Der Mega-Ultra-Spitzen-Monstergipfel

Borussia Dortmund – FC Bayern München 1:0

Also, hömma, wat war … Dat Spiel getz, ey sach ma. Boah. Hömma. Ey, sach ma. *gröööhl* Tooooor! Biere. Wat? Ker, ker, ker. Weidenfeller! Fertich, du. Alle. Pfeif dat Dingen ab! Wow. Wortfindungsstörung.

Das ist in etwa das gestrige Spiel gegen den FC Bayern München zusammengefasst. Ich bin komplett fertig mit den Nerven, glücklich, aber fertig, durch den Wind, am Ende, müde, ausgelaugt, als hätte ich selbst gespielt. (Was auch damit zu tun hatte, dass ich heute bereits um 10.30 Uhr 380 Kilometer vom Westfalenstadion entfernt in einer Redaktion zu sein hatte, aber das nur am Rande.)

Ich werde noch eine Weile brauchen, um zu begreifen, was da gestern Abend passiert ist und welche Tragweite das hatte. Es war doch alles ein bisschen viel auf einmal, und ich bin wie schon mehrfach betont auch keine 20 mehr.

Bis wenige Tage vor dem magischen Mittwoch hatte ich noch gedacht, das sei ein ganz normales Bundesliga-Spiel (soweit ein Spiel gegen die Bayern überhaupt normal sein kann), aber nachdem sämtliche Zeitungen und Zeitschriften sowie meine Facebook-Timeline auf einmal komplett ausflippten, wurde mir klar, dass ein Spiel der beiden führenden Mannschaften der Bundesliga, die nur von lumpigen drei Punkten getrennt sind, wohl doch nicht ganz normal ist. Und von da an ging mir die Düse, auch wenn meine Mutter am Dienstag um 22.20 Uhr zu mir sagte: “Morgen um diese Zeit haben wir schon gewonnen.” Und Mutti hat ja eigentlich immer Recht.

Ich hatte auch gar nicht so viel Angst vor der Niederlage als vor den dummen Sprüchen, die einem dann gern von noch dümmeren Leuten um die Ohren gehauen werden. Und denen ich dann immer auf sehr hässliche und undamenhafte Weise entgegentreten muss, was für beide Seiten meistens unerfreulich ist. Und wobei auf der einen Seite die Worte “Halt endlich die Fresse” und auf der anderen die Worte “Nun beruhig dich doch mal” fallen, was weitere Hässlichkeiten nach sich zieht.

Und so sah ich plötzlich überall BVB, sogar in der Frühstücksbutter:

Dann natürlich die schwierige Frage: Was ziehe ich an? Das Meistershirt aus der vergangenen Saison wäre vermessen gewesen, die Pokalshirts müssen noch bis Mai warten, mit dem Heimspiel-Shirt hatten uns die Stuttgarter vier Dinger reingekloppt und das Metzelder-Trikot ist in der Altkleidersammlung. Ich entschied mich dann für das mittlere aus der folgenden Kollektion:

(Und ja – ich hab die alle von Hamburg nach Westfalen gefahren, um mich vor Ort entscheiden zu können. Keine Kommentare, die meinen Geisteszustand betreffen, bitte.)

Wie ich die quälend langen Stunden bis zur Abfahrt nach Dortmund überstanden hab, weiß ich nicht mehr. Nur noch, dass es dem besten Freund wohl ähnlich ging:
SMS von mir um 15.12 Uhr: “Ich halte diese nervenzerfetzende Spannung nicht mehr aus.”
SMS vom besten Freund um 15.14 Uhr: “Ich darf keinen Kaffee mehr trinken, jetzt schon Herzrasen.”

Dann endlich im Stadion, wie immer erhebend, vor allem, wenn man wie ich aus beruflichen Gründen nicht mehr so oft da sein kann, wie man gerne wäre.

Noch ein bisschen Vorgeplänkel und nette junge Männer angucken,

ein bisschen singen,

bis es endlich los ging:

Ein ausgezeichneter Spielbericht findet sich wie immer hier, also muss ich mir gar nicht den Anstrich geben, dass ich Ahnung vom Fußball hätte oder mich an irgendwas erinnern könnte. Ich weiß nur noch, dass ich nicht so viel Angst hatte wie sonst bei Spielen gegen die Bayern. Es war nicht so, dass sie nun komplett ungefährlich agiert hätten, aber zwingenden Druck nach vorne konnten sie auch nicht aufbauen. Wir hatten zumindest in der ersten Halbzeit mehr Spielanteile, ohne dass es zum Tor gekommen wäre. Die üblichen Lattenschüsse und Pfostentreffer- gefühlt 36 pro Minute – inklusive. Vielleicht war das aber auch alles ganz anders, von Korrekturen bitte ich dennoch abzusehen. Es ist mir relativ wurscht, wie es wirklich war. ;-)

In der zweiten Halbzeit kam Bayern meines Erachtens besser ins Spiel, aber irgendwie hatte ich es im Adrenalin und auch in allen anderen Körperflüssigkeiten, dass das Ganze für uns doch gut ausgeht.

Und dass ich den richtigen Riecher für Fotos habe, beweisen die folgenden zwei:

Kurz vor dem Tor die Kamera eingeschaltet

und im Moment des Einnetzens abgedrückt:

Dafür, dass ich auf einmal nur noch torbejubelnde Arme vor der Linse hatte, kann ich ja nichts. Nach dem Tor weiß ich erst mal ein paar Minuten lang nichts mehr. Es ist alles eine einzige Erinnerungssoße aus Jubel, Freudentränchen, Umarmungen mit allen um mich rum und entfesseltes Gebrüll. Was das eigentlich für ein geiles Ding von Lewandowski war, hab ich erst später im TV gesehen. Aber es hat ja auch viel Schönes, wenn man in der Nachbetrachtung noch neue Details entdeckt.

Als der Elfmeter gegen uns gepfiffen wurde, geschah Seltsames mit mir. Ich sah die jubelnden Bayernfans auf der Nordtribüne und dachte verwundert: “Was freut ihr euch denn so, das Ding ist doch noch lange nicht drin.” Um mich rum regten sich alle auf, aber ich konnte den Lärm irgendwie überhaupt nicht hören und dachte wieder: “Der geht doch eh nicht rein, nun bleibt doch alle mal ruhig.” Zum Glück sprach ich das auch aus und bitte meine Mutter, das vor Gericht zu bestätigen.

Der Rest ist bekanntlich Geschichte: Robben schießt zu lasch, Weidenfeller hält das Ding fest, und im Stadion brach die Hölle los. Der Jubel war fast noch lauter als beim Tor – denn irgendwie wussten da wohl alle, dass das nicht mehr schief gehen konnte, ja nicht mehr schiefgehen durfte. Ein solches Arschloch konnte der Fußballgott nicht sein. Von den letzten Minuten weiß ich nur noch, dass ich die ganze Zeit brüllte “Nun pfeif doch endlich ab!” Vom Spiel kann ich nichts mehr berichten, das ist im Bermudadreieck zwischen meinen Ohren verschwunden. Oder vielmehr ist es ein einziger schwarz-gelber Rausch, ein einziger lauter Fangesang, obwohl ich da schon lange keine Stimme mehr hatte. Es war ein einziges Fahnenschwenken und das kollektive Bewusstsein, dass wir halbwegs durch mit der Nummer sind und tatsächlich wieder Meister werden. (Und nein, ich will den Ball nicht flach halten, ich will das jetzt rausposaunen. Ich hab schließlich auch gewusst, dass der Elfer nicht reingeht, ich bin ein Medium!)

Der Rest war also Jubel, Grinsen und Freude auf allen Seiten:

Und alles strahlte in schwarz-gelb.

Und wenn ich jetzt nicht sofort schlafe, wird das alles ein böses Ende nehmen.


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