Katzentagebuch, Teil 3

Fortsetzung von Mittwoch, 30. August
19.30 Uhr
Schon wieder so ein Kacktag. Kasper steht schon an der Tür, als ich rein komme, ist aber heute wohl nicht in Streichellaune. Dann eben nicht. Ich hab Astra Rotlicht gekauft, ich brauch heut keine Katze zum Glücklichsein. Pah.

21 Uhr
Ich frage mich, warum Kasper No-Name-Brekkies geradezu verschlingt, aber das gute Whiskas erstmal eine Weile verschmäht, bevor er frisst. Vielleicht handelt es sich bei ihm um eine konsumkritische Katze, wie der werte und weise Kollege Alexander vermutet? Hat Kasper vielleicht zuviel gelesen, zum Beispiel eine Überdosis Naomi Klein?

21.30 Uhr
Keine Spur mehr von diesem Kater. Ich wollte ihm ja aus dem neuen Buch von Paul Auster vorlesen, aber wenn er nicht will… Gut, leide ich eben weiter alleine und still vor mich hin. Gute Nacht.

Donnerstag, 31. August
6.45 Uhr
War ja klar. Da kann ich einmal im Jahr erst am Nachmittag zur Arbeit und wach noch vor sieben auf. Kasper ist auch schon fit und maunzt in neuer Tonlage: Noch anklagender, noch hungriger. Mir wurscht, erst bin ich dran.

8 Uhr
So, neue Dose für den Herrn geöffnet. Und siehe da: Es schien die Sorte gewesen zu sein. Lässt er sich bei Rind und Truthahn erstmal ein Weilchen Zeit, habe ich die Vermutung, dass er Tunfisch geradezu einatmet, so schnell ist die Schüssel leergeputzt.

10.09 Uhr
Ich habe den Verdacht, dass Kasper heimlich von irgendwoher zu schaut, wenn ich meine Pilates-Übungen mache und sich scheckig lacht. Oder all seine Kumpels anruft und ihnen davon erzählt. Pass mal auf, Bürschchen – sobald das Knie wieder heile ist, ist auch wieder anderer Sport fällig. Kasper scheint unbeeindruckt.

11 Uhr
Ich hole schon mal meine Tasche hoch, die die ganze Zeit im Auto gelegen hat. Heute Abend bin ich spät da, morgen wohl auch, also schon mal ein bisschen packen, am Wochenende gehts heim. Kasper inspiziert natürlich wieder alles, rümpft die Nase (an die Dreckwäsche einer Dame geht man ja auch nicht ran, Du Strolch!) und setzt sich auf den Laptop. Offensichtlich ist er auch so ein HTML-Tier wie Creezys Katze. Aber leider nicht willig, sich fotografieren zu lassen. Ich muss ihn mehr füttern, damit er langsamer wird.

11.30 Uhr
Der Kater muss Weichspüler getrunken haben. So kuschelbedürftig war er die ganzen Tage zusammengerechnet nicht. Wir sitzen ein bisschen vor dem kleinen Balkon, ich kraule, er schnurrt und wir unterhalten uns ein wenig über die Nahost-Problematik und die anstehenden Länderspiele. Keine Ahnung, woran es liegt, aber vielleicht mag er mich ja wirklich. Schönes Gefühl.

12.17 Uhr
Mir geht ein Licht auf. Der miese kleine Opportunist hat gepeilt, dass ich bald abzische und hat Angst um seine tägliche Ration Futter. Ich bin ja so doof.

13.30 Uhr
Ich kann endlich zur Arbeit, weg von diesem miesen, kleinen, fiesen … TERRORISTEN!

14.05 Uhr
Ich schäme mich meiner Anti-Kasper-Gedanken.

19.15 Uhr
Ich platze mitten in eine neue Folge aus der Serie „armer, verhungerter Kater“. Was mir an Katzen schon immer wahnsinnig unheimlich war, ist, dass sie Geräusche wie kleine Kinder machen können. *grusel*

20.15 Uhr
Der feine Herr ist satt und lässt sich nicht mehr sehen. Kommt nur noch mal kurz, um mir beim Packen zuzusehen, entscheidet aber, dass es wohl heute nicht mehr zu Kuschelaktionen kommen muss, weil ich offenbar doch noch eine Nacht zu bleiben gedenke. Opportunistische kleine …

Freitag, 1. September
5.45 Uhr
Frühes Arbeiten ist Gift für den Journalistenkreislauf. Offenbar nicht für den einer Katze. Kasper hat wohl meinen Wecker gehört und schleicht näher. Bleibt allerdings wie immer in sicherer Entfernung sitzen und versucht, mich niederzustarren. Schafft es durch meine geschlossenen Augenlider hindurch. Also dreh ich ihm den Hintern zu. Er haut beleidigt ab.

7.30 Uhr
Verfrühtes Frühstück für den Herrn, ich muss nämlich schon um acht in der Redaktion sein heute. Er schaut interessiert und stolz, wie ich den Beutel mit seinen Hinterlassenschaften aus dem Mülleimer rupfe. Typisch Kerl.

7.31 Uhr
Beleidigtes Maunzen im Flur. Ja, ich weiß, ich bin sonst länger da, um terrorisiert zu werden. Heute ist aber Frühschicht, lieber Kater. Kasper gibt eine oscarreife Darbietung des Stücks: Armer, verhungerter, vernachlässigter, trauriger, kopfhängender, in die Küche schleichender (und sich dort während meiner Abwesenheit pumpsdickevoll fressender) schwarzer Kater. Als ob ich nicht auch lieber zu Hause bleiben würde.


4 responses to “Katzentagebuch, Teil 3

  • Wieze

    Du solltest dir unbedingt einen Verlag für dein Katzentagebuch suchen. Und dir gebührt der Pulitzerpreis. Und das meine ich ernst!!!

  • torres

    kann mich wieze nur anschließen. ich kann mir das kleine miststück (also kasper, nicht wieze!) lebhaft vorstellen und würd gern mehr davon lesen. kannst du den nicht mitnehmen?

  • Kirsten

    Oh, vielen Dank *rotwerd*, aber mit einer Katze wie Kasper schreibt sich so ein Tagesbuch fast von ganz allein. :-)

    Und ich wollte ihn in die Tasche stopfen, aber irgendwie wollte er nicht …

  • creezy

    *gröhl*

    Das ist so ungemein erheiternd (obwohl mir Deine schlechte Phase natürlich sehr leid tut). Aber erinnerst Du Dich an meine Ratschläge und wie ich schrieb, sie werden kurz bevor man wieder geht plötzlich aus heiterem Himmel so reizend und anhänglich? Alles pure Kalkulation. Du vergisst die ersten harten Tage und wirst die nächsten restlichen Tage in Deinem Leben nur leiden, weil Du NICHT DIESEN einen Kater haben kannst.

    Sie sind gemein. Reizend. Aber gemein! ;-)–>

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