Kirstens Weblog


Rudelgucken vs. In-Ruhe-Gucken
27. Juni 2008, 12:08
Gespeichert unter: Lippstadt, Sport | Schlagworte: , , , , , ,

Ja gut, ich sach ma – das Halbfinal-Spiel gegen die Türken gestern hatte zwei verschiedene Halbzeiten. Zumindest für mich.

Erste Halbzeit: Rudelgucken auf dem Lippstädter Rathausplatz.

Vorteile: Man fühlt sich beim Rumbrüllen nicht so allein. Es ist nicht peinlich, die Nationalhymne zu singen.

Nachteile: Man wird beim Betreten des Geländes kontrolliert und muss seltsame Fragen beantworten („Hast du nen Deo in der Tasche?“). Neben einem steht ein knutschendes Pärchen, dessen weiblicher Teil einem dauernd den Rucksack in den Rücken rammt. Man sieht nichts vom Spiel, weil 1,80 m heutzutage doch eher klein sind und alle anderen vor einem 3,20 m große hyperaktive Rumhopser sind. Das Bier kostet Geld. Die anderen Leute riechen sehr streng (kein Wunder, denn das Deo mussten sie ja offenbar am Eingang abgeben). Die Menschen um einen rum haben während des Spiels seltsame Gesprächsthemen (Furunkel, Hämorrhoiden, Pickel), was die Konzentration auf das Spiel deutlich mindert; ebenso wie den Appetit auf eine Bratwurst.

Zweite Halbzeit: In-Ruhe-Gucken auf dem elterlichen Sofa.

Vorteile: Das Bier kostet nichts (zumindest mich). Man kennt die Leute, sie mit einem gucken, persönlich, und sie riechen auch weniger streng. Das allgemeine Unsinn-Reden beschränkt sich auf ein Minimum. Man kann mal die Füße hochlegen. Man kann offen weinen, weil Kloppo und der Urs sich nun wohl trennen müssen und sie doch so ein hübsches Paar waren. Man kann die Mutter rausschicken, um ein Tor zu pinkeln.

Nachteile: Man muss viel lauter schreien, damit der Jubel nach mehr als drei Leuten klingt (ist aber zu schaffen). Die Leute um einen rum sind sehr ehrlich, was die Kommentare angeht (ich äußerte vorsichtig das Ansinnen, mein Glückstrikot noch vor Sonntag zu waschen, weil es inzwischen doch ein wenig streng riecht. Heftiges Auffahren meiner Mutter vom Sofa: „Bist du bescheuert?!“).

Um ehrlich zu sein, war die zweite Halbzeit besser. Liegt wohl daran, dass der Lippstädter Rathausplatz nicht der Dortmunder Friedensplatz ist. Bin wohl von der WM noch etwas verwöhnt. Endspiel guck ich trotzdem in der Kneipe.

(Beitrag aus dem EM-Blog.)


8 Kommentare bis jetzt
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Ich finde ja den ‘Mittelweg’ ganz gut: mittelgroßer Biergarten mit Leinwand und Sitzplatz. Da muss man zwar u.U. schon einiges vor Anpfiff dasein, kann aber die großen Leute, die sich dann noch vor einen setzen oder stellen wollen, eiskalt wegschicken! ;-)

Nachteil ist höchstens, dass die Bedienung (so es denn eine gibt) schon mal ein bisschen überfordert ist.

Kommentar von Nick

So was ähnliches werde ich dann wohl am Sonntag machen. Und wenn das so ein SPiel wird wie gegen die Türkei, kann ich eh nichts trinken. :-)

Kommentar von Kirsten

Ich hab bis jetzt jedes Spiel zu Hause gesehen, am Sonntag wollte ich eigentlich mal in die Öffentlichkeit und da rumbrüllen. Meine Nachbarn werdens mir danken :D
Fragt sich nur, ob ich das wirklich will, beim letzten Spiel was ich nicht zu Hause sah (Deutschland gegen irgendwen anders in der EM Vorrunde 2004) ging 0:0 aus un D flog dann ja auch raus. Son bissel abergläubisch bin ich da ja auch schon ;)

Kommentar von Volker Schepker

@Volker: Mach keinen Scheiß! ;-)

Kommentar von Kirsten

ich werde jetzt auch gleich das Finale vom heimischen Sofa betrachten. Ist irgendwie entspannter und das Bier schmeckt auch besser aus der Pulle als aus den Zapfhähnen der Kieler Woche Stände.

Kommentar von Schonzeit

Oh weia Kirsten, ich hätte auf dich hören sollen…
Und dabei hatte ich nichmal ne Fahne im Fenster, die letzte hatte ich nach dem Argentinien Sieg 2006 rausgehangen, was dann gegen Italien passierte, wissen wir.
Aufm Domshof in Bremen war zwar gut Stimmung aber die ham wieder 0 Tore geschossen… Ich werd echt abergläubisch ;)

Kommentar von Volker Schepker

@Volker: DA HÄTTEN WIR ALSO DEN SCHULDIGEN! ;-)

Kommentar von Kirsten

Ich geh ja schon *schäm* ;)

Kommentar von Volker Schepker




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