Von wegen heiliger Sonntag

Wenn ich all diese Schreihälse höre, die immer gegen Sonn- und Feiertagsarbeit wettern, weil dadurch ganze Familien zerstört und Menschen ausgebeutet werden, kommt’s mir allmählich hoch. Ihr seid gegen Sonntagsarbeit? Bitte schön – dann macht Euch mit dem Gedanken vertraut, dass Euch am Wochenende keiner die gebrochenen Knochen auch nur ansatzweise versorgt, Euer Haus bei einem Feuer bis auf die Grundmauern niederbrennt, Euch kein Zug und kein Bus von A nach B fährt, kein Fußball ist, die Kirchen zu sind und am Montag keine Zeitung erscheint. Und das sind bei weitem noch nicht alle Beispiele. Wenn Ihr meint, dass gelegentliche verkaufsoffenen Sonntag gleich unsere Zivilisation ins Wanken bringen, weil der heilige Sonntag geschändet wird, denkt doch bitte auch mal an Ärzte, Krankenschwestern, Feuerwehrleute, Busfahrer, Journalisten und viele andere, für die Sonntagsarbeit schon lange zum Alltag gehört.


4 responses to “Von wegen heiliger Sonntag

  • wortteufel

    Meist sind es die 9 to 5 Jobber, die gegen Wochenendarbeit, Überstunden und Nachschichten wettern. (Das sind dann aber auch die ersten, die sich beschweren, wenn am Sonntag morgen der Bäcker nicht auf hat und die Bild am Sonntag nicht erscheint, ihr Kind mit Beule am Kopf in der Ambulanz warten muss und das Ausflugslokal geschlossen hat.)

  • Martin

    Geht es bei der Diskussion über die Gleichschaltung von Sonn- und Feiertagsarbeit nicht primär um die Tatsache, dass dann die meistenteils tariflich geregelten Entgeltzuschläge für Sonn- und Feiertagsarbeit wegfallen und dann genau die oben bereits genannten Berufsgruppen (finanziell gesehen) verarscht würden?

  • Kirsten

    @Martin: Das geht es bei der Diskussion sicher, aber die meinte ich gar nicht. Diese Kirchenfürsten zum Beispiel reden ja immer davon, dass der Sonntag der Familie gehört und blablabla. Um die ging es mir hier eher.

  • Daniela

    Ich bin mit einer Mama aufgewachsen, die als Stationsschwester auf der Intensiv gearbeitet hat, auch in Nachtschicht.
    Brauchst mir also nix zu erzählen.

    Selbst arbeite ich auch jeden Samstag morgen und ein Mal im Monat am Sonntag. Klasse, wenn man von einer lustigen Festivität aufbricht und dann so ein „ach nö .. musst Du schon wieder morgen früh arbeiten?“ hört. Danke schön, bohrt noch mit dem Löffel in der Wunde.

    Ach ja – ein anderes Highlight sind Leute, die morgens sehr früh raus müssen und deswegen glauben, bis 22 Uhr arbeiten zu „dürfen“ sei ja traumhaft, weil man am nächsten Tag länger schlafen dürfe. Genau, unglaublich witzig, dauernd Kinoeinladungen etc. ablehnen zu müssen ….

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