Kommentare ja oder nein?

In jüngster Zeit stolpere ich in vielen Blogs irgendwie immer über ein Thema, das mich auch grad beschäftigt. Oder ich sehe das Thema nur deswegen überall, weil es mich selbst grad so beschäftigt. Ist aber eigentlich auch wurscht.

Es geht darum, die Kommentarfunktion zu aktivieren oder zu deaktivieren. Letzteres habe ich mir schon öfter überlegt, und ich habe in letzter Zeit auch schon öfter Kommentare geändert und sogar – ganz böse, huhuuu – gelöscht. Letzteres vor allem dann, wenn es nur darum ging, irgendwelches dämliches Gesabbel abzusondern, das ich mir im echten Leben auch nicht anhören würde. Und wenn es nur darum geht, mir einen reinzuwürgen oder mich zu beleidigen, muss ich mir das auch nicht anhören. Allerdings kommt das hier auch nicht oft vor.

Jemand meinte mal, gerade angesichts meines Berufes als Redakteurin müsse mich doch mit Kommentaren auseinandersetzen. Und zwar mit Kommentaren jeglicher Art. Irrtum. Muss ich nicht. Das muss ich nicht im Beruf, und das muss ich schon gar nicht in meinem privaten Blog, das ich zu meinem Spaß betreibe.

Auch Redaktionen behalten sich nämlich vor, auszuwählen, welche Leserbriefe sie veröffentlichen. Und sie behalten sich vor, Leserbriefe zu kürzen. In meiner Zeit als Zeitungsredakteurin waren wir angehalten, zunächst mal zu schauen, ob der Leserbriefschreiber tatsächlich existiert. Das ging soweit, dass Kollegen teilweise zu der angegebenen Adresse gefahren sind, um zu gucken, ob der Schreiber dort wirklich wohnt. Handelte es sich um ein Fake, wanderte der Leserbrief direkt in Ablage P. Und ich soll mich in meinem Blog ernsthaft mit Leuten auseinandersetzen, die einen Namen wie „Istdochegal“ und eine Mail-Adresse wie „sag_ich_nicht@irgendwo.de“ angeben?

Als nächstes geht es natürlich um den Inhalt des Briefes. Weist er auf Fehler hin, die in der Zeitung gestanden haben, steht es einer Redaktion gut zu Gesicht, den Brief zu veröffentlichen oder den Fehler zu berichtigen. Das gehört sich so. Sowas lösche ich auch nicht. Wohlgemerkt: Es geht hier um Dinge, die nachweisbar sachlich falsch sind, aber nicht darum, mir mit einem Haufen Polemik um die Ohren zu hauen zu lassen, dass jemandem meine Meinung nicht passt. Was natürlich jedem unbenommen ist, denn mir passt die Meinung vieler anderer Leute auch nicht. So ist das aber im Leben. Deswegen muss ich mich noch lange nicht beleidigen lassen. Bei der Zeitung haben wir auch schon Leser, die sich nicht an die Regeln eines höflichen Miteinanders halten konnten, gebeten, sich zu mäßigen oder die Redaktion zu verlassen. Und wenn es in den Leserbriefen nur drum ging, jemanden zu beschimpfen, wurden sie selbstverständlich nicht veröffentlicht.

Es haben hier auch schon Leute in einem Kommentar versucht, Mitarbeiter des Arbeitsamtes mit Namen und Durchwahl zu veröffentlichen – sowas steht hier keine fünf Minuten, so schnell fliegt es wieder raus. Ähnliches gilt wie gesagt für Beschimpfungen jeglicher Art. Damit muss ich mich nicht auseinandersetzen, denn das wische ich auch im echten Leben mit „Halt den Mund“ vom Tisch. Es sei denn, ich habe irgendwie das Gefühl, eine Diskussion lohnt sich. Meistens ist das aber nicht der Fall.

Was ich auch nicht brauche, sind Ratschläge, nach denen ich nicht gefragt habe, Beurteilungen meiner Persönlichkeit von Leute, die mich überhaupt nicht kennen und solche Menschen, die einem die Worte im Mund rumdrehen und aus allem gleich eine Grundsatzdiskussion machen müssen.

Fazit: Ich freue mich prinzipiell über jeden Kommentar und ich erwarte sicher nicht nur Lobhudelei. Aber nur, weil ich über Leserbriefe auch beruflich mit so einer Art Kommentar zu tun habe, heißt das nicht, dass ich mich hier mit jedem Idioten auseinandersetzen muss. Zumal ich mir bei vielen auch ziemlich sicher bin, dass sie mir den Schmuh, den sie anonym im Blog schmieren, niemals direkt ins Gesicht sagen würden.

Eigentlich steht vieles von dem, was ich sagen wollte oder will, auch schon hier bzw. hier. Und so eine richtig geile Idee zum Thema Kommentare gibt’s hier.


15 responses to “Kommentare ja oder nein?

  • Lonari

    Du sprichst mir aus der Seele.
    Aber ich finde es trotzdem gut, dass Du Dich – offenbar – dagegen entschieden hast, die Kommentare ganz zu schließen. Kapitulation kommt nicht in Frage!! Aber sobald man eine Kommentarfunktion einbaut, bekommt man eben neben sehr vielen positiven Rückmeldungen auch den ganzen üblichen Schmodder als Nebenwirkung serviert. Nur; so ganz ohne Kommentare ist so ein Blog eine kommunikativ sehr einseitige Angelegenheit. Wobei das auch recht befreiend für den Schreibenden sein kann.
    Bin da auch recht unentschlossen, wie Du siehst :-) Aber ich blogge ja auch gar nicht mehr und kann mir Unentschlossenheit erlauben *g*

  • Kirsten

    @Lonari: Im Grunde macht mir die Diskussion ja auch Spaß, und deswegen mag ich die Kommentare nicht wirklich dichtmachen. Und wenn ich gar nichts mehr hören wollte, könnte ich ja auch mit dem Schreiben aufhören. Du siehst, ich bin auch unentschlossen. ;-)

  • westernworld

    ich geh mal ne runde um den blog um sachlicher zu werden , abe rvielleicht laß ich das kommentieren auch ganz.

  • Kirsten

    @Westernworld: Du warst doch gar nicht gemeint. ;-)

  • kieliscalling

    Bin gerade deprimiert! Da hab ich ja mal Glück, dass ich bisher keine Probleme mit solchen Kommentaren habe … klingt jedenfalls nervig!

  • Kirsten

    @Kieliscalling: Es hält sich auch hier hin Grenzen, so richtig beklagen kann ich mich eigentlich auch nicht. Aber ich musste das Thema mal ansprechen irgendwie. :-)

  • Kristina

    Aber ohne Kommentare macht das doch alles gar keinen Spaß. Das lässt einen als Leser auch irgendwie so unbefriedigend zurück, wenn man seine Meinung nicht sagen kann. Sachlich natürlich. Ich finde, Kommentare gehören zum bloggen dazu. Und findest du das nicht auch doof, einfach so in den leeren Raum zu posten – ohne Feedback?

  • Volker Schepker

    Hm, ein Blog ohne Kommentare ist irgendwie nur ein halbes Blog, finde ich. Hoffentlich hast du damit nicht allzuviele Probleme. Bin ja selbst froh dass mein Blog so klein ist, da hab ich solche Probleme (noch) nicht :D

  • Kirsten

    @Kristina: Ja, eben – deswegen lass ich die Kommentare ja auch offen. Übrigens bist Du aus irgendeinem Grund in meinen Spamfilter gerutscht – das hat aber nichts mit Kommentarmoderation zu tun, WordPress ist da einfach doof… ;-)

    @Volker: Yep, finde ich auch. Und wie gesagt, die Probleme halten sich im Allgemeinen in Grenzen. Kommt wohl auch immer drauf an, was man so bloggt. Je privater es wird, desto eher fühlen sich die Leute scheinbar bemüßigt, dumme Sprüche zu machen.

  • Christoph

    @ kirsten
    Wenn es Dir auf dem Herzen lag :) Immer raus damit!

  • Nick

    Ich finde, Kommentare gehören zu einem Blog dazu (ich frage mich z.B., warum „schwatzgelb.de“ manchmal als Blog bezeichnet wird). Aber natürlich hat jede/r das Recht, beleidigende, diffamierenede oder schlicht dumme Kommentare zu löschen. Ich würde das einfach als Spam ansehen. Und letztendlich hast du hier das Hausrecht ;-)

  • Kirsten

    @Christoph: Ja, Klappe halten ging irgendwie auch nicht. ;-)

    @Nick: Eben – ich finde ja eigentlich auch, dass Kommentare dazugehören. Deswegen mach ich mir wohl auch so viele Gedanken, anstatt sie zu schließen (was ich ja nach wie vor auch nicht wirklich will). Das mit dem Hausrecht ist ein guter Satz. Ich trete mir ja auch die Füße ab, wenn ich woanders bin. :-)

  • Inge aus HH

    Hallo Kirsten, ich hab so viel geschrieben für meinen Peter Willi, deshalb komme ich jetzt erst dazu bei Dir zu lesen. Ich möchte Dir ein Lächeln schicken und Dir wünschen, dass Du einen schönes Wochenende hast.

  • Ada Mitsou

    Ich find deine bisherige Handhabung gut!
    – Zensur von Namen, Nummern u. Adressen, die hier nichts zu suchen haben
    – keine Genehmigung für Kommentare, die unter die Gürtellinie zielen

    Ansonsten bin ich der Meinung, dass jeder sagen kann, was er möchte. Wenn mir da zuviel blabla drin ist, muss ich mir den Kommentar später nicht mehr anschauen. Wenn sich aus dem blabla eine ermüdende oder fehlplatzierte Diskussion ergibt, kann ich die stoppen.
    Warum sollte man ganz auf Kommentare und Interaktion verzichten, wenn man die oben beschriebenen Möglichkeiten hat?
    Es sei denn man bekommt 200 Kommentare am Tag, dann hätte ich wahrscheinlich auch keine Lust sie alle zu bearbeiten.
    Aber(!)ich beginne zu schwafeln ;)

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