Kirstens Weblog


Hoch die Wandertasse!
20. Juni 2009, 1:45
Gespeichert unter: Blogzeuch | Schlagworte: ,

Tja. Da hat es ja gleich zu Anfang die Richtige getroffen. Wie lustig, dass der virtuelle „Kaffeeklatsch mit Frau … äh … Mutti“ mit jemandem beginnt, der weder richtigen Kaffee verträgt und noch aufgrund traumatischer Kindheitserlebnissen Kaffeeklatsch überhaupt mag. Vermutlich war ich betrunken, als ich mich für die Aktion angemeldet hab. Vielleicht aber war es auch einfach mal Zeit, das Trauma zu überwinden und einen ordentlichen Kaffeeklatsch zu machen.

Problem: Kaffeeklatsch kenne ich eigentlich nur von meinen Großeltern. Da saßen dann viele alte Leute in der Runde, schrien gegen die leeren Batterien ihrer Hörgeräte an und hatten Körper, die ein schier unglaubliches Fassungsvermögen für Kaffee,  Kuchen und Schnäpschen aufwiesen. Damals fand ich das befremdlich, heute denke ich, dass ich genauso sein möchte, wenn ich 80 bin.

Wenig erbaulich waren die Themen, um die es bei solchen Gelegenheiten ging. Ich vermute, dass mit dem Erreichen des Rentenalters die letzten Grenzen fallen, was die öffentliche Diskussion von Verdauungsvorgängen angeht. Ich will nicht ins Detail gehen, aber wenn man das einmal mitgemacht hat, kriegt man eine Schokoladentorte nur noch schwer durch den Hals.

Vielleicht haben mich diese Erlebnisse grundlegend falsch geprägt, was den Kaffeeklatsch an sich angeht. Ich sollte mich wohl erst einmal in der Theorie mit dem Begriff befassen. Mit Büchern und so.

Auf Englisch sagte man zum Kaffeeklatsch tatsächlich coffee klatsch, teilt mir das Collins German Dictionary mit. Endlich mal ein schönes Wort, das sich wohltuend von den anderen Übernahmen aus dem Deutschen wie „Blitzkrieg“ und „Angst“ abhebt:

coffee klatsch

Im Französischen dagegen:

papotages

In der schönsten aller Sprachen gibt es offenbar gar keinen Ausdruck für den Kaffeeklatsch. Is wahrscheinz, weils anne Trinkhalle eher Pilsken gibt:

käffken

Schlauer bin ich nun allerdings immer noch nicht. Zum Glück habe ich noch „Der Sprach-Brockhaus“ von 1951 im Regal stehen. Hier gibt es nicht nur bislang ungekannte Wörter wie Kaffeefatz und Kaffeemuhme zu lernen,

kaffeemuhme

sondern auch endlich ein Schema eines vorbildlichen Kaffeetisches:

kaffeetisch

Verdammt. Sieht bei mir irgendwie anders aus:

kaffeetisch_2

Ich habe leider weder einen Tortenspaten noch eine Käseglocke oder eine Gebäckzange. Und in der Tasse ist auch nur Getreidekaffee. Ich bin also hoffnungslos unbegabt, was einen echten Kaffeeklatsch angeht, scheint mir. Naja. Dafür kann ich Hans-Peter Briegel von Manfred Kaltz unterscheiden.



45 Kommentare bis jetzt
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[...] Da. Veröffentlicht von fraumutti Abgelegt unter Tässchen! [...]

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Ich kann mir nicht helfen, aber ich finde Ihre Kaffeetisch um einiges ansprechender als das Vergleichsobjekt in „Der Sprach-Brockhaus“. Ich wünsche Ihnen einen schönen Samstag Nachmittag :)

Kommentar von kekskruemelblog

Den hatte ich, vielen Dank!

Kommentar von Kirsten

Ich find Ihren Kaffeetisch prima und für einen „Ein-Personen-Kaffeeklatsch“ geradezu üppig. Hauptsache, Sie haben es genossen!
VG Doris

Kommentar von tante liesbet

Und wie! :-)

Kommentar von Kirsten

Phantastisch, Frau Maus hat dank Ihnen nun ein neues Lieblingswort: Kaffeefatz. Danke. Hat zwar weder mit Kaffeeklatsch noch mit Kaffee als solchem was zu tun, aber dafür mit dem Meer, und das liebt Frau Maus ja ohnehin. Kaffeefatz, Kaffeefatz, lassen Sie sich das doch mal auf der Zunge zergehen – das hüpft im Mund! :)

Kommentar von Frau Maus

Ich glaube, es handelt sich beim Kaffeefatz um Kaffeesatz. Das liegt bloß am Schrifttyp, dass das „s“ wie ein „f“ aussieht. Weiter oben bei „jüngster“ kann man sehen, was ich meine. Das heißt nämlich auch nicht „jüngfter“.

Liebe Grüße und guten Genuss!

Daniela

Kommentar von Daniela

ARGH! Was hab ich im Germanistikstudium immer über Leute gelacht, die Fraktur bzw. das alte „s“ nicht lesen konnten. Und nu passiert mir sowas. Danke für den Hinweis! :-)

Kommentar von Kirsten

Gern geschehen, so von Ex-Germanistikstudentin zu selbiger :-)

Kommentar von Daniela

Kaffeefatz ist ein ausnehmend hübsches Wort, das verwendet und verbreitet werden sollte – aber in Ihrem alten Brockhaus steht es nicht. Dort steht Kaffeesatz – mit einem F-ähnlichen S (aber der F-Querstrich fehlt), vermutlich alte Gewohnheit noch von der Frakturschrift her, wo nur am Wortende ein rundes S verwendet wird. Andernfalls hieße es eine Zeile drunter auch befonders statt besonders, und noch weiter unten Kaffeefchwefter, was selbst für LisplerInnen schwer zu sprechen wäre. :-)

Kommentar von Hedonistin

Mir scheint, dass ich Germanistik studiert hab, glaubt mir jetzt keiner mehr, oder? *rotwerd*

Aber ich bleibe dabei, dass Kaffeefatz ein viiiiel schöneres Wort ist.

Kommentar von Kirsten

Toll, jetzt nur noch 100 Kafeeklatsche (-klatschen?, -klitschen?)bevor ich dran bin. Und ich freu mich, dass die allerbeste Patentochtermutti weiß, dass Manne Kaltz ein Fußballer war. Das war so unsere Zeit, als der aktiv gespielt hat. Und nur daher kenn ich den auch, und den Briegel mit seinen Löckchen, hach. Ein absolut zeitgemäßer weil fettarm und gesund gestalteter Kaffetisch, Note: 2, Punktabzug wegen unechtem Kaffee… sorry.

Kommentar von ulla

Hätte ich echten Kaffee getrunken, hätte ich irgendwann hoch über den Tisch gekotzt. Ich möchte nicht wissen, was das erst für Punktabzug gegeben hätte … ;-)

Kommentar von Kirsten

Hans Peter Briegel kenn ich auch noch, der war immer mein Lockenheld, als ich noch klein war. Dabei hab ich von Fußball mal gar keine Ahnung.
Oh und: ‘zeitgeisty’ und ‘Gesundheit!’ sind doch auch schön. ;-)

Kommentar von Scholli

Stimmt auch wieder. Und „Kindergarten“ haben sie ja immerhin auch übernommen. :-)

Yep, die Walz von der Pfalz rulez!

Kommentar von Kirsten

dafür haben sie aber ne kerze und frisches obst
viiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiel besser also ;)

Kommentar von Fiona

Was Sie alles für Wörterbücher haben *staun* Aber „hen patry“ find ich ja fast schon frech (auch wenns manchmal der Wahrheit entspricht *g*) Und was ist das denn mit dem „Kaffee aufhaben“ und dem „Käffken“ *Schüttel*

Ansonsten find ich Ihren Kaffeetisch viel schöner und sympathischer als den im Buch!! Und Manni Kaltz würd ich auch noch erkennen… Dank Hansi Müller gab es durchaus mal Zeiten, in denen ich mich perfekt ausgekannt hab im Fußball und genauestens wußte wer wannn wo gespielt hat….

Viel Freude noch mit der tollen Tasse!

Kommentar von Jeanie

Nix gegen meine westfälische Muttasprache! ;-)

Kommentar von Kirsten

Haaaaaaaach, da wollte ich nur mal gucken, wie es der Tasse geht und werde prompt an alte Fußballerzeiten erinnert…. Hach ja, Hansi Müller….was war ich doch in den verliebt…damals..seufz…

Naja, aber es freut mich, dass es der Tasse gutgeht und ich warte gespannt, bis ich – ca. Ende 2010 – auch mal die Tasse bekomme ;-)

LG,

Gaby

Kommentar von Gaby

Ich stand ja mehr auf Holger Hieronymus und Karl-Heinz Förster. :-)

Kommentar von Kirsten

Ach, da ist die Tasse!
Schön geschrieben, das setzt Maßstäbe ;-)

Kommentar von berliner luft und ostseewelle

Danke!

Kommentar von Kirsten

Nun, mit Kirschen, Schoki, Keksen, DVD UND Fußball setzt dieser Kaffeeklatsch Maßstäbe, würde ich sagen. Der Brokhaus gehört eh überarbeitet, und wer weiß? Wenn man dereinst Wikipedia anklickt und „Kaffeeklatsch“ sucht, findet man vielleicht IHR Kaffeeklatsch-Foto :-))

Viele liebe Grüße
Erzangie

Kommentar von Erzangie

Dann soll mir der Brockhaus aber auch ein ordentliches Honorar dafür abdrücken. :-)

Kommentar von Kirsten

Also, ich habe über die „hen party“ im Dictionary sehr gegrinst – so bildhaft ;-))
Und Ihr Kaffeetisch kommt meinem deutlich näher als der alte Brockhaus, sehr sympathisch das.

Grüße und ein schönes Wochenende Sibille

Kommentar von sibille

„Hen Party“ finde ich absolut grandios. Ich kenne das allerdings eher als Junggesellinnenabschied. Aber wer weiß, vielleicht feiert man den im englischsprachigen Raum ja auch mit Kaffee. ;-)

Kommentar von Kirsten

Eine tolle Eröffnung für den Kaffeeklatsch! Super geschrieben!

Prost Kaffee :)
sagt
Frau Suppenklar mit einem Pott in der Rechten

Kommentar von Frau Suppenklar

Vielen Dank! Und Prost zurück! :-)

Kommentar von Kirsten

Ein wunderbarer Beitrag – jetzt werde ich mir ihren Blog ja etwas genauer anschauen müssen…
Die Kaffeemuhme ist auch wörtlich die Kaffeetante, und den Getreidekaffee habe ich gleich erkannt! (der erste heute morgen ist schon alle)

Lieben Gruß,
Pia Pessoa

Kommentar von PiaPessoa

Müssen Sie nicht. Würde mich aber freuen, wenn Sie es tun. ;-)
Muhme kannte ich, aber als Kaffeemuhme war es mir neu. Ich denke, ich nehme das in meinen aktiven Wortschatz auf.
Und endlich jemand, der mich nicht wegen des Getreidekaffees mobbt! :-)

Kommentar von Kirsten

Als Kaffeemuhme wars mir auch neu. Mal sehn, obs mit dem aktiven Wortschatz klappt.

Ich bin eigentlich eine echte Kaffeemuhme, aber seit März bin ich in homöopathischer Behandlung, und seitdem ist mir der CaroKaffee ein sehr guter Ersatz (den mochte ich auch vorher schon gerne). Aber was gibt es da noch für Getreidekaffees? Würde mich interessieren!
Lieben Gruß,
PiaPessoa

Kommentar von PiaPessoa

Servus Tasse! (Und servus Kirsten ;) )
Ich find den Kaffeeklatsch auch wunderbar-s-t. Passt doch, bestens!

Liebe Grüße aus der Oberpfalz

anabel

Kommentar von anabel71

Vielen Dank und Grüße zurück!

Kommentar von Kirsten

hallo kirsten,

toll geschrieben – hat mir meinen sonntag morgen in der fußballfreien zeit (confed gilt nicht) versüßt. sonst schau ich um die zeit doppelpass ;-)))

liebe grüße

steffi

Kommentar von steffi

Danke! Confed Cup muss nicht sein, das stimmt. Aber was ist mit der U21-EM? :-)

Hmpf, DSF kriege ich hier leider nicht …

Kommentar von Kirsten

Ich finde, so ein Kaffeeklatsch ist eine schöne Tradition, die sogar ich als Mann, sollte ich das Rentenalter erreichen, gerne pflegen werde. Vor allem dann, wenn es auch ein lecker Schnäpschen nach dem schwerverdaulichen Kuchen gibt. :-D

Kommentar von schokomo

Och, dafür muss man ja nicht bis zur Rente warten. Vor allem nicht auf das Schäpschen! :-)

Kommentar von Kirsten

Na, da issie ja nun,…heil und gut gefüllt. Getreidekaffee ist der mit dem roten Karo? Oder Muckefuck? Mag ich beides zwar nicht, aber wem’s schmeckt, dem sei’s gegönnt.
Die tasse seiht aus dieser Perspektive gar nicht mal so gross aus wie in Natura ;-) Nun warten wir gespannt auf die Erledigung der Aufgabe und das nächste Ziel der reisenden Kaffeetante…pardon: Kaffeetasse ;-)
vG Liz

Kommentar von Liz

Nee, ich trinke da einen bestimmten Getreidekaffee, bestehend aus Gerste, Roggen, Zichorie und Malz. Und ich sag es gern noch mal: Ich vertrage normalen Kaffee einfach nicht mehr. :-)

Ich war auch erstaunt, wie klein die Tasse da wirkt. Vorteilhaft fotografiert. ;-)

Die Aufgabe hab ich erledigt, aber da werde ich hier nichts drüber schreiben. Sonst ist es ja für die anderen keine Überraschung mehr!

Kommentar von Kirsten

uuups, muss man oder besser Frau, wenn sie die Tasse bekommt, nun auch so einen fantastischen Artikel schreiben? Wenn Ja, dann muss ich passen. Allerdings habe ich es genossen, diesen hier zu lesen und werde mich bemühen, meinen so zu schreiben, wie ich es kann.

unbekannterweise liebe Grüße
Petra

Kommentar von piri

Jeder soll so schreiben, wie er kann, und es wird fantastisch sein. :-)

Danke für das Kompliment und liebe Grüße zurück!

Kommentar von Kirsten

herrlich, dein beitrag! frau..äh..muttis aktion ist so genial! ich hab schon so nette blogs gefunden, sprachlich einfach toll! ich bin gespannt, wie entspannt die tasse weiterreist…. und was du noch berichtest.

danke für die „mythologie“ des klatsches! MINERVA

Kommentar von Minerva

Dankeschön! Und stimmt – die Aktion ist wirklich toll!

Inzwischen ist die Tasse wieder unterwegs, und ich bin sehr gespannt, wie ihre Reise weitergeht.

Kommentar von Kirsten

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