Neuer Arzt, neues Glück …

Auch, wenn ich in Hamburg wohne, erledige ich viele Dinge noch immer in Lippstadt. Arztbesuche gehören auf jeden Fall dazu. Ich habe einfach keine Lust, mir in Hamburg einen Stamm Ärzte zusammenzusuchen, wenn ich in Lippstadt bereits die weltbeste Zahnärztin, einen guten Orthopäden und einen prima Allgemeinmediziner habe. Sicher werd ich irgendwann auch in Hamburg mal zum Arzt müssen, aber bis dahin möchte ich mir den Besuch bei neuen Ärzten gern ersparen.

Die laufen dann nämlich vielleicht so ab wie der gestern, als der Mediziner, zu dem ich eigentlich wollte, nicht da war und ich zu seiner Vertretung musste. Für manche Ärzte ist es nämlich sehr enttäuschend, dass ich im Grunde keine Krankengeschichte habe. Ich musste gestern etwa je dreimal versichern, dass ich in meinem Leben lediglich drei Blasenentzündungen hatte (und die auch noch im Abstand von neun bzw. drei Jahren – das taugte dummerweise nicht für eine chronische Erkrankung), noch keine zehnmal Antibiotika bekommen, Mandeln und Blinddarm noch an der vom Herrgott dafür vorgesehenen Stelle sitzen, ich keinerlei Medikamente nehmen muss (noch nicht mal gegen meine Allergien, deren Vorhandensein wenigstens ein kleines zufriedenes Lächeln auf das Gesicht meine Gegenüber zauberte), nur als Neunjährige nach einem Fahrradunfall eine Woche im Krankenhaus lag und mich – abgesehen von meinem linken Kniegelenk – bester Gesundheit erfreue.

Offenbar hatte der Arzt das so noch nicht erlebt. Das ist verständlich, denn meistens beschäftigen sich Ärzte ja nicht mit allzu gesunden Zeitgenossen. Aber offenbar passte dem guten Mann so gar nicht, dass ich in keinerlei Zielgruppe passte. Zunächst mal war ich offenbar viel älter, als er zunächst angenommen hatte, weswegen er seinen Umgang mit mir im Gespräch flugs ein bisschen erwachsener gestalten musste. Ein dummes Püppi, das hinten immer mit freien Nierchen und Tanga rumrennt und deswegen untenrum ständig krank ist, war ich dann blöderweise auch nicht. Durch die Gegend gehurt hatte ich auch nicht, so ein Mist aber auch. Und jemand, der erst sechs oder sieben Male in seinem Leben Antibiotika bekommen hat, war ihm wohl auch noch nicht untergekommen. Ich rechne ihm aber an, dass er überhaupt nach all diesen Dingen gefragt hat – das ist ja noch lange nicht selbstverständlich. Mir aber bei jeder meiner Antworten mit diesem Das-kann-aber-doch-nicht-sein-sind-Sie-sicher-Gesichtsausdruck zu kommen, war auf die Dauer etwas nervig.

Richtig merkwürdig fand ich dann, dass den Arzt überhaupt nicht interessierte, welches Medikament ich bislang gegen meine Beschwerden genommen hatte. Ich hatte in meiner bisweilen bezaubernden Naivität extra die Packung eingesteckt, weil ich dachte, das sei irgendwie wichtig. Stattdessen musste ich mich anherrschen lassen: „Ich will nicht wissen, was Sie bislang genommen haben, ich will wissen, welche Beschwerden Sie haben.“ Ups, ich bitte vielmals um Verzeihung.

Irgendwie haben wir das Gespräch dann aber doch noch zu einem versöhnlichen Abschluss gebracht – was vor allem daran lag, dass Herr Doktor mal in Eppendorf am UKE gearbeitet hatte und wir uns noch ein bisschen über Hamburg austauschen konnten. Und das Zeug, das er mir verschrieben hat, hat auch tatsächlich bereits geholfen. Ich bin also schon still. Aber neue Ärzte will ich mir trotzdem erst einmal nicht suchen müssen.


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