Der, die, das Aushilfe

Ich bin ja nicht unbedingt ein großer Freund politischer und anderer Korrektheit. Weswegen da jetzt auch nicht steht „eine große Freundin“. Wenn ich im Studium auf die Frage nach meinem Berufswunsch geantwortet hab, ich wolle Journalist werden, und mir drei Hardcore-Feministinnen entgegenkreischten, es hieße JournalisTIN!!!, hat mich das sehr genervt. Und dass das wiederum die Feministinnen genervt hat, fand ich lustig.

Texte und Textinnen, in denen konsequent die männliche und die weibliche Form verwendet werden, machen mich irre. In Stellenanzeigen finde ich das aber okay – wenn sie nicht so aussehen wie die im Schreibwarenladen meines Misstrauens. Da wird nämlich gerade, und ich zitiere, „eine/n freundliche/n Aushilfe“ gesucht. Also eine freundliche Aushilfe oder einen freundlichen Aushilfe, oder was? Meine Güte.

16 Gedanken zu “Der, die, das Aushilfe

  1. Oh ja, das kann ich nachvollziehen. Diese ewigen Schrägstriche sind die reinsten Stolperfallen.
    Gerade an der Uni ist das Thema natürlich besonders knifflig. Ich hab mir bei meiner vor kurzem vollendeten Abschlussarbeit, in der es um Fußballfans ging (natürlich), auch ewig Gedanken gemacht, ob ich da einfach immer „der“ oder „dem Fan“ sagen kann oder mir noch irgend ne ‚weibliche Konstruktion‘ ausdenken muss.
    Hab mich dann auch für eine einheitliche männliche Schreibweise entschieden (weil sichs natürlicher anhört) und das dann in einer Fußnote erklärt.
    Aber ich hatte auch keine Feministinnen als Prüfer, äh, innen. ;-)

  2. @Creezy: Ja, bei dem/der frag ich mich aber wirklich die ganze Zeit, was es ist. Weibliche Elche haben doch keine Schaufeln, das muss also eine Transe sein. ;-)

    @Nick: Gerade die Uni ist für sowas ein ganz schlimmer Ort, das ist wahr. Und was Fußball angeht: Gibts überhaupt ne weibliche Form von Fan? Da kann sich doch dann keine auf den Schlips getreten fühlen. Fanin oder Hooliganin hab ich jedenfalls noch nie gehört. :-)

  3. Ich werde heute um 15:00 Uhr zu einer Fortbildung zum Thema „Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz“ gehen, vielleicht kann ich Dir dann was über den Hintergrund verraten.

  4. Der Hintergrund ist einfach, dass die Leute, die so einen Stuss verzapfen, offenbar ihrer Muttersprache nicht Herr sind. Und was „Fanatikerin“ angeht – muss ich erst wieder den Duden zitieren, oder was?

  5. Nachdem ich nun den Vortrag über das AGG gehört habe, komme ich zu dem Schluß, daß die Leute, die – zugegeben – so einen Unsinn verzapfen, zu Recht komplett verunsichert sind, wie sie sich verhalten sollen.

    Wenn beispielsweise in der Absage auf eine Stellenbewerbung steht: „Wir haben uns leider für einen anderen Bewerber entschieden,“ kann das offenbar schon Indiz dafür sein, daß man ohnehin nach einem Mann gesucht hat.

    „Frauen und Männer werden gleichberechtigt behandelt“ kann übrigens ebenfalls als diskriminierend betrachtet werden, da es Zwitter ausgrenzt.

    Wußte ich vorher auch nicht.

    Da wundert einen nicht, daß manche in ihrer Hilflosigkeit zu solch denkwürdigen Formulierungen greifen.

    Und was hättest Du aus dem Duden zu zitieren? Ich zitierte aus http://de.wikipedia.org/wiki/Fan

  6. Fan: der; -s -s (engl.) (begeisterter Anhänger).
    Wohingegen Fanatikerin logischerweise die weibliche Form von Fanatiker ist. Was natürlich sprachgeschichtlich mit Fan zu tun hat; aber sogar Wikipedia bemerkt, dass beide Begriffe unterschiedlich besetzt sind.

    Zu Fan an sich gibt es also meines Erachtens keine weibliche Form. So wie es bei Aushilfe keine männliche Form gibt.

  7. Na, siehste, dann frag doch nicht. ;-)

    So, und ich geh jetzt die Hebammenschulen Deutschlands verklagen, die mir nicht explizit gesagt haben, daß ich da auch Entbindungspfleger werden kann.

  8. Grandma, singing: How many roads must a man walk down before you can call him a man?
    Homer: Seven!
    Lisa: No, Dad, it’s a rhetorical question.
    Homer: Rhetorical, eh? Eight!

  9. Na ja, mein Problem mit dem „Fan“ war eigentlich, wenn ich über den Fan allgemein spreche, ich aber das Wort nicht dauernd wiederholen will, ob ich dann „er“ sagen kann oder „er/sie“ sagen muss. Aber ich habs ja zum Glück hinter mir :-)

  10. Jaja, „Liebe Kameradinnen und Kamaräder…“

    Bei Stellenanzeigen kann man sich ja auch mit (w/m) helfen. Allerdings bin ich schon verblüfft wie viele Firmen da so lasch rangehen. Da sucht ein Café „eine nette weibliche Aushilfe“ oder eine Firma will „einen Mitarbeiter zwischen 25 und 35“. Das fällt sowas von eindeutig unters neue AGG, dass ich da kein Mitleid habe. Blöde am AGG ist, dass Firmen sich nicht mehr trauen werden ihre Absage zu begründen (wenn sie es denn können und nicht das Bauchgefühl entschieden hat).

  11. Das hat der Dozent auch gemeint.

    Bisher hat er den Bewerbern und Bewerberinnen immer mitgeteilt, warum sie nicht genommen wurden, um ihnen auch einen Tip für die nächste Bewerbung zu geben.

    Damit ist es jetzt vorbei.

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