Ich sollte mir für’s wahre Leben mal ein Stückchen Toleranz vom meinem Fußball-Ich abschneiden. Zum einen bewahre ich seit Wochen einen S04-Taschenkalender auf, den ich – anstatt ihn in einem rituellen Feuer zu verbrennen und nackt drum herum zu tanzen – aufbewahre, um einen guten Freund und Kollegen zu fragen, ob er als alter Schalker dafür nicht Verwendung hat. Zum anderen aber ist mir plötzlich aufgegangen, wie unglaublich nachsichtig ich diesen elf schwatz-gelben Jungs gegenüber bin. Wäre nämlich die Verabredung, die ich heute Abend um 20.30 Uhr im Westfalenstadion habe, ein Date mit nur einem Mann – ich würd nicht hingehen, sondern lieber zu einer sicher sehr lustigen Wohnungseinweihungsparty hier fahren.
Ich habe keine besonders hohen Erwartungen an das Spiel gegen Bremen heute Abend. Wäre es ein Date, würde ich also erwarten, dass der Mann, mit dem ich den Abend zu verbringen gedenke, die ganze Zeit rumrotzt, sich bewegt wie eine Schlaftablette, keine Ahnung hat, was man mit Bällen anstellt, Unsinn redet und mich am Ende auch noch bezahlen lässt. (Was vielleicht auch nur angemessen angesichts der Tatsache wäre, dass ich heute Abend in Begleitung meiner Mutter erscheinen werde.)
Und mal ehrlich – geht man als normal denkender Mensch zu einem Date, von dem er weiß, dass es wahrscheinlich ein Desaster wird? Ich gehe wirklich stark davon aus, dass meine Jungs heute gegen Bremen verlieren. Und trotzdem freu ich mich ein bisschen auf den Abend. Und auch, wenn sie verlieren und sich wirklich die erwartete Grütze zusammenspielen, bin ich sicher beim Spiel gegen den HSV in der übernächsten Woche wieder dabei. Ist das nun wirklich Toleranz oder das tiefsitzende Bedürfnis, sich schlecht behandeln zu lassen?
Ich begreife wirklich nicht, woher ich diese Nachsicht nehme und diesen elf Männern so viel verzeihe. Die dürfen sich mir gegenüber fast alles rausnehmen, ich renn ihnen trotzdem weiter treu und brav hinterher. (Jetzt hätte ich fast geschrieben, dass ich mich in echt noch nie öfter als einmal mit einem Mann getroffe hab, der mich mies behandelt hat – das würde aber leider nicht der Wahrheit entsprechen. Aber zumindest ist das im vergangenen Jahr nicht mehr vorgekommen, ich scheine also zumindest in dieser Hinsicht auf dem Weg der Vernünftigwerdung.) Im wahren Leben hätt ich schon längst die Scheidung eingereicht. Aber so? Heja BVB!
Irgendwie erschreckend.
4 Kommentare bis jetzt
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Nana, es läuft doch wohl ganz gut in Eurer Beziehung beim Stande vom 3:0, möchte ich meinen :-).
Kommentar von Lonari 14. September 2007 @ 9:44Na siehste, die Herren sind doch noch für ´ne Überraschung gut.
Kommentar von Bhuti 15. September 2007 @ 7:35Borussia Dortmund gewinnt gegen Werder Bremen und Premiere ist schlecht
Das war doch ein schönes Fußball-Fest am vergangenen Freitag!
Trackback von Pottblog 16. September 2007 @ 12:16Freitag abend, der BVB empfing im heimischen Signal-Iduna-Park die hanseatischen Kicker von Werder Bremen. Eigentlich sollte klar sein, dass die Bremer der Favorit waren. Letzte Sa…
Ich möchte aber dennoch anmerken, dass Du eine sehr witzige Einweihungsparty verpasst hast, die wir trotz Sportkurs am nächsten Morgen um zehn erst so gegen drei in der Nacht verlassen haben … :-)
Kommentar von Daniela 26. September 2007 @ 9:26