Sag mir, wie Du joggst …

Je öfter ich den zauberhaften kleinen Park hier in der Nähe aufsuche, um mich dort sportlich zu betätigen, desto mehr fällt mir auf, wie schön sich doch die einzelnen Jogger in Kategorien aufteilen lassen.

Da wäre zunächst der Marathonläufer. Joggt nur zum Angeben in diesem kleinen Park, in dem er eigentlich einen Drehwurm kriegen müsste. Es geht vor allem darum, sagen zu können: Seht hier, ich laufe schon die 30. Runde und kann immer noch. Der Marathonläufer hat im Allgemeinen super Laktatwerte, holt sich aber sofort eine Zerrung, wenn er zu sprinten versucht. Er trägt natürlich Funktionskleidung der führenden Marken. Macht oft einen etwas verhärmten Eindruck, hält sich aber für drahtig. Hat einen Ernährungs- und Lebensplan, in dem weder Alkohol, noch Süßigkeiten, noch Spaß vorkommen.

Das Gegenteil des Marathonläufers ist der Amateur. Dieser ist eigentlich der sympathischste Typus unter den Joggern. Er will sich einfach nur fit halten, trägt simple Baumwoll-T-Shirts oder Aldi-Laufkleidung. Er scheut sich nicht, beim Laufen auch mal eine Pause zu machen und hat lediglich den Ehrgeiz, sich ein bisschen zu betätigen, ohne gleich zu übertreiben oder andere missionieren zu wollen. Tritt oft zu zweit auf, damit er beim Joggen noch mit jemandem quatschen kann. Der Amateur ist im Allgemeinen gutmütiger Natur und trinkt in der Freizeit gern mal ein Bierchen. Sagt auch nicht nein zu Schweinebraten.

Nerviger ist da schon der Besserwisser. Der Besserwisser hat – wie der Name schon sagt – die Weisheit mit Löffeln gefressen. Der Besserwisser weiß nicht, dass ich chronische Achillessehnenbeschwerden habe, eigentlich Kugelstoßen trainiere und auch im fitten Zustand nie lange joggen kann, weil ich immer Probleme mit der Atmung habe. Der Besserwisser weiß aber genau, wie ich trainieren sollte und tut das auch laut kund. „Na, schon wieder ne Pause?“ ist ein typischer Spruch des Besserwissers, der trotz seiner allumfassenden Jogging-Bildung von Intervalltraining oder Laufspielen noch nichts gehört hat. Besonders schlimm wird es, wenn der Besserwisser noch dazu ein -> Fettsack ist.

Zudem gibt es die Tussis. Die Tussis tragen weiße Leggings und rosa Kapuzenpullis. Sie tragen Kopfhörer, über die sie die neueste „Brigitte“-Power-Jogging-CD hören. Tussis schwitzen nicht und machen sich nicht dreckig, wofür ich sie zugegebenermaßen ein bisschen bewundere. Ich bin nach 5 Minuten klitschenass, habe dunkle Flecken unter den Achseln sowie rund um den Ausschnitt, einen Kopf, der vermutlich im Dunkeln leuchtet und immer Matschespritzer an den Beinen. Die Tussis sehen auch nach einer halben Stunde Powerjogging noch aus wie aus dem Ei gepellt und sehen mit kaum verhülltem Mitleid auf mich runter. Tussis können nämlich leider relativ lange laufen, weil sie nur wenig Gewicht zu tragen haben. Noch ein Grund mehr, sie nicht zu mögen.

Eine Zerreißprobe für die Nerven sind auch die Fettsäcke. Die haben schon seit geraumer Zeit ihre eigenen Füße nicht mehr gesehen, weil da leider die Wampe im Weg ist. Das hält sie nicht davon ab, mit dem Rad neben einem Jogger herzufahren und einen dummen Spruch zu machen. Die Fettsäcke verstehen Sportler nicht und haben deshalb gern Sprüche wie „Man muss doch bescheuert sein, um sich so zu quälen, oder?“ parat. Vergreist früh und bekommt eine Fettleber. Genau das sollte man ihnen auch sagen, um sie zum Schweigen zu bringen.

Auch der Blender ist nicht besonders gut im Sport, wäre das aber gern. Richtig quälen mag er sich dafür aber nicht. (Die andere Variante des Blenders trainiert dagegen sehr viel – vor allem mit Hanteln. Dieser Typus hat gigantische Muskelpakete, kann aber keine vier Meter am Stück laufen.) Deshalb fasst er sich präventiv schon mal gern an den Oberschenkel, bevor er überhaupt mit dem Laufen beginnt, damit alle denken, er sei verletzt, wenn er nach zwei Minuten kurzatmig aufgibt. Trägt beim Laufen ein Handtuch um den Nacken und läuft breitbeinig, um überbordende Kraft zu simulieren. Wohnt noch bei Mutti oder hat eine Frau, die er Mutti nennt.

Die Nordic-Walker. Sind mit Stöcken bewaffnet und sollte deswegen weiträumig umjoggt werden. Was nicht immer einfach ist, weil diese Art Sportler meistens nicht allein auftritt und immer die ganze Breite des Weges braucht.

Die Mädchen. Mädchen können männlich oder weiblich sein. Das Mädchen hat immer Angst, dass es sich erkältet. Ist deswegen viel zu dick angezogen, joggt mit Kapuze und schwitzt dabei wie Hölle. Zieht aber nichts aus und huscht nach dem Joggen sofort unter die Dusche, ohne vorher auszudampfen. Schwitzt also nach dem Duschen weiter, erkältet sich und sagt dann, joggen mache krank.


14 responses to “Sag mir, wie Du joggst …

  • Herr A.

    Läufst Du auch oder schaust Du nur? ;-)
    Immer hin komme ich als „Amateur“ (genauer: Amateur a.D.) noch ganz gut weg.

  • westernworld

    “Brigitte”-Power-Jogging-CD – das gibt es nicht wirklich oder ? btw gib es zu DU bist achim achilles bei spon…

  • Markus

    Ich zähle mich in dieser Auflistung mal zu den Amateuren, aber das machen die anderen in der Liste vermutlich auch ;)

    Aber die „Mädchen“ sind echt die Besten. Von denen kenne ich auch einige…

  • Inge aus HH

    Breitgrins… Von den Auspuffjoggern haste aber noch nicht geschrieben. Das sind die, die unbedingt auf den Hauptstraßen neben den Autos herlaufen müssen, die herrlich stinkenden Schwaden einschnüffeln und – haste nicht gesehen – bei Rot rüberjoggen, um zu zeigen wie sportlich sie sind und was ihre Lunge noch so taugt… :-))

  • Ultimonativ

    Hm, ich finde mich nicht wieder… Aber ich werde nachher beim Lauf durch den Tiergarten mal die Kategorien zählen. :-)

  • fsone

    hehehe
    sehr geil geschrieben.
    aber du hast noch den sprinter vergessen, der in einem pulsbereich um die 300 in einem affenzahn durch den park rennt und sich dann wundert warum er n sauerstoffzelt benötigt und trotzdem nich fitter wird ;)

  • Christoph

    Schubladendenker … Du hast übrigens die Machogaffer vergessen … die mit der tollen Ausrüstung, aber auch früh am Morgen mit Sonnenbrille in den Park gehen um den Joggerinnen auf den Hintern zu glotzen …

    Aber Du hast gerade ein schlechtes Gewissen bei mir produziert … ich müsste auch langsam mal wieder laufen … *denktsundsuchtseinelaufschuhe*

  • Kirsten

    @Herr A.: Da ist der Vorteil des Intervalltrainings: Man hat viele Gehpausen, in denen man Leute beobachten kann. Im Übrigen ist der Bericht das Ergebnis monatelanger Recherche. :-)

    @Westernworld: Keine Ahnung, die hab ich mir ausgedacht. Ich halte das aber nicht für komplett ausgeschlossen…

    @Markus: Ich kenn eigentlich nur männliche Mädchen, wenn ich es mir recht überlege. ;-)

    @Inge: Das kommt, weil in dem Park keine Autos fahren. Die Auspuffjogger kommen da halt gar nicht vor. :-)

    @Ultimonativ: Ich selber bin da ja auch nicht drin. Ich bin aber auch die einzige kurzatmige Kugelstoßerin, die da joggt. Dafür wollte ich keine eigene Kategorie aufmachen. ;-) Wie viele Kategorien hast Du denn beim Joggen getroffen?

    @fsone: Oh ja, stimmt. Die gibt’s auch. Erschrecken mich immer zu Tode, wenn sie an mir vorbeirauschen…

    @Christoph: Schubladendenker? Nu nimm doch das nicht alles so ernst…

  • wortteufel

    Ich überlege, wo ich mich einordnen soll: motivierte Amateurin mit Funktionsbekleidung und Pausenaffinität sowie dem Hang zum Schwitzen schon nach kürzester Distanz. Ebenso sehe ich nach spätestens zwei Kilometern aus, als würde mein Kopf explodieren – was er erfahrungsgemäß nicht tut. Das glauben mir aber die anderen nie.

    Immerhin grüßen mich fast alle: die Powerjogger mit Flaschenarmada am Gürtel ebenso, wie die gemütlichen Schnaufer. Nur die Super-Marathonis nicht. Die muss man wohl erst bei mindestens sieben Volksläufen beim Halbmarathon überholt haben, bevor die mal die Hand zum Gruß heben.

    Die Joggschneggen find ich auch super – immer up to date in Farbe, Schnitt und Accessoires, aber einen verkniffenen Zug um den Mund der erahnen lässt, dass die Mädchen einen echt genussfreien Lebensstil haben.

    Und der Preis ist mir zu hoch 8)

  • westernworld

    glückwunsch meine liebe du bist heute top-beitrag auf wordpress, auf dem weg zur A-bloggerin… ;)

  • Kirsten

    @Westernworld: Von wegen. Grad mal 70 Besucher heut. ;-)

  • wortteufel

    A-Blogger? Wer will das schon 8)

  • chris

    Haha ich habe mich schlapp gelacht über diese Kolummne. Leider bin ich nicht in diesem Text vorhanden. Denn ich jogge noch nicht. So Butter bei de Fische. Ich hab nen Bauch und würde gerne Joggen aber irgendwie schäme ich mich wenn ich im Park Joggen möchte. Brauche wahrscheinlich alle 100meter ne Pause, und bin nach 1 KM Ko.
    Wie kann ich mich bloss motivieren?? Möchte nicht zum gespött des Parks werden!! Hat mir jemand motivationstipps?? Gruss Chris

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