Weihnachtsnachlese

Während ich gerade so gemütlich mit zwei Wärmflaschen unter meiner Bettdecke sitze, einen warmen Tee und gleich noch das ein oder andere Gläschen Wein im Bauch, den externen Bildschirm neben mir auf dem Bett, die Adventskerzen brennen und das Zimmer etwa 3 Grad hat (immerhin plus), ist es wohl an der Zeit, das gerade vergangene Weihnachtsfest noch einmal Paroli laufen zu lassen. Wenn ich mir schon den Arsch abfriere, will ich mir wenigstens warme Gedanken machen.

Allen, die mir frohe Weihnachten und gute Besserung gewünscht haben, sage ich herzlichen Dank! Dem Schnüpfchen geht es inzwischen ziemlich schlecht, es wird mich wohl bald verlassen. Was wohl zu einem Großteil auch an dem liebevoll von meinem Vater aufgesetzten Honig-Zwiebel-Sud liegt. Danke auch für all die schönen Geschenke! Das letzte werd ich morgen noch von der Post holen und bin sehr gespannt, was und von wem es ist.

Was mir immer noch nicht so recht aus dem Kopf will, ist unser Kirchenerlebnis am Heiligen Abend. Ich gehe inzwischen nur zu Weihnachten in die Kirche, weil ich mit den meisten Konzepten der katholischen Kirche nichts mehr anfangen kann. Aber immerhin weiß ich noch, wie ich mich in einer Kirche zu benehmen habe. Vielleicht bin ich auch einfach zu konservativ oder prüde, aber finde es ziemlich daneben, sein Baby auf dem Altar im hinteren Kirchenschiff abzusetzen bzw. seine Plünnen dort abzulegen. Ich finde einfach, dass sich das nicht gehört. Ebensowenig gehört es sich meiner Meinung nach, sein Baby in der Kirche zu stillen. Aber vielleicht bin ich auch die einzige, die sich in der Andacht von nackten Möpsen ablenken lässt. Oder hat Maria wohl auch schon im Stall die Heiligen drei Könige gebeten, mal eben den Strohballen freizu machen, damit sie sich setzen, blank ziehen und den kleinen Heiland stillen kann? Sollte das so gewesen sein, nehme ich natürlich das eben Gesagte zurück. Und alle stillenden Mütter, die nun auf mich einprügeln möchten, bitte ich, kurz vorher über wenigstens drei Punkte nachzudenken: Hat ein kleines, etwa ein halbes Jahr altes Kind, irgendetwas vom Gottesdienst? Hab ich selber als Mutter was davon, wenn ich den kleinen Wurm mitschleppe, sprich, kann ich andächtig dem Gottesdienst folgen? Können die Menschen um mich rum andächtig dem Gottesdienst folgen, wenn ich meine Möpse auspacke?

Ansonsten aber war es dieses Jahr wieder schön und vor allem gemütlich. Jetzt muss ich nur noch sehen, wie ich diese verflixten drei Kilo wieder runterkriege.

Update: Dieser Beitrag war eine Weile offline, weil man mir nahelegt hat, noch einmal drüber nachzudenken. Das hab ich jetzt in Ruhe getan, was mir natürlich wieder mal als mangelnde Kritikfähigkeit ausgelegt wurde, womit ich zwar gerechnet hab, was mir aber trotzdem Leid tut, was ich aber nicht ändern kann.

Ich habe also eine Weile über den Beitrag nachgedacht und mit einigen Leuten drüber gesprochen – und ich bleibe bei meiner Meinung. Dann bin ich eben scheinheilig, intolerant und was weiß ich noch alles. Von mir aus. Wenn jemand mich auf eine ganz bestimmte Art und Weise verstehen möchte, wird er das eh tun und sich nicht davon abbringen lassen. Trotzdem noch zwei Punkte: Die meisten Leute wissen einen Dreck über meinen Glauben – und auch, wenn ich häufiger in die Kirche gehen würde, hätte ich mich genau in der gleichen Weise geäußert.


16 responses to “Weihnachtsnachlese

  • Tilla Pe

    Kirsten… Du siehst mich entsetzt! Hat es die katholische Kirche inzwischen wahrhaftig und tatsächlich nötig, mit solchen Mitteln die Hütte voll zu bekommen? Sex sells – auch klerikal gesehen?
    Sei mir nicht bös – aber ich bin halt evangelisch ;)

  • Kirsten

    Unter dem Marketing-Aspekt hab ich das noch nie gesehen. :-)

  • Pleitegeiger

    Moooment mal. Das letzte nachträgliche Weihnachtsgeschenkt wird definitiv von mir kommen. Aber die letzten werden ja die ersten sein… hast Du vielleicht in der Kirche gelernt, falls da nicht grad wieder jemand mit den Möpsen wedelte ;-)

  • Stefan

    Wie soll das Kind zum Glauben kommen, wenn nicht die Eltern diesen vorleben? Deswegen macht es Sinn, auch kleine Kinder in die Kirche mitzunehmen.

  • Volker Schepker

    Naja Stefan, aber wenn es so klein ist, dass man es noch stillen muss, dann kriegt es davon nicht viel mit. Ich weiß jedenfalls nicht mehr viel über meine Kindheit < ~5-6 Jahre.
    Und zu Kirsten: Beschwer dich nich über deine 3 Kilo, ich habs geschafft, im November 10 zuzulegen, die müssen auch erstmal runter… Naja, Kampfgewicht für den Endspurt im Studium, 1 Monat noch, dann sind die Klausuren geschafft. :D

  • Kirsten

    @Stefan: Ich hatte im Text gebeten, unter anderem über diese Frage nachzudenken: „Hat ein kleines, etwa ein halbes Jahr altes Kind, irgendetwas vom Gottesdienst?“

    @Volker: Exakt das hatte ich damit sagen wollen. :-)

    Insgesamt sind es bei mir auch 13 Kilo, auf die ich gut und gerne verzichten könnte…

  • gemaux

    Passierte mir auch, dass neben mir die Milchbar eröffnet wurde…da fiel mir beinahe die Bierflasche aus der Hand. Wie peinlich das laute Klirren gewesen wäe…nicht auszudenken…

  • claudia

    Hm, also ich finde es jetzt ziemlich merkwürdig sich über das Stillen von Babis in der Kirche zu wundern, wenn nicht dort wo dann denn? Das ist der Ort, der jedem Gläubigen absoluten Schutz verspricht. Der ganze Scheiß hat doch mit ’nem Baby angefangen, oder? Und natürlich – stellen wir voran die Story im Stall sei wahr – hat die Mutter das Gör immer dann gestillt, wenn es notwendig war. Vor allem in der arbeitenden Bevölkerung waren Kinder früher dabei und wurden gestillt, wenn sie es brauchten. Außerdem – klar hat das Kind noch nicht viel vom Gottesdienst – aber wenn die Eltern glauben und es ihnen vielleicht auch wichtig war, das Kind möglichst schnell taufen zu lassen und zu Weihnachten segnen zu lassen, kann ich nichts Anstößiges daran finden. Und dann doch lieber ein ruhiges gestilltes Kind in der Messe als ein plörrendes … Also nochmal, Du regst Dich am Tag von Christi Geburt über ein Baby in der Kirche auf? Du regst Dich darüber auf, dass ein kleiner Katholik zu Weihnachten seinen Segen erhält? Ah ja …

    Ich hasse die perfide Tendenz in Deutschland Kinder aus dem alltäglichen Leben ausschließen zu wollen. Mal anders herum überlegt, Kirsten, wenn sich jemand darüber aufregt, der nach eigenem Bekunden nur noch einmal im Jahr in die Kirche geht und meint ihr zuliebe hätten an dem besonderen Tag mal alle alltäglichen Störfaktoren (es gibt in meinen Augen nichts natürlicheres, schöneres als eine stillende Mutter und ein zufriedenes Baby), dann solltest Du mal darüber nachdenken, ob Du vielleicht weniger Anspruch hast auf die Teilnahme an der Messe als die vielleicht mehr den Glauben praktizierende Mutter mit ihrem Baby?

    Öh, ich bin ja nun weder evangelisch noch katholisch. Aber wenn Teilzeit-Katholiken jetzt auch schon untereinander bestimmt wollen, welcher Katholik ab welchem Alter ein Anrecht hat auf Teilnahme am Gottesdienst. Himmel Kirsten, dieses Post solltest Du wirklich noch mal ganz genau überdenken.

    Ich verbuche das mal als Reaktion auf den Fieberschub! Gute Besserung weiterhin, ich hoffe, Du kommst ganz schnell wieder auf die Beine!

  • Narana

    Claudia, nicht das Du denkst, ich will Dir in den Rücken fallen, aaaber:
    Vermutlich ist Dir nicht bewusst, dass es in katholischen Kirchen kalt ist – sogar saukalt. Und eine Christmette ist auch nicht innerhalb einer halben oder ganzen Stunde abgehakt, das dauert. Zudem findet die Christmette allerseltenst vor 22 Uhr statt, eine Zeit zu der, meiner bescheidenen Meinung nach, Kinder schlicht und ergreifend ins Bett gehören.

    Gerade an Weihnachten bieten die meisten katholischen Gemeinden am Nachmittag oder frühen Abend einen Kinder- oder Familiengottesdienst an, den kann der geneigte Gläubige dann prima mitsamt dem Nachwuchs besuchen, so dass dieser über die Feiertage nicht ungesegnet bleiben muss.

    Deshalb stehe ich hier eindeutig auf Kirstens Seite.

  • Kirsten

    @Claudia: Mh, vielleicht hätte ich die Vorgeschichte auch noch erzählen sollen: Besagte Mutter kam aus dem vorderen Teil der Kirche, die so voll war, dass die Leute in den Gängen standen. Sie schlängelte sich also überall durch und fragte dann diverse Leute, ob sie nicht mal eben Platz machen könnten. Das finde ich prinzipiell schon mal sehr störend. In unserer Kirche ist es zu Weihnachten immer rappelvoll, also, warum setzt sie sich nicht gleich nach hinten?

    Zudem gab es vor dem eigentlichen Gottesdienst eine Krippenfeier, die für Kinder genau das richtige ist. Da gibt es ein Krippenspiel, die Veranstaltung ist nicht so voll, da können die Kinder durch die Kirche laufen und sehen nicht nur die Beine vor Erwachsenen vor sich – sprich, das ganze ist kindgerecht gemacht und bringt den Kleinen den Glauben viel näher als so ein langweiliger Erwachsenen-Gottesdienst. Ich kann durchaus verstehen, dass die Kinder dann quengelig werden und rauswollen und Rabbatz machen. Aber es ist einfach unnötig, ihnen das anzutun, wenn es andere Möglichkeiten gibt, bei denen sie mehr Spaß haben.

    Und Fieber hatte ich im Übrigen nicht. :-)

  • TheKaiser

    Um mal die letzte Frage zu beantworten: Kommt auf die Möpse an ;-)

    Im übrigen finde ich, daß du recht hast, auch ohne die nachträglich erzählte Vorgeschichte…

  • Lonari

    @Kirsten: Vieelen Dank noch mal für die Socken; die sind soo toll!! Sind in der kurzen Zeit schon zu meinen Lieblingssocken avanciert. Jetzt schulde ich Dir aber mal einen ganz flotten Relaunch ;-)
    @TheKaiser: *bg*

  • Kirsten

    @Lonari: Ach, keine Hektik. Dafür hab ich den Kopf gerade sowieso nicht frei… Aber freut mich, dass sie Dir gefallen und offenbar auch passen. Das ist immer so eine Sache, wenn man blind für jemanden stricken muss. :-)

  • spitblog » Scheinheilig

    […] diese Scheinheiligkeit der vorgeblich Gläubigen hat mich damals mit 18 veranlaßt, aus der Kirche […]

  • rittmeister

    Unglaublich, wie können Sie sich durch eine stillende Mutter gestört fühlen? Aber da Sie anscheinend die Messe eher als folkloristische Veranstaltung und stimmungsbildendes Element betrachten, das für Sie zu einem „richtigen“ Heiligen Abend gehört, ist es nur zu verständlich, dass etwas so ursprüngliches und lebensbejahendes wie ein Säugling Ihren offenbar der Kulisse dienenden Besuch stört. Sehr verlogen finde ich Ihre Einstellung.

  • Senf

    Schließe mich dem Vorkommentator an.

    „Ich gehe inzwischen nur zu Weihnachten in die Kirche, weil ich mit den meisten Konzepten der katholischen Kirche nichts mehr anfangen kann.“

    und

    „Hat ein kleines, etwa ein halbes Jahr altes Kind, irgendetwas vom Gottesdienst? Hab ich selber als Mutter was davon, wenn ich den kleinen Wurm mitschleppe, sprich, kann ich andächtig dem Gottesdienst folgen? Können die Menschen um mich rum andächtig dem Gottesdienst folgen, wenn ich meine Möpse auspacke?“

    Gegenfrage: Was machen Sie dann im Gottesdienst, wenn Ihr erstes Zitat stimmt?

    Jesus Christus war nach seiner Geburt auch ein Säugling, dem wahrscheinlich egal war, was um ihn herum passiert. Hunger ist Hunger und ein guter Mutterinstinkt reagiert entsprechend darauf. Denken Sie lieber über Ihre eigene Einstellung zum Gottesdienst nach.

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