Warum? Darum!

Nein, ich kenne das neue Werk von Eva Herman auch nicht, ich habe nur ein wenig die Diskussion darüber verfolgt und ihre Kernthesen als Zitat gelesen. Hält mich das davon ab, meinen Senf dazuzugeben? Natürlich nicht.

Ich bin sicher keine Feministin, wer mich kennt, wird das ohne Zögern bestätigen. Ich habe diesen KampfemanzInnen schon im Studium gesagt, dass sie sich ihr großen Binnen-I sonstwohin stecken können. Das heißt aber nicht, dass ich mich nicht für emanzipiert halte. Ich mach nur nicht so ein Geschrei drum. Ich denke nicht drüber nach, ob ich Dinge tun sollte/kann/darf/muss, weil ich eine Frau bin. Oder ob ich sie lassen sollte, weil ich kein Mann bin. Ich teile die Welt nicht in Männer und Frauen auf, sondern in Arschlöcher und Nicht-Arschlöcher. Das Arschloch-Sein ist nämlich nicht auf ein Geschlecht beschränkt.

Und wenn ich gern studieren möchte und arbeiten möchte und meine Meinung kundtun möchte, dann tue ich das bzw. hab es schon getan. Meine Eltern haben mir doch nicht sprechen beigebracht, damit ich jetzt die Schnauze halte! Und wenn ich mal Kinder kriegen möchte, dann tu ich das eben. Im Moment ist meine persönliche Situation aber nicht gerade günstig dafür. Und da sich Menschen nicht durch Zellteilung vermehren, kommt das mit dem Kinderkriegen grad eh nicht in Frage. Und wenn ich welche kriege, werde ich sicher mein Hirn nicht in den Windeleimer schmeißen. Drei meiner besten Freundinnen sind Mütter und arbeiten auch. Sie sind tolle Mütter und tolle Journalistinnen und Lehrerinnen. Sie sind vielleicht etwas müder als ich manchmal, aber das wäre für sie kein Grund, ihren Job aufzugeben. Und sie haben tolle Kinder, die keinesfalls vernachlässigt werden und die sie sehr lieben.

Und nur, weil unsere Gesellschaft es uns schwer macht, Kinder und Karriere unter einen Hut zu kriegen, soll ich also zu Hause bleiben und intellektuell verkümmern? Nein, danke. Dass man mich hier nicht falsch versteht: Wenn jemand zu Hause bleiben möchte, um nur für die Kinder da zu sein und damit glücklich ist, ist das völlig in Ordnung. Für mich aber wäre das nichts und ich möchte auch, dass diese Entscheidung respektiert wird. Ich würde weder eine berufstätige Mutter noch eine, die zu Hause bleibt, verurteilen. Aber einfach zu sagen: Weil es schwer ist, alles unter einen Hut zu bringen, strecken wir die Waffen und bleiben eben zu Hause – das verurteile ich, das ist feige. Ich lass doch die Kerle nicht allein da draußen den ganzen Spaß haben!

Und wenn mich jemand fragt, warum wir Frauen Beruf, Kinder, Karriere, Geld, Ruhm, die Weltherrschaft [nach Belieben Wunsch einsetzen] anstreben sollten und haben wollen dürfen, dann kann ich nur eins sagen: Weil wir es können.
Verdammt noch mal.


11 responses to “Warum? Darum!

  • daniela

    *seufz*

    Ich hatte gehofft, dass es die Möglichkeit gäbe, ihren Müll mit der Mißachtung zu strafen, die ihm/ihr zusteht.

    Das hatte ich mir fest vorgenommen, als ich vor einiger Zeit ihr haarsträubendes Interview in Cicero gelesen hatte.

    Leider tun wir genau das, was der Verlag von uns verlangt – (Negativ-)Werbung und damit verbundene Buchkäufe. Also genau das, was Frau „hach, ich bin so schön und deswegen traut mir niemand Intelligenz zu“ sich gewünscht hat.
    Wobei ich sie weder für schön, noch für intelligent halte.
    Habe sie zwar nur ca. ne Stunde erleben dürfen, aber das hat mir komplett gereicht ..

  • Lars

    Wenn ich mich als Mann dazu mal äußern darf:

    Ich konnte die Frau noch nie leiden, und ich halte sie für eine eingebildete Kuh, die es verdient, ignoriert zu werden.

    Offenbar sieht sie sich derzeit (völlig zu Recht) auf dem absteigenden Ast und muß deshalb mit irgendeinem an den Haaren herbeigezogenen Unsinn die große Welle machen. Das passiert oft, wenn nach der verunglückten Karriere auch die Sache mit dem Singen nicht so klappt und dann irgendwas Neues her muß, um im Gespräch zu bleiben.
    Siehe auch „Lauterbach, Heiner“.

    Was macht die Frau eigentlich zu einer Expertin? Daß sie etliche Male geschieden und wieder verheiratet ist?

    Mal ehrlich: Nur weil einer zum vierten Mal einen Autounfall mit Totalschaden verursacht, lasse ich mir deswegen von dem noch lange keine Ratschläge zum Thema Fahrsicherheit geben.

    Sie meint ja nun: „Frauen sollten öfter mal den Mund halten.“

    Dann soll sie bitte auch mit gutem Beispiel vorangehen.

  • annalog

    lars, du hast ja so recht. wenn man nichts wichtiges zu sagen hat, einfach mal maul halten. das gilt auch für die supermama mit dem goldenen löffel frau von der leyen. die dame darf gerne mal einen monat mein leben wuppen, ex-mann, kind, job und schule inklusive. aber bitte mit der kohle, die ich habe, und ohne irgendwelche helferchen. ich wette, dass sie nach einer woche am boden liegt. in der zeit fahre ich dann mit kiki in urlaub.ach, nun muß ich hetzen, muß noch zum arbeitsamt.

  • creezy

    Annalog hat das Stichwort geliefert: stehen die Frauen endlich wieder nur am Herd, dürfen sie am Ende ihres harten Lebens wieder von einer lächerlichen Witwenrente ihr Dasein frönen (die ja nun auch gestrichen wird in nächster Zukunft), dann herrscht endlich wieder das gewollte Gleichgewicht in der Gesellschaft: wir Frauen, die wir arbeiten wollen, sind doch im Prinzip die Ursache für die hohen Arbeitslosenzahlen. Zurück an den Herd! Dann haben wir auch keine Sorgen mehr – und die Männer Arbeit!

  • annalog

    jo, creezy, so ist das gewollt. wie sollen fein brav kinderchen in die welt setzen, diese durch die beschissene schule lotsen, alles wuppen, den kerlen den spaß und das geld überlassen. nicht mit mir!den fehler hab ich einmal gemacht – nie wieder.

  • Kirsten

    Ja, das stört mich ja auch so. Da bleibe ich also fein zuhause, lerne nix weiter, kann nix weiter – und dann verpisst sich der Kerl und ich bin völlig gearscht. Und darauf, dass der Staat sich dann um einen kümmert, sollte man NIE bauen. Jetzt nicht, später nicht, never.

  • Lars

    @annalog:

    Bäh, bitte nicht die von der Leyen erwähnen. Die erste Frau, der man erfolgreich ein Grinsen eingenäht hat.

    Irgendwer muß der mal sagen, daß der Mutterkreuzorden nicht mehr vergeben wird.

    Ich wünschte ohnehin, daß die derzeitigen Politiker mal einen Monat mit denen tauschen, über deren Köpfe sie seit 20 Jahren hinwegentscheiden.

    Ich will Willy Brandt wieder zurück, bitte.

  • Kirsten

    Au ja. Ich hab ja schon mal vorgeschlagen, dass RTL sich der Sache annimmt. Der Münte soll mal eine Woche lang mit nem Arbeitslosen tauschen. Inklusive jede Woche ein Brief vom Amt mit widersprüchlichem Inhalt, Einkäufen, die sein müssen, die man sich aber nicht leisten kann und dummen Menschen, die einen als Sozialschmarotzer beschimpfen. Oder eben Frau H. oder Frau v.d.L. als alleinerziehende Mütter mit wenig Kohle und Helfern.
    Hmpf. Alle doof.

  • annalog

    gute idee. ich überlasse der supermama v.d.L. gerne mal meinen job. so von morgens halb sieben bis abends um neun, dann liegt sohnemann erst im bett. also: morgens kind abfrühstücken, in die schule verfrachten, arbeiten, ämter abklappern, haushalt, kochen etc., dann kind von den pädagogen befreien, hausaufgaben nachgucken, üben, kind zum sport verfrachten, wieder einsacken, nebenher den ex angehen, wegen fehlendem unterhalt, dann der abendhorror bis das blag geknebelt in der kiste liegt. und das sieben tage die woche, 365 mal im jahr. ausgehen? da muß ein babysitter her, der auch noch geld will oder mit nachhilfe bezahlt wird. und außerdem muß man sich im kino ja auch noch wachhalten können. urlaub? ööhm. ab zur oma nach bonn. kinderklamotten? am besten die vom älteren sohn der freundin. schuhe? hmm, da muß der ex auch mal ran, aber das ist schwierig. und nebenbei muß man sich dann auch noch von pädagogen anhören, dass es ja ganz unverantwortlich sei, dass man als alleinerziehende mutter arbeitet, um nicht von vater staat zu leben. wo ist die nächste bombe?

  • torres

    Ich hab’s gelesen! Ehrlich! Fast das ganze Buch! (Keine Sorge, ich hab’s nicht bezahlt, Frau H. verdient nix an mir) Und Ihr habt alle Recht! Das Buch ist scheiße, die Thesen sind Müll, und den Vergleich mit dem Autoverschrotter als Fahrsicherheitsexperten ist vollkommen zutreffend. Nur eine klitzekleine Kleinigkeit hätte ich da zu bemerken: Wieso ist es eigentlich so schlimm, als „Feministin“ bezeichnet zu werden, also ich meine, wieso müssen Frauen sich immer so disclaimer-mäßig vorher versichern, dass sie keinesfalls Emanzen sind, um dann irgendwas feministisches zu sagen? Möchte an dieser Stelle gern an Rebecca West erinnern: „I myself have never been able to find out what feminism is; I only know that people call me a feminist whenever I express sentiments that differentiate me from a doormat.“

  • Kirsten

    Ich mag einfach diese Kategorien wie „Feminismus“ oder „emanzipiert“ nicht. Und ich hab im Studium genug schlimme Frauen kennengelernt, die sich als Feministin oder emanzipiert bezeichnet haben. Da will ich nicht dazu gehören…

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