Ruhe im Wald!

Bei Ausübung meiner sportlichen Aktivitäten bleibt es gelegentlich nicht aus, dass ich mich dabei zumindest so halbwegs in der Öffentlichkeit bewege. Sprich, ich muss ab und zu mal was für meine Ausdauer tun und joggen gehen. Da sich (wie sollte es bei einer Kugelstoßerin auch anders sein) meine Fähigkeiten in diesem Bereich aber getrost als ausbaufähig bezeichnen lassen, würde ich niemals auf der Straße laufen, sondern gehe dafür ein ein nahegelegenes Waldstück. Selbst wenn ich gut in Form bin, schaffe ich es selten, mehr als zwei Kilometer am Stück zu laufen und auch dafür muss ich mich schon ziemlich quälen. Also mach ich Intervalltraining – eine Weile laufen, eine Gehpause, weiter laufen. Das hat den Vorteil, dass ich die Stücke, die ich laufe, etwas schneller absolvieren kann, als wenn ich in eins durchlaufe. Und dank der Pausen bin ich später kaputt. Für mich also das optimale Training – es sieht eben nur für andere blöde aus, wenn ich zwischendurch immer mal wieder gehe. Also jogge ich lieber im Wald, wo ich meine Ruhe hab.

Oder wo ich meistens meine Ruhe habe. Denn das Waldstück, in dem ich trainiere, ist natürlich öffentlich und anderen Menschen auch zugänglich. Und da haben wir auch schon das Problem: Ich werd dauernd von der Seite angequatscht, belästigt und besprungen. Zeit also, der Welt mal mitzuteilen, wie man sich gegenüber Joggern im Wald korrekt verhält.

Erste Regel: Fresse halten. Wie viele andere Menschen, die Sport auch wettkampfmäßig betreiben, habe ich einen Plan. Einen Trainingsplan nämlich, geschrieben vom besten Trainer der Welt, meinem Papa. Und wenn auf dem Plan „5 Minuten Pause“ steht, mach ich auch Pause. Und was mich dann ziemlich nervt, sind übergewichtige ältere Herren auf Fahrrädern, die neben mir hereiern, grinsen und sinnloses Zeug wie „Na, schon kaputt?“ absondern. Wenn man nicht weiß, ob der Sportler vielleicht gerade eine Verletzung überwunden oder Asthma hat oder was er auf dem Trainingsplan stehen hat, sollte man einfach den Mund halten. Vor allem, wenn man aufgrund einer formidablen Plauze schon seit längerem seine Füße nicht mehr gesehen haben dürfte.

Zweite Regel: AUS DEM WEG! Ja, das geht gegen Euch, Ihr blöden Nordic Walker (sorry Mama, Du weißt, dass Du nicht gemeint bist), die Ihr meint, nur weil Ihr mit diesen albernen Stöcken bewaffnet seid, gehört Euch der Wald. Ihr brecht Euch nichts ab, wenn Ihr Euch entgegenkommenden Sportlern mal etwas aus dem Weg geht, damit diese nicht durch die Matsche am Wegesrand latschen müssen. Und umgekehrt gehört es zu den Grundregeln des menschlichen Miteinanders, sich zu bedanken, wenn jemand anders aus dem Weg geht. Auch, wenn man einen Stock in der Hand hat.

Regel Nummer drei: Mistköter an die Leine, keine Diskussionen, kein „Der tut nichts.“ Ich bin mir nämlich nie sicher, ob der Hund auch weiß, dass er nicht beißt. Und wenn ich so lecker nach Schweiß rieche, weiß ich doch nicht, ob der Hund nicht auch mal probieren möchte? Meine Mutter ist im Übrigen schon zwei Male von so einem „Tutnix“ gebissen worden, und seitdem trau ich keinem mehr. Und blöde Ausreden hab ich auch schon genug gehört. Von „Ich kann den Hund nicht an die Leine nehmen, ich hab ein gebrochenes Bein!“ (?!) bis zu „Bleiben Sie doch nicht stehen! Wenn Sie einfach weitergelaufen wären, hätte der Hund auch nicht gebellt!“ (sondern gleich zugeschnappt, schon klar) kenn ich sie alle. Im Übrigen mag ich Hunde. Aber ich mag sie vor allem, wenn eine Leine dran ist und am anderen Ende dieser Leine einer, der sie festhält.

So, und nun lese sich die Welt meine Ausführungen mal schön durch. Und wenn ich am Samstag wieder im Wald trainieren will, kann ich das hoffentlich ohne Störungen. Herzlichen Dank.


6 responses to “Ruhe im Wald!

  • creezy

    hihi, es gibt nichts Schöneres als gerade so im Lauf zu sein und dann von der Seite nach dem Weg gefragt zu werden…

    Moment mal: haben die deswegen vielleicht alle neuerdings Stöpsel in den Ohren?

  • rebound

    Millionen Jogger rufen „Stimmt“

    pssst. Die Stockgeher sind für mich veralberte Menschen, die auf einen Werbegag reingefallen sind und 95 % aller Walker wissen nicht, was wirkliches Gehen ist, aber im heutigen Computerzeitalter wundert mich bald gar nix mehr, was der Mensch noch als normal empfindet.

  • Daniela

    Auch eine Radfahrerin nickt gerade heftig !!!

    Denn Hunde, die nicht angeleint sind, Fußgänger und Autofahrer auf Radwegen sowie Leute, die einen aus dem Auto heraus anquatschen sind da leider an der Tagesordnung. Witzigerweise nur selten Leute mit einem Kieler Autokennzeichen, die haben anscheinend verstanden, dass ein gelb auf die Strasse gemalter Radweg deutlich erkennbar vorrangig vor dem alten weißen Mittelstrich zu sehen ist. IHR HABT KEINE 2 SPUREN MEHR! EINE DAVON IST MEINE! :-)

  • creezy

    Och nee, also die Stockgeher sind für mich patente Menschen, die sich eben doch entschlossen haben nicht mehr auf dem Sofa abzuhängen, sondern wenigstens irgend etwas zu tun. Und das ist allemal besser, als nichts zu tun. Was wiederum genau das ist, woran der größte Teil dieser Gesellschaft leider erkrankt. Deswegen meinerseits für die Stöckchenmenschen: Immer Daumen hoch!!!

    Und die Stöcker korrekt eingesetzt, bringen natürlich schon mehr Muskelmasse in dem Bereich der Arme als wenn wir puren Läufer die nur rechts und links leicht anwinkeln. Das ist Fakt!

  • Palenta

    Hallo bin Rollstuhlfahrer und besitze auch einen Elektrorollstuhl und Ich wahr auch schon Nackt im Wald. Ich finde das gut und Sinnvoll es muss ja auch mal frische Luft an unsere Leiber warum sollte man sich dann nicht Nackt im Wald Bewegen dürfen. Nur noch so zur Info bin 25.

    Mit freundlichen Grüßen

    Stephan Alexander Palenta

  • Eine Lanze für Stöckchenträger « Kirstens Weblog

    […] ihnen jemand Platz macht. Das sind definitiv keine Sportler, und die kann ich auch nicht ab, wie ja hier schon angedeutet.Es gibt aber noch die anderen, die keinesfalls, wie Rebound erklärte: […]

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