Ich muss mich frisch machen

Da rätsel ich seit fast vier Jahren rum, warum so viele andere Leute direkt nach der Ausbildung einen Job bekommen haben und mich immer noch keiner fest anstellen will, mach mir Gedanken über Bewerbungsstrategien und so ein Zeug – dabei wäre die Antwort so einfach gewesen. Hätte ich mal nur mal den Herrn Beck, den in gewissen Medienkreisen so treffend als „Terrorbären“ bezeichneten Chef der SPD (wofür stand nochmal das „S“ bei denen?), gehört. Der hat das Problem mit den ganzen asozialen Arbeitslosen, diesen Schmarotzern, diesen faulen Säcken, ratzfatz gelöst. „Waschen und rasieren, dann bekommen Sie auch einen Job“ – schnauzte Beck auf einem Weihnachtsmarkt einen Arbeitslosen an, der ihn zuvor beschimpft hatte.

Die Antwort auf die Frage, warum alle anderen einen Job bekommen und ich nicht, muss also lauten: Die haben sich alle gewaschen. Und rasiert. Wer mich sucht: Ich muss mich mal eben frisch machen. Und wenn ich fertig bin mit Beine enthaaren, such ich mal den feinen Herrn Beck und guck, was man bei dem so alles rasieren kann.


9 responses to “Ich muss mich frisch machen

  • Kerish

    Finde es nicht gut wie jetzt auf Beck rumgehackt wird. Das war ja nicht allgemein auf Arbeitslose gemüntzt. Offensichtlich hat ihn da ein alkoholisierter Typ beschimpft. Und er hat sich halt aus der Situation heraus etwas unglücklich ausgedrückt. Den mit dem Grundsätzlichen hat er wohl doch recht. Wer würde schon Jemanden einstellen der muffelnd, unrasiert und alkoholisiert zum Vorstellungsgespräch kommt? Und wie man dem Bericht im Spiegel entnehmen kann, hat sich der angeblich Beleidigte garnicht beleidigt gefühlt! Hier wird wieder mal etwas von den Medien hochgebauscht statt sich um die wirklichen Probleme zu kümmern. Und ich weis durchaus von was ich rede. Ich war auch ein Jahr arbeitslos und habe dann einen Job angenommen der weit unter meinen Qualifikationen lag. Und ich verdiene heute (9 Jahre später) immer noch weit unter dem was ich in meinem ursprünglichen Beruf als Anfangslohn gehabt hätte.

  • Kirsten

    Ich finde es schon gut, wie auf Beck rumgehackt wird. Jemand, der so in der Öffentlichkeit steht, sollte gefälligst auf das aufpassen, was er sagt – vor allem, wenn er weiß, dass Medienvertreter anwesend sind. Und einen solchen Satz kann er sich dahin stecken, wo keine Sonne scheint.

    Die Medien sind nicht Schuld an dem Satz, sie sind ihrer Aufgabe nachgekommen, ihn zu dokumentieren. Um welche wirklichen Probleme sollen sich die Medien denn sonst so kümmern? Oder sollte sich Herr Beck vielleicht um was kümmern?

    Und so einfach funktioniert die Rechnung nicht: Ich wasch mich, dann laden mich die Leute von selber zum Vorstellungsgespräch ein (überspitzt formuliert natürlich). Man ist eben nicht immer selber schuld an der Arbeitslosigkeit, eine solche Äußerung ist für mich blanker Hohn. Dabei ist es völlig egal, ob derjenige, um den es ging, sich beleidigt gefühlt hat. Der Satz hat Stammtischniveau, den will ich von einem Volksvertreter nicht hören.

    Und ich weiß auch, wovon ich rede. Ich bin seit vier Jahren ohne festen Job. Über Dinge wie Anfangsgehalt denk ich schon gar nicht mehr nach.

  • Martin

    Wisst Ihr eigentlich, dass auch keine Schwangeren eingestellt werden?

    Also, habt keinen Sex, dann bekommt Ihr auch einen Job!

    (Und nur ganz nebenbei: ich verdiene selbst nach 17 Jahren immer noch weit unter dem, was ich in meinem ursprünglich ausgedachten Beruf als Popstar im Anfangsjahr gehabt hätte .)

  • Kirsten

    @Martin: Eben – die Welt kann so einfach sein. Nicht ficken, nicht krank werden, immer schön unter den Armen waschen.

    Und genau den Berufswunsch hatte ich vor 17 Jahren auch. :-)

  • Lars

    Na, da steht mir ja noch eine steile Karriere bevor.

    Meine Frisur ist im beck’schen Sinne mustergültig, geduscht bin ich auch, und Sex habe ich auch keinen.

    Da rufe ich doch gleich mal im Forbes-Magazine an und vereinbare schonmal einen Fototermin für die Titelseite.

  • creezy

    Klar ist das erst mal künstlich aufgebauscht worden – nur es zeigt natürlich auch ein ganz kleines bisschen, was im Kopf eines Abgeordneten tatsächlich so vorgeht, seine Meinung zu seinen Wählern.

    Diese Beispiel zeigt nur sehr offensichtlich worin die Kozeption Hartz in der ihrer vierten Stufe gedacht war und das offensichtlich sehr erfolgreich: Seit der Umsetzung sind nämlich die wirklich die Unfähigen, die Kretins, die Straßenhocker, Kneipenabonennten, die schlicht durchs Raster gefallenen Sozis plötzlich arbeitsfähig und dürfen in den Markt eingegliedert werden. Sehr gerne halten die Medien nun auf solche Kandidaten, um in Deutschland das Bild von dem gemeinen Arbeitslosen als asoziale Ratte zu manifestieren.

    Ich gehe mich mal waschen…

  • jermai

    der von beck so behandelte sollte seinen look ruhig beihehalten – man erinnere sich nur an die anfangstage von joschka fischer ( siehe http://www.interfoto.de/uploads/pics/persoenlichkeiten_2.jpg ) … dem mann steht eine glänzende karriere ins haus.

  • Meudalherr

    Wer sich wäscht und rasiert, der bekommt einen Job. Wer das nicht tut, der riskiert im Dunkeln zu sitzen.

  • Lisa

    Ich sage nur: Generation Praktikum! Es wird nicht besser und vielen geht es nach Ihrem Abschluss so. Selbst die Leute unter uns, die wirklich gute Referrenzen haben – und dementsprechende Pläne – bekommen eine Absage nach der anderen ins Haus. Eine Freundin von mir meinte letztens: „Da sind jetzt schon vielen Vögelchen die Flügel gestutzt worden!“ …..und das obwohl sie nicht stinken! ;-)

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