  • Volker Schepker

    Na super, ich hasse solche ignoranten Menschen.
    Genau wie bei einigen Rauchern „Wieso, is doch nich so schlimm, stell dich mal nicht so an“.
    Ich stell mich aber an, ist ja schließlich meine Entscheidung ob ich Rauchen möchte oder halt nicht oder ob ich mich von einem Hund anbellen lassen möchte. Ich hab da nämlich auch Angst vor und der Hund kriegt das mit.
    Die beste Antwort die mir zu „Der will doch nur spielen“ einfallen würde wäre wohl „Weiß der Hund das auch?“
    Naja, wenigstens ist alles gut ausgegangen, für dich, den Hund und vor allem für den Besitzer ;)

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: