Katzentagebuch, Teil 4 und Ende

Fortsetzung von Freitag, 1. September
17 Uhr
Auch mal ganz angenehm, so früh zu Hause zu sein. Dachte ich. Wer weiß, wobei ich Kasper gestört habe, dass er so stinkig ist.

17.03 Uhr
Der Kater hat ein Pfötchen für die geschmackvolle Verschönerung seines Heims. Die grüne Katzenkotze macht sich farblich wunderbar auf dem weißen Teppich. 30 Zentimeter weiter auf dem (abwaschbaren) Holzfußboden hätte es nicht halb so schön ausgesehen. Aber was wollte er mir mit dem Kunstwerk sagen? Schau, ich musste Pflanzen fressen, weil Du so ein schlechter Dosenöffner bist?

17.05 Uhr
Ich robbe auf dem Teppich rum und versuche, zu retten, was zu retten ist. Kasper starrt mir dabei auf den Hintern. Glaube ich zumindest.

19.27 Uhr
War ja klar. Ich muss in die Kneipe, und der feine Herr ist in Kuschellaune. Aber sowas von. Okay, also erstmal eine Viertelstunde krabbeln (ich), bürsten (ich), kraulen (ich), kitzeln (ich) und schnurren (Kasper). Katzen verstehen was von Arbeitsteilung.

Samstag, 2. September
1.37 Uhr
Ich seh zwei schwarze Kater beim Heimkommen, die mich verschlafen anmaunzen und mir Vorwürfe machen, warum ich so spät und so blau nach Hause komme. Ich muss mir noch ein Brot machen und merke dabei zum wiederholten Mal, dass Alkohol der Motorik nicht zuträglich ist. Egal, die Mortadella-Scheibe, die mir runtergefallen ist, fressen die beiden Kater in Windeseile.

7.15 Uhr
Geh weg, Kasper. Ich hab schon nen Kater.

7.37 Uhr
Geh weg, Kasper. Ich hab schon nen Kater.

7.48 Uhr
Hmpf.

7.58 Uhr
Herrgott, ja doch. Ich bin ja doch nur ein Dosenöffner für Dich.

10 Uhr
Muss allmählich mal die Wohnung ein bisschen auf Vordermann bringen. Heute Abend kommen Kaspers eigentliche Dosenöffner wieder, da soll es doch aufgeräumt sein. Kasper ist in Störlaune und findet es auf einmal spannend, meine Hosenbeine zu jagen und plötzlich aus dem Nichts quer durch den Raum zu schießen. Ich möchte aber meine Hosenbeine (und meine nackten Füße) gern noch etwas behalten, und zwar unversehrt. Völliges Unverständnis des Fellträgers und beleidigtes Zurückziehen. Ich überlege in einem plötzlichen Moment der Boshaftigkeit, neben dem Teppich auch gleich noch die Katze zu staubsaugen (oder den Fliesenreiniger noch für was anderes zu benutzen …), aber ich lass das doch besser sein.

12 Uhr
Noch mal rasch auf einen Kaffee in die Stadt und ein paar Besorgungen machen, auf dem Weg nach unten schon mal ein paar Sachen ins Auto bringen. Kasper schaut nun doch etwas besorgt, da ich ernst zu machen scheine mit der Abreise.

15 Uhr
So, nun gehts aber wirklich heim. Meine zärtlichen „Kasper, wo steckst du, du kleiner Terrorist?“-Rufe verhallen ungehört. Mortadella ist leider auch alle, sonst könnte ich ihn herlocken. Ich finde ihn schließlich im Schreibtisch, erkläre ihm, warum ich nun wegmuss und dass er ein ganz toller Kater ist und dass Fressen in der Küche steht und ich ihn ja gern mitnehmen würde und ich die Woche sehr schön fand und dass Fressen in der Küche steht und er ein guter Kater ist. Und ich eigentlich nicht weg will. Und dass er ein guter Kater ist. Der tollste.

15.15 Uhr
Tür von außen zugemacht und den Kater nicht mitgenommen. Seufz.

15.18 Uhr
Seufz

15.21 Uhr
Auf der Fahrt springt mir folgendes Plakat ins Auge:

Kaspertheater. Natürlich.
:-)


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