„Das Arbeitsamt“. Ein Drama in zahllosen Akten. Vorläufige Schlussszene.

Meine Mutter und ich haben uns gestern mal „eben“ hingesetzt und auszurechnen versucht, ob das denn wohl alles rechtens ist, was das Arbeitsamt mir in den vergangenen Monaten aufgrund meines Zuverdienstes so vom Alg II abgezogen hat. Das hätte ich schon viel früher tun soll, ich weiß. Aber da ich ja mittlerweile Magenschmerzen bekomme, wenn ich nur an den Laden denke, hab ich alles nur brav abgeheftet. Wir haben also gestern eineinhalb Stunden (!) lang Zahlen zusammengerechnet, addiert, subtrahiert, gemacht und getan. Denn trotz meiner Anweisung, das nicht zu tun, haben die lieben Arbeitsamtsmitarbeiter das Geld, das ich aufgrund von Nebenverdiensten zuviel gezahlt bekommen habe, immer schön in Raten in den kommenden Monaten abgezogen. Anstatt also einfach im Februar den Betrag weniger zu überweisen, den ich im Januar zuviel bekommen habe, haben sie das Ganze über mehrere Monate abgezogen. Dumm nur, dass in jedem Monat wieder ein anderer Betrag dazu kam. Also ein heilloses Durcheinander.

Was uns also am meisten überrascht hat, war die Tatsache, dass die Abrechnungen stimmten. Sprich – sie haben mir wirklich die korrekten Beträge abgezogen. Ich bin immer noch baff. Aber warum müssen die Bescheide so kompliziert sein, dass wir eineinhalb Stunden brauchen, um sie zu verstehen? Ist das kundenfreundlich?

Nun aber zu den 1043 Euro, die ich zurückzahlen musste und teilweise auch schon zurückgezahlt habe. Der Betrag setzt sich zusammen aus einer Rückzahlung aufgrund meiner Steuerrückzahlung, was durchaus rechtmäßig ist. Das hatte ich auch nicht bezweifelt. Dass das eine unglaubliche Frechheit von Seiten des Staates ist, steht auf einem anderen Blatt. Schließlich ist es Geld, dass ich im vergangenen Jahr zuviel gezahlt habe. Und das ich gut hätte brauchen können, jetzt, da ich alles habe, nur nicht zuviel Geld. Aber für einen Gang bis nach Karlsruhe hab ich grad nicht die Kraft. Weiterhin muss ich Geld, das mir für Juli bereits überwiesen wurde, zurückzahlen – auch okay, schließlich war ich im Juli nicht mehr arbeitslos. Die letzten 130 Euro, die den Arbeitsamtsmitarbeitern zum Schluss noch eingefallen sind, stammen aus einer Überzahlung vom April. Von mir aus. Also alles rechtmäßig. Daran hab ich auch nur ein bisschen gezweifelt.

Wogegen ich mich wehre, ist allerdings die Art und Weise, wie das Geld zurückgefordert wird. Der Übersichtlichkeit halber liste ich die Punkte mal mit Spiegelstrichen auf. Da kommt nämlich einiges zusammen.

  • Es trägt nicht zum Wohlbefinden des Kunden bei, wenn er jede Woche einen Bescheid bekommt, auf dem ein anderer (und natürlich immer ein höherer) Betrag steht als in der Vorwoche. Weil aufgrund des Durcheinanders in der Abrechnungspraxis niemandem wirklich klar ist, welche Beträge nun noch ausstehen oder was auch immer.
  • Es ist kundenunfreundlich, wenn auf den Bescheiden weder eine Telefonnumer, noch eine E-Mail-Adresse steht, unter der die Sachbearbeiter zu erreichen sind. (Sondern nur die Hartz-IV-Hotline des Kreises Soest, die ewig besetzt ist.) Meiner äußerst findigen Mutter ist es zu verdanken, dass wir schließlich eine Nummer herausbekommen haben. Die Sachbearbeiterin war am Telefon auch sehr unentspannt ob der Tatsache, dass ein Kunde diese Nummer hatte.
  • Es ist kundenunfreundlich, wenn auf den Bescheiden nie steht, wie sich die eingeforderten Beträge zusammensetzen. Ich musste jedes Mal extra um Erläuterung bitten, um das zu erfahren. Warum geht das nicht gleich? Hab ich nicht ein Recht darauf, das gleich mit dem ersten Brief zu erfahren? Oder wird davon ausgegangen, dass der Kunde die Klappe hält und anstandslos bezahlt?
  • Es zeugt nicht von großer Sorgfalt oder allzuviel Respekt gegenüber dem Kunden, wenn die Bescheide vor Fehlern wimmeln. Gut, ich bin auch ein Rechtschreib-Nazi, aber ein bisschen mehr Mühe kann man sich da schon mal geben, finde ich.
  • Es ist im Grunde unzumutbar, dass ich über die jüngste Summe lediglich eine Zahlungsaufforderung bekomme, aber keinen Bescheid. Den hat dann meine Mutter, ausgestattet mit einer Vollmacht, abholen dürfen. (Das bestätigt aber meine Meinung, dass der Kunde an sich nur stört. Die verschiedenen Behörden regeln das alles unter sich, ohne, dass der Arbeitslose davon erfährt und nerven kann.)
  • Es ist mir unverständlich, warum die Abrechnungen (trotz meiner gegenteiligen Anweisung) so gemacht werden, wie sie gemacht werden. Wenn ich eine Honorarabrechnung einreiche, wird mir nicht einfach im nächsten Monat genau so viel Geld weniger überwiesen, wie ich im Vormonat zuviel nebenher verdient habe. Nein, die Summe wird in Raten aufgeteilt, so dass ich im August noch Geld abgezogen bekomme, das ich im April zuviel verdient hab. Das bedeutet: jeden Monat ein neuer Bescheid über noch weniger Geld als vorher, ein heilloses Durcheinander, das die Mitarbeiter selber nicht mehr verstehen, wie sie im Übrigen auch zugeben. Dass sie sich bei mir nicht verrechnet haben, halte ich im Übrigen für Zufall. Ich empfehle jedem, sich die Bescheide genau anzusehen und nachzurechnen.

Ich frage mich, wie das Arbeitsamt funktionieren würde, wenn es ein Klempnerbetrieb wäre. In meinem Fall hieße das, dass zum Rohre verlegen etwa zehn verschiedenen Mitarbeiter am Werk wären, von denen der eine aber nicht weiß, was der andere tut. Sprich, der eine reißt was raus, was schon fertig war, und jeder schreibt seine eigene Rechnung. Auf den Rechnungen stehen irgendwelche Summen, die der Kunde zahlen soll, aber worüber sich die einzelnen Posten belaufen, weiß niemand. Anrufen kann man die Mitarbeiter aber nicht, weil auf der Rechnung keine Telefonnummer steht. Man geht also extra vorbei, um sich in der Zentrale des Unternehmens in teilweise unmöglichem Ton einen Termin zu holen. Dann landet man bei einem Anprechpartner, den man noch nie gesehen hat, der aber sich auch erst in die Geheimnisse des Rohrverlegens einarbeiten muss und im Übrigen so tut, als ginge es um sein Privatvermögen.

In der freien Wirtschaft könnte kein Unternehmen so überleben. Aber zum Glück heißen die Kunden beim Arbeitsamt ja auch nur so. Und deswegen muss man sie auch nicht wirklich so behandeln. Denn in Wirklichkeit sind es ja doch nur Arbeitslose, die an ihrem Elend selber schuld sind.


7 responses to “„Das Arbeitsamt“. Ein Drama in zahllosen Akten. Vorläufige Schlussszene.

  • Alke

    Oh mein Gott, was für ein Krampf. Ich hoffe, ich krieg mit denen nie was zu tun. Erinnert ein bisschen an „Das Haus das Verrückte macht“ bei Asterix.

  • Kirsten

    Hihi. Das ist ein SEHR passender Vergleich. :-)

  • daniela

    *seufz*

    Mir reicht schon der Ärger mit dem Finanzamt ..

  • Gandhi

    Jaja, die Sachbearbeiter. Für die sind Antragsteller sowieso Habenichtse, Bioformen letzter Klasse und, wie Du schon so schön geschrieben hast, immer selber Schuld an ihrer Lage. Eben diese Sachbearbeiter hätten auf dem freien Arbeitsmarkt null Chance, eine Arbeitsstelle zu behalten, geschweige denn zu ergattern. Somit sind in meinen Augen diese diejenigen, welche von Staatsseite subventioniert werden und nicht die Antragsteller, die sich mit jenen rumschlagen müssen.

    Halt durch und alles Gute!

  • K.L.

    Interessant zu lesen hier.. und würde man nicht auf dem AA
    auch die anderen beobachten können, und im Wartesaal
    haarklein alles mitbekommen, von Wutausbruch bist Tränen,
    wüsste man spätestens jetzt, dass man in diesem Chaos nicht
    alleine die Arschkarte gezogen hat..

    Ich schilder mal..

    Eine andere Wohnung stand an, die vom AA Berlin – Treptow
    durch Vorlage eines Attestes (der Grund würde jetzt hier den Rahmen sprengen)
    genehmigt wurde, mit der Aussage kommen sie her, sobald sie den
    Mietvertrag haben damit wir neu berechnen können.

    Gesagt getan, und tatsächlich auch über die Hotline einen schnellen
    Termin bekommen am 21. Nov. dieses Jahres.

    Dort bekam ich dann die Auskunft, von hier gibt es kein Geld mehr,
    denn sie ziehen in einen anderen Bezirk. Kommen sie bitte am
    24. noch mal wieder dann bekommen sie die Papiere für Berlin – Neukölln.

    Die eigentlich recht freundliche Bearbeiterin sagte mir dann auch noch,
    ich solle nicht vor dem 1.12. beim Arbeitsamt vorsprechen, denn erst von
    diesem Termin an, können Auszahlungen für den laufenden Monat gemacht
    werden. Sie empfahl mir über die Hotline einen Termin zu machen.

    Natürlich folgte ich auch dieser Anweisung. Nun ist es allerdings nicht
    so ganz einfach bei der Hotline durchzukommen, aber es gelang mir
    dann doch am 4.12. (2/3. war Wochenende) .

    Wieder einen freundlichen Menschen in der Leitung der mir dann mitteilte,
    dass es leider nicht möglich sei, mir einen Termin zu geben, ich müsste hinkommen
    zum Arbeitsamt und doch bitte die Wartezeit in Kauf nehmen.. Seinem Tip, doch meinen
    Besuch bis zum Ende der Woche rauszuzögern, da am Anfang des Monats immer
    ein großer Andrang zu erwarten sei, kam ich nach und machte mich am 8.12. auf den
    Weg zum Arbeitsamt.

    Geld hatte ich für den laufenden Monat natürlich nicht.
    Als ab in die Schlange, Wachmänner teilten uns einem der 12 Schaltern zu, wo wir unser
    Anliegen vortragen konnten. Irgendwann war auch ich an der Reihe.. legte mein Kilo
    Papier auf den Tisch und bekam nach einigen Minuten noch ein weiteres Blättchen, dass
    mich berechtigte am Wachmann vorbei in die Wartezone 3 zu gehen.. Dabei musste
    ich durch die Wartezone 2 .. Wieder jede Menge Abfertigungsplätze rechts und links..
    und in der Mitte saßen die Wartenden.. und sahen alle irgendwie aus.. wie auf dem
    Bahnhof, wo ihnen gerade ein Zug weggefahren ist. Wartezone 3 bot sich das gleiche
    Bild.

    Nun gut, ich suchte mir ein Plätzchen und wartete geduldig, bis mein Name aufgerufen wurde.
    Es war nicht immer gut zu verstehen, denn so manches Kind quittierte diese Atmosphäre mit
    Quengeln bis Geschrei.. Was natürlich das Personal hinter den PC’s dazu aufforderte
    die Mutter unwirsch anzubrüllen und ihr anzuraten, doch mal mit den Kind rauszugehen.
    Wäre sie allerdings in dieser Zeit aufgerufen worden, hätte sie Pech gehabt..

    Auch ich war dann irgendwann dran und durfte an den Schalter.. nach Durchsicht meiner Unterlagen, sollte ich dann am 22. 12. einen Termin bekommen. Meine Frage .. und was mache ich bitte bisdahin, wurde mit .. Na, da müssen sie sich was einfallen lassen.. beantwortet.

    Ich wurde eindringlicher und teilte ihr mit , dass ich für diesen Monat noch kein Geld bekommen habe und daher mittellos sei.
    Sie machte mir dann den Vorschlag am 11. 12 wieder zu kommen und alle Unterlagen in Kopie mitzubringen, dann würde sie alles weiter leiten.. und ich bekäme Nachricht..

    Selbstverständlich könnte ich – falls ich innerhalb eines Monats – nichts gehört hätte, wieder kommen und würde auch einen Abschlag erhalten.. am 11. würde sie mir dann einen Lebensmittelgutschein mitgeben.

    Ich wollte keinen Lebensmittelgutschein und hatte auch nicht wirklich das Geld um mein
    Kilo Papiere zu kopieren… ging aber dennoch am 11. wieder hin.. und ihr Terminangebot
    lag nun beim 28. 12.

    Ich telefonierte zu Hause erstmal eine ganze Weile rum..um zu hören, was ich gegen so viel
    Willkür machen kann.. es kam einges raus.. dauerte aber für mich zu lange, denn irgendwie musste ja Geld her.

    Also eine Woche später mit meinen Unterlagen noch mal hin.. und siehe da.. anderer Schalter,
    andere Bearbeiterin und ich bekam dann am 18. einen Termin für den 21.
    Der Sachbearbeiter der sich dann am 21. meine Papiere ansah.. stellt entsetzt fest, ich habe ja
    für diesen Monat noch gar kein Geld bekommen.. Ich dacht noch..oh der hat vielleicht ein Einsehen.

    Aber weit gefehlt..
    Als er alles aufgenommen hatte.. meinte er ..so das wars dann erstmal..
    Auf meine Frage nach Geld meinte er.. er würde mir das dann überweisen..müsste ich in der nächsten Woche auf dem Konto haben.

    Ich versuchte ihm dann meine Situation seit drei Wochen ohne Geld .. kurz vor Weihnachten noch mal nahezubrigen..und wieder kam das Angebot des Lebensmittelgutscheins, den ich ablehnte mit den Worten.. ich brauche keinen Gutschein, sondern mein Geld, was mir seit drei Wochen zusteht. Nun bot er mir 100 Euro Abschlag an..für den ersten Notbedarf..
    Zum Glück hat mein Argument .. Notbedarf war beim ersten Mal fällig.. und ich habe in den drei
    Wochen von geborgtem Geld gelebt. dann gegriffen.. und er hat meinen Bedarf ausgerechnet
    und ausgezahlt.

    Jedoch zu wenig.. was ich erstmal nicht ansprach, weil ich froh war.. überhaupt Geld zu sehen.

    Heute kam die Berechnung.. man hat mir die Tage vom 1. bis zu meinem Erscheinen am 8.12. abgezogen.. nun werde ich einen Widerspruch schreiben.. und warten.. warten.. warten..
    denn zwischenzeitlich habe ich erfahren.. das Widersprüche.. bzw. eingereichte Anträge
    ca. 3 Monate dauern..

    Aber ich werde nicht nur warten.. irgendwas muss ich tun.. und mir wird was einfallen..

  • Kirsten

    @K.L.: Boah, wie scheiße ist das denn? Ich drück die Daumen, dass das gut ausgeht. Ansonsten: Mal an die Medien wenden? ;-) Sorry, mein Galgenhumor…

  • Arbeitsloser69

    Zu diesem Thema habe ich hier
    http://www.beamte4u.de/forum/thema6134.html
    mal ausgelassen.

    Nur soviel;
    Dass was hier steht, ist nur die Spitze des Eisbergs.

    MfG
    Ein (nun) ABM`ler für ein 1/2 Jahr,
    und der Verfasser dieses besagten Posting.

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