Was für’s Herz

Wenn nicht grad meine schwarz-gelben Jungs ins Westfalenstadion einlaufen oder ich meine Kontoauszüge betrachte, gibt es nicht so wirklich viel, was mich zu Tränen rührt (okay, doch, gibt es. Aber wenn ich das nun schreiben würde, wäre mir der schöne Anfang dieses Textes versaut). Gestern an der U-Bahn-Haltestelle aber durfte ich eine kleine Szene beobachten, die mir zumindest ein klitzekleines Tränchen der Rührung in den Augenwinkel und Wärme ins Herz gezaubert hat.

Schon als ich die Treppe zum U-Bahn-Schacht hinunterkam, fiel mir ein kleiner, vielleicht etwa 12-jähriger Junge auf, der von einem Bein aufs andere hüpfte, als habe er viel zu viel Cola getrunken oder warte auf irgendetwas. Letzteres war der Fall. Denn kurz darauf stieg ein Mädchen etwa im selben Alter wie er die Treppe zur U-Bahn hinunter. Röckchen, T-Shirt, lange braune Haare, süßes Gesicht – so hätte ich als Mädchen gern ausgehen, und hätte es vielleicht auch getan, wenn ich nicht dauernd in irgendwelchen Dreckpfützen rumgesprungen wäre.

Der kleine Junge aber rannte nun auf das Mädchen zu, drückte ihm mit ein paar Worten, die ich leider nicht verstehen konnte, ein Briefchen in die Hand und sprang dann die Treppe rauf, immer zwei Stufen auf einmal nehmend, zackzack! außer Sichtweite. Auf den Briefumschlag waren ein Herzchen und ein Blümchen gemalt.

Leider hab ich die Reaktion des Mädchens nicht beobachten können, als es den Umschlag geöffnet hat. Ich bin mir aber ganz sicher, es stand etwas sehr Nettes in dem Brief, der vermutlich darin war.

Ich hoffe, das Mädchen hat beim Lesen gelächelt. Und ich hoffe, es hat den süßen kleinen Jungen nachher angerufen oder in der Schule angelacht. Vielleicht waren sie dann nachher ein Eis zusammen essen. Solche Jungs sollte man nämlich anrufen und mit ihnen Eis essen gehen. Solche Jungs, die einem Briefchen mit Herzen und Blümchen auf dem Umschlag zustecken, sind nämlich sehr selten. Und wenn sie erstmal älter sind als zwölf, hört das mit dem Herzchen-und-Blümchen-Malen eh irgendwann auf.

Verdammt, ich bin immer noch gerührt.

9 Gedanken zu “Was für’s Herz

  1. @Stadtneurotiker: Nur, wenn es auf Gegenseitigkeit beruht. Sonst ist es für’n Arsch. ;-)

    @Christoph: Ich vermute, weil es ihn schon ne ganze Portion Mut gekostet hat, ihr den Brief überhaupt zu geben. Dann noch ihre Reaktion abzuwarten, von der er ja nicht wusste, wie sie ausfallen würde, war sicher nervlich nicht mehr drin.

  2. *seufz*

    Bei uns gabs von den Jungs immer nur aus nem Collegeblock herausgerissene Zettel, auf denen mit schwarzem Filzer geschrieben war:

    Willst Du mit mir gehen? Ja – Nein – Vielleicht
    Liebst Du mich? Ja – Nein – Vielleicht

    (bitte ankreuzen!)

    Schön Verwirrung konnte man stiften, wenn man Nr.1 mit Nein, aber Nr. 2 mit Ja oder zumindest Vielleicht ankreuzte. *lach*

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