Weibliche Solidarität

Das Thema lässt mich irgendwie nicht los. Seit dem Weltfrauentag frage ich mich, ob ich wirklich, weil ich diese bekackte Rose nicht angenommen hab, den Feminismus verraten habe. Und da mir das Thema in diversen Ausprägungen in den vergangenen Tagen immer mal wieder über den Weg gelaufen ist, werd ich doch noch mal einiges dazu schreiben.

Gleich vorweg: Dass ich glaube, den Feminismus verraten zu haben, war ein Scherz.

Ich erinnere mich an eine Begebenheit vor ein paar Jahren: Wir gingen in der Clique eine Straße entlang, in der ein vollkommen schief geparkter Opel Corsa stand, und ich scherzte, den könne ja nur eine Frau so hingestellt haben. Eine der anwesenden Damen, noch nicht so lange in der Clique, sah mich entgeistert an und holte tief Luft, offenbar, um mir einen Grundsatzvortrag zu halten. Da wir auf dem Weg von der einen Kneipe in die nächste waren und ich keine Lust hatte, mir meine gerade so nette betrunkene Stimmung kaputt machen zu lassen, sagte ich nur: „Dass du es gleich weißt, weibliche Solidarität gibt’s bei mir nicht.“ Woraufhin sie zickte: „Na, aber von den Männern kriegen wir die auch nicht.“

Gott sei Dank, kann ich da nur sagen. Ich will keine Solidarität aufgrund meines Geschlechts. Und ich will mich nicht automatisch mit der Hälfte der Menschheit solidarisieren müssen, nur, weil sie meinem Geschlecht angehört. Nicht, wo es so viele unglaublich nette Männer und so viele wahnsinnig dämliche Frauen gibt. Und umgekehrt, bevor hier jemand spaßbefreit aufjault. Wenn man das mal ganz extrem weiterdenkt, könnte ich auch sagen, ich will nur mit blonden Leuten befreundet sein, weil dunkelhaarige total doof sind. Klingt auch bescheuert, oder?
Ich will keine Rose am Weltfrauentag, nur, weil ich eine Frau bin. Ich möchte Lob, weil ich was geleistet hab, etwas gut kann, etwas besser hinbekommen habe als andere. Und hätte ich diese Rose angenommen – wäre ein Mädchen auf der Welt weniger beschnitten, eine Frau weniger zwangsverheiratet worden oder hätten sämtliche Frauen auf der Welt plötzlich gerechte Löhne für ihre Arbeit erhalten? Wohl kaum. Ich brauche, wie die gute und weise Creezy hier schreibt, keinen Weltfrauentag, sondern eine Welt voller Gleichberechtigung. Die wird aber nicht durch solche Tage erreicht. Und nicht durch Rosen und nicht durch Flyer, oder zumindest nicht nur.

Ich möchte mir einfach keine Gedanken darüber machen müssen, ob ich etwas tun oder lassen darf oder etwas tun muss, weil ich eine Frau bin. Ich mache die Sachen einfach. Ich geh ins Stadion, fluche, saufe mir die Birne zu, mache Kugelstoßen (was ja Mannweibern vorbehalten sein soll, wie ich hörte), stricke Socken, koche, putze und trage im Sommer auch mal kurze Röcke (obwohl die Zeiten sich auch dem Ende zuneigen…). Und ich weiß durchaus zu schätzen, dass ich all das tun kann. Ich weiß zu schätzen, dass ich Abitur machen, studieren und einen Beruf lernen durfte. Meine Mutter durfte das alles noch nicht bzw. nicht in der Profession, die sie sich gewünscht hätte (mein Vater aber auch nicht, nebenbei bemerkt). Ich darf anziehen, was ich will, ausgehen, wohin und mit wem ich will. Ich muss keine Kinder kriegen, wenn ich das nicht will. Ich darf mir meinen Mann mal selber aussuchen, und trotz meines fortgeschrittenen Altern nöggeln meine Eltern nicht rum, ich solle mich mal beeilen damit. Für all das bin ich meinen Eltern unglaublich dankbar.

Und ich bin vorangegangenen Frauengenerationen sehr dankbar dafür, dass sie uns Mädels von heute den Weg geebnet haben und wir heute so leben dürfen, wie wir das tun. Diese Frauen haben viel erreicht, und das finde ich großartig. In manchen anderen Kulturen ist das nicht selbstverständlich.

In der neuesten Brigitte bin ich in einem Artikel über Zickenkrieg im Job über einen Satz gestolpert, der sinngemäß aussagte, dass viele Frauen mit Konkurrentinnen nicht gut klar kommen, weil sie sich fragten, ob sie denn eine andere Frau übertrumpfen dürften oder damit nicht die vielbeschworene weibliche Solidarität verraten würden. Wie bitte? Natürlich darf ich im Job besser sein als eine andere Frau. Weil es diese bescheuerte Solidarität unter Frauen nicht wirklich gibt. Und das nicht, weil Frauen wie ich über frauenfeindliche Witze lachen. Nein, weil es bei uns immer noch so ist, dass Mütter Nicht-Mütter anzicken, „Karrierefrauen“ „Hausfrauen“ belächeln, Osttussis Westtussis anmaulen und umgekehrt. Sowas ist weitaus schlimmer als meine Witze über schief geparkte Autos. Jede Frau, nein, jeder Mensch, sollte das tun können, was er möchte und anderen aber bitte auch ihre Freiheit lassen. Wenn ich ein Kind bekommen möchte, sollte ich das tun. Aber dann nicht auf die herunter schauen, die keine Kinder wollen oder haben. Und wenn ich ein Kind habe und arbeiten gehen möchte, sollten die Möglichkeiten da sein, damit ich das tun kann. Leider ist das in Deutschland aber noch lange nicht der Fall, das weiß ich auch. Das ist eine Sauerei, und für so etwas lohnt sich meiner Meinung nach durchaus noch zu kämpfen.

Und nur weil ich (durchaus auch selbstironisch) darüber lache, dass manche Frauen nicht einparken können, heißt es nicht, dass ich mich über die Diskriminierung von Frauen im Alltag nicht ärgere. Aber mit Kleinigkeiten wie parken halte ich mich da nicht auf. Auch ich habe schon Jobs nicht bekommen, weil ich eine Frau bin. (Was natürlich nicht die offizielle Begründung war…) In dem Fall konnte ich leider nicht dagegen angehen, weil ich damit jemand anders mit reingeritten hätte, aber ich mache dann schon den Mund auf, wenn mir so ein Unsinn begegnet. Als mich im Kindergarten ein Junge der Lüge bezichtigte, weil Mädchen keine Autos hätten, gab es einen auf die Schnauze. Und da war ich viereinhalb, sage mir also keiner, ich hätte noch nie was für die Gleichberechtigung getan. Ich schlage heute zwar nicht mehr zu, wenn mir sowas begegnet, aber eine klare Ansage gibt es schon dazu. Und wenn ich meine Meinung gesagt habe, gehe ich wieder dazu über, Dinge zu machen, und nicht weiter darüber nachzudenken, dass es Idioten gibt, die meinen, Frauen gehörten an den Herd.
Aber vielleicht haben meine Eltern mich durch ihre Erziehung auch total versaut fürs Leben. Ich bin nämlich in dem Glauben aufgewachsen, dass Männer und Frauen eh schon gleichberechtigt sind. Meine Eltern gehen zusammen auf den Sportplatz, teilen sich die Hausarbeit, die Gartenarbeit und was sonst immer so anfällt. Klare Aufgabenteilung gibts beim Auto (Papa) und bei den Finanzen (Mama), der Wäsche (früher Mama, seit deren Rückenleiden Papa) und Computer (Mama). Ich glaube nicht daran, dass es von der Natur bestimmt ist, dass ich Apfelkuchen backe und dem Manne das Heim bereite, während er draußen das Fleisch jagt. Aber wenn jemand so leben möchte, ist das okay. Wenn der Mann zu Hause den Apfelkuchen backt und die Frau arbeiten geht und beide zufrieden damit sind – nur zu. Niemals hab ich zu Hause Sprüche wie „typisch Mann“ oder „typisch Frau“ gehört. Meine Eltern kommen auch mit Ehepaaren, die so miteinander umgehen, überhaupt nicht klar, und so geht es mir auch. Solche Sprüche, wenn sie ernst gemeint sind, gehören für mich in das vergangene Jahrhundert. Mindestens.

Ob das hier nun alles logisch, stringent formuliert und sinnvoll aufgebaut ist – mir egal. Es musste nur mal raus.


4 responses to “Weibliche Solidarität

  • Jens

    Schräg-in-den-Straßen-Parker gibt es auch sehr häufig in der männlichen Variante. Ich sehe davon jede Woche ’ne handvoll. Traue mich aber nicht die zu fotografieren. Aber ich schaue die immer schräg an. ;)

  • kutabu

    Mhm… also muss ich nochmal nachfragen: Dir ist ja bewusst, dass Du der Frauenbewegung eine Menge verdankst, so habe ich Dich durchaus verstanden. Denn schließlich hättest Du das mit der freien Schul-/Studien-/Berufswahl und auch die Frage, ob Ehe, Kinder oder nicht, ansonsten nur mit einer riesigen Durchsetzungskraft, die an Genialität grenzt, für Dich durchsetzen können. Also, das setze ich jetzt mal voraus.
    Bedeutet: im Grunde geht diese Diskussion doch wohl nicht um den politischen Sinn oder Unsinn der Frauenbewegung, sondern vielleicht vielmehr um Dein Recht auf ich sage mal ‚anarchistisches‘ Verhalten (im zahmen Sinne, nicht im radikalen Sinne der RAF oder so) im Allgemeinen.
    Oder?
    Dass Du Dir eben eine Unabhängigkeit erhalten willst, die sich denn auch mal in unwirschem Verhalten in der Öffentlichkeit ausdrücken kann, wenn Dir danach ist, nicht wahr?
    Wenn es so (oder so ähnlich) ist, ist das eben so, da sehe ich gar kein Problem.
    Eine allumfassende Solidarität, ob nun zu Frauen oder zur dritten Welt oder unterdrückten Arbeitern oder wasweißich, muss man nun wirklich nicht heucheln oder so. Vieles tragen wir schon ganz unbewusst dazu bei, indem wir uns eben so verhalten, wie wir sind, nämlich authentisch. Und dazu gehört bestimmt auch das Verhalten, sich frei von gesellschaftlichen Konventionen (wie z.B. Höflichkeit im U-Bahn-Schacht) zu verhalten.

  • Kirsten

    @Jens: Das hab ich durchaus auch schon beobachtet. ;-)

    @Kutabu: So war es nicht nur gemeint, aber eben auch. Ich bitte nur, mein Verhalten gegenüber der Tante am Werktor nicht als Aktion, sondern als Reaktion zu sehen. Hätte sie mich nicht angekreischt und angefasst, sprich, sich eben auch an gewisse Konventionen des höflichen Miteinanders gehalten, ich hätte sicher anders reagiert. Zunächst mal trete ich den Menschen ja immer erst mal höflich gegenüber, sei es im Geschäft, auf der Straße oder in der U-Bahn. Aber ich erwarte das dann auch von denen. Es ist mir ja nicht per se danach, mich unwirsch zu verhalten. Auch, wenn manche Blogeinträge das vermuten lassen. ;-)

  • kutabu

    Naja, dann… wie gesagt, ich mag es auch nicht, dämlich am Ärmel gezupft zu werden – NIE!
    Und ansonsten nehme ich Dich auch nicht als unflätig oder unangenehm wahr. Da fehlt denn bei einem Blog eben doch der Gesamteindruck des Menschen. Lieben Gruß und fröhliche Ostern!

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